Personalmanagement 21.10.2011, 12:05 Uhr

Junge Ingenieure gehen in die Offensive

Hochschulabsolventen und junge Ingenieure mit wenig Berufserfahrung wissen um ihren Wert. Sie stellen „die tradierten Arbeitszeitmuster und Sitzfleisch-Kulturen“ infrage, sagt Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger. Und das sei richtig so, wie auch andere Personalfachleute bestätigen. Das neue Selbstbewusstsein der Jungen benötige neue Rekrutierungsmodelle.

Eigentlich sollten es heute gute Zeiten für Talente und Studiumsabsolventen sein. Der Ruf der deutschen Wirtschaft nach fähigen Berufseinsteigern war nie stärker. Bietet das mehr Chancen für sie?

Thomas Sattelberger ist davon überzeugt. Der Personalvorstand der Deutschen Telekom ist bekannt für seine unorthodoxen und pragmatischen Ansätze, wie: „Junge Talente stellen die tradierten Arbeitszeitmuster und Sitzfleisch-Kulturen immer mehr infrage – wie ich finde übrigens völlig zu Recht! Sie wollen selbstbestimmter sein, sowohl, wenn es darum geht, Leistung zu erbringen, als auch, wenn es darum geht, Zeitanteile für Beruf, Familie und Freunde auszutarieren. Diese Perspektiven sollten ihnen Unternehmen neben einer packenden und anspruchsvollen Tätigkeit bieten.“

Absolventen sollten Einstellungsgespräch auf Augenhöhe führen

Sattelberger rät bei einem Einstellungsgespräch den Kandidaten dazu, vor allem einen Dialog auf Augenhöhe zu führen: „Dazu gehört, sich nicht zu schüchtern zu geben, aber auch nicht nur routiniert seine einstudierte Geschichte abzuspulen. Couragiert Themen anzusprechen, die ein Mensch mit glattgebügelter Einstellung lieber nicht erwähnen würde, sollte nicht zum Schaden eines Talents sein. Wenn das nicht möglich scheint, dann sollte man auch aus Selbstschutz die Finger von einem solchen Unternehmen lassen.“

Aber wie erkennen Talente, dass sie sich für das „richtige“ Unternehmen interessieren? Die Antwort auf diese Frage ist mitentscheidend, weiß der geschäftsführende Gesellschafter des Düsseldorfer Personalberatungsunternehmens Headsahead, Ralf Kreutzberg: „Zunächst sollten sie sich die Zeit nehmen, über eigene Stärken, Leidenschaften und berufliche Zielvorstellungen nachzudenken und diese Erkenntnisse mit vertrauensvollen Menschen zu besprechen, um zu einem ‚Bild’ zu kommen, das man mit potenziellen Arbeitgebern – soweit wie möglich – abgleicht.“ Der Headhunter betont besonders die Notwendigkeit, in Bewerbungsgesprächen konkrete Fragen zum Umgang miteinander, den gelebten Werten, der Führungskultur und der Fluktuation zu stellen.

Familienunternehmen legen in der Gunst junger Ingenieure zu

Dabei ist eine der grundlegenden Entscheidungen am Anfang einer Karriere, ob ein Konzern oder ein mittelständisches Unternehmen die erste Station sein soll. Während früher die großen, internationalen Namen für Einsteiger ganz oben auf der Wunschliste standen, scheint sich das allmählich zu wandeln, wie Stefan Heidbreder, Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, bestätigt: „Familienunternehmen haben – vor allem nach der jüngsten Wirtschaftskrise – in der Reputation junger Fach- und Führungskräfte deutlich zugelegt. Ihnen wird positiv angerechnet, dass sie auch in Krisenzeiten eher ihre Mitarbeiter gehalten haben. Trotzdem haben sie nach wie vor damit zu kämpfen, dass sie – selbst als Weltmarktführer – oftmals am Arbeitsmarkt unbekannter sind als internationale Großkonzerne. Das schlägt sich auch im Recruiting nieder.“

Größere Familienunternehmen sind inzwischen oft global aufgestellt, was deren Attraktivität erhöht. Heidbreder jedenfalls empfiehlt Interessierten als Voraussetzung für ein erfolgreiches Bewerbungsgespräch neben einer guten Qualifikation, auch Wissen über die Unternehmenskultur und die Unternehmenswerte der jeweiligen Firma mitzubringen: „Oftmals kümmern sich die Eigentümer-Unternehmer selbst um das Recruiting, zumindest, wenn es um die Einstellung von künftigen Führungskräften geht. Nirgendwo sonst gilt mehr denn je die Devise ‚1 g Charakter ist mehr wert als 10 kg Wissen’.“

Der Geschäftsführer von PV Automotive, Stephan Rahmede, bestätigt diese Sicht. Das deutschlandweit tätige Handelsunternehmen für Fahrzeugteile und Zubehör, das vor Kurzem die Werkstattkette Pit Stop erwarb, beschäftigt mit einem Jahresumsatz von rund 500 Mio. € etwa 3000 Mitarbeiter. Rahmede: „Wir erhalten im Gegensatz zu Konzernen kaum Impulsbewerbungen.“

Dabei würden stets hervorragende Einsteiger beim Vertriebspersonal, im Produktmanagement oder im Marketing gebraucht. „Hochschulabsolventen lassen wir hier zunächst gerne die verschiedenen Stationen durchlaufen, damit sie die Struktur des Unternehmens verstehen“, beschreibt der Geschäftsführer und erklärt den Vorteil, den PV Automotive Einsteigern bieten kann: „Wir haben extrem flache Hierarchien. Den Unterschied zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten erkennen sie nur an der kleinen ‚Kapitänsbinde’ und sonst an nichts.“ Das fördere ein teamorientiertes Zusammenarbeiten und schaffe bei den Mitarbeitern eine gute Atmosphäre: „Weil man sich dadurch selbst gut weiterentwickeln kann. Fähige Leute können sehr schnell aufsteigen und schneller in Querschnittsprojekte einsteigen.“

Unternehmen konkurrieren um junge Ingenieure

Dass sich Konzerne und mittelständische Unternehmen bereits in einem Wettbewerb um Talente befinden, betont Sattelberger: „Wir haben längst ausgetretene Pfade verlassen und die Talentgewinnung und -auswahl deutlich breiter aufgestellt. Wir gehen weg vom Abgleich an immer gleichen Standards, hin zur Entdeckung individueller Begabung. Vielfalt der Persönlichkeiten ist der Schlüssel zu erfolgreicher Unternehmensentwicklung. Angesichts einer längeren Berufstätigkeit und immer kürzerer Zyklen der Halbwertzeit von Wissen wird aber auch die Fähigkeit eines Unternehmens, ‚lebenslanges Lernen’ zu gestalten, entscheidend sein.“

Und so scheinen die Chancen für Absolventen und Talente zurzeit besser denn je. Personalberater Kreutzberg ist sich sicher, dass sich die Bewerber in Gesprächen mit potenziellen Arbeitgebern mehr zutrauen dürfen: „Denn jedes Unternehmen hat seine Eigenheiten. Das in Bewerbungsgesprächen zu hinterfragen, ist extrem wichtig.“ 

Von Wilfried Urbe

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