Karriere 02.07.2010, 19:47 Uhr

Julia Ritters „Ehrfurcht vor dem Handwerk“

Die Innenarchitektin Julia Ritter hat sich mit ihrem Online Store desiary.de einen Traum erfüllt. Die Wahl-Kölnerin weiß ihre Unternehmens-Erfahrungen aus der Zeit bei Daimler zu nutzen. „Die Arbeit dort hat mir das Werkzeug für alle anderen Vorhaben gegeben“, sagt die 30-Jährige. „Ich habe eben viel ausprobiert – das ist es, glaube ich, was einen weiterbringt.“

Julia Ritter erging es nach dem Abitur wie vielen anderen Teenagern. Die Freude über das Ende der Schulzeit ging reibungslos in die Phase der Leere über. Was nur anstellen mit dem Zeugnis der Allgemeinen Hochschulreife? „Ich wusste nicht so recht weiter. Mach doch erst einmal das, was dich interessiert“, rieten ihr Freunde und Verwandte.

Aber wenn man sich für mehr als nur eine Sache begeistert und über einen bunten Strauß an Interessen verfügt? Da Julia Ritters Mutter damals ihre Vorliebe für die Restauration von Möbeln entdeckte und die begabte Tochter mit ihrer Leidenschaft infizierte, schienen ein Handwerk oder das Studium der Innenarchitektur die Lösungen zu sein. „Ich hatte damals nicht das Selbstvertrauen, mir zu sagen: Das reicht für einen erfolgreichen Job! Ich wollte mich nicht mein Leben lang auf meine Kreativität verlassen müssen.“

Eine solide Basis musste her. Die fand die Freiburgerin in Heidelberg. „Dort habe ich BWL mit den Schwerpunkten Marketing und Prozessmanagement studiert. Das sprach mich an, weil das Studium einen technischen Einschlag hatte. Auch fand ich es spannend, Prozesse zu optimieren. Ich war rundum glücklich mit der Studienwahl.“

Die weiteren Karriereschritte ergaben sich zwangsläufig, der berufliche Weg wurde, so Julia Ritter, zunächst einmal „fremdgesteuert“. „Während des BWL-Studiums kommt man in einen Sog: Entweder man geht in die Unternehmensberatung oder zum Automobilkonzern.“

Julia Ritter schlug zwei Jobfliegen mit einer Klappe. Nach studienbegleitenden Praktika bei Daimler schloss sich die Diplomarbeit bei dem Stuttgarter Automobilhersteller in der konzerninternen Unternehmensberatung an. Eine lehrreiche Zeit, in der Julia Ritter das weltumspannende Netz eines Global Players und die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze des Marktes kennenlernte. Auf der Strecke aber blieb ihre kreative Ader. „Die Arbeit bei Daimler hat mir das Werkzeug für alle anderen Vorhaben gegeben. Auf die Dauer aber war mir das alles zu strukturiert, zu spezialisiert.“

Julia Ritter verließ Daimler und ergänzte ihre wissenschaftlichen Kenntnisse um ein künstlerisch-technisches Element. An der Hochschule für Technik in Stuttgart bewarb sie sich erfolgreich für das Innenarchitekturstudium, arbeitete in Architekturbüros und gewann nebenbei einige Preise. Das motivierte, um eigene Wege zu gehen.

Schon während des Studiums habe sie vorzugsweise mit Holz gearbeitet, Beistelltische entworfen und gebaut, um diese kleinen Kunstwerke mit technischen Finessen an erste Kunden zu verschicken. Die Vorstellung, dass ihre Möbel fremde Wohn- und Schlafzimmer verschönern, faszinierte sie. Daraus entstand die Idee, sich selbstständig zu machen.

Ein großstädtisches Umfeld jenseits badisch-schwäbischer Beschaulichkeit sollte den Beginn eines neuen Lebensabschnitts markieren. „Ich wollte eine Stadt, in der ich länger bleibe. Da ich ein Familienmensch bin, sollte es aber nicht zu weit weg von Freiburg sein.“

Julia Ritter entschied sich für Köln. In der Südstadt traf sie auf das, was sie sich erhofft hatte: eine jugendliche Szene mit kreativer Frische, mit Werbeagenturen und Filmemachern als Nachbarn. „Hier in Köln wurde mir bewusst, wie unterschiedlich die Mentalitäten sein können. Die Kölner sind sehr offen und freundlich, sind aber auch Schlitzohren – das sollte man wissen.“

Sie ist ein gutes halbes Jahr im Rheinland, das Abenteuer Selbstständigkeit steckt noch in den Kinderschuhen. „Ich verkaufe kein eigenes Design, werde das aber sicherlich künftig tun. Dazu muss ich erst das Geschäft richtig ans Laufen bringen.“

Um sich abzugrenzen, aber auch aus purer Überzeugung, suche sie sich ausgefallenes Design aus, keine Massenware, sondern Produkte aus kleinen Manufakturen, in die „man sich verliebt“. Das Sortiment ihres Online Stores desiary.de ist breit und reicht von Schlüsselanhängern über Möbel, Schuhe, exklusive Designobjekte, funktionales Design für den Alltag bis hin zu Lederwaren.

Wichtig ist Ritter die „Ehrfurcht vor dem Handwerk und dass ich hinter den ökologischen Produkten und ihrer Nachhaltigkeit stehe. Die Waren sollen Topqualität haben, ich habe etwas gegen Wegwerfkonsum“.

So weit sie sich auf den ersten Blick von ihrem Karrierestart entfernt hat, so prägend waren die Ausbildungen. „Ich hätte desiary.de nie aufgebaut, wenn ich nicht Innenarchitektur studiert hätte. Und beim Tagesgeschäft helfen mir natürlich meine BWL-Kenntnisse“, sagt die 30-Jährige.

Sie sei nicht immer den geradesten Weg gegangen. Aber zu schauen, was sich hinter der nächsten Abbiegung verbirgt, könne nicht so falsch gewesen sein. „Das hat Spaß gemacht und erweitert den Horizont. Ich habe eben viel ausprobiert – das ist es, glaube ich, was einen weiterbringt.“

Und was kommt noch? Julia Ritter lacht vor lauter Vorfreude und sagt: „Spannend wäre es, alte Fabrikgebäude auszubauen. Den Gedanken verdränge ich aber jetzt lieber, schließlich wartet hier noch eine Menge Arbeit auf mich.“

WOLFGANG SCHMITZ

 

Von Wolfgang Schmitz

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