Gute Aussichten 10.06.2013, 15:01 Uhr

„Jeder dritte Beschäftigte in den erneuerbaren Energien ist Ingenieur“

Einmal bei den Beschäftigten nicht zu wachsen, ist kein Beinbruch für Krischan Ostenrath vom Wissenschaftsladen Bonn. Selbst wenn 2013 Stagnation herrschen sollte: Das Wachstumsziel 500 000 Beschäftigte bis 2020 sieht der Arbeitsmarktexperte vom Wissenschaftsladen Bonn nicht gefährdet. Speziell Ingenieure würden ohnehin immer gebraucht.

Helle Köpfchen werden in der Branche der erneuerbaren Energien gesucht. Obwohl die deutsche Solarindustrie strauchelt, kann Krischan Ostenrath vom Wissenschaftsladen Bonn den Einstieg weiterhin empfehlen. 

Helle Köpfchen werden in der Branche der erneuerbaren Energien gesucht. Obwohl die deutsche Solarindustrie strauchelt, kann Krischan Ostenrath vom Wissenschaftsladen Bonn den Einstieg weiterhin empfehlen. 

Foto: Pantermedia

VDI nachrichten: Die Agentur für Erneuerbare Energien und das Bundesministerien für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit verweisen bei Arbeitsmarktzahlen in den erneuerbaren Energien auf den Wissenschaftsladen Bonn, weil sie von dort ihre Informationen beziehen würden. Woher bekommt er sein spezielles Wissen?

Ostenrath: Eine unserer wesentlichen Aufgaben ist es, Arbeitsmarkt-Informationen insbesondere an diejenigen weiterzugeben, die auf der Suche nach einer Stelle im Umweltschutz sind. In den vergangenen zehn Jahren haben wir unseren Blick vor allem auf die erneuerbaren Energien gerichtet. Wir kommen von der empirischen Seite, schauen uns die Arbeitsmarktbewegungen an und versuchen sie umzusetzen in konkrete Handlungsempfehlungen sowohl für Stellensuchende als auch für Ministerien, Stiftungen und Verbände.

Rund 380 000 Beschäftigte soll es in den erneuerbaren Energien geben. Wie viele davon sind Ingenieure?

Die Frage ist insofern schwierig, weil zwischen Wunsch und Wirklichkeit Welten liegen. Wir beziehen unsere Informationen aus den Ausschreibungen, über die reale Stellenbesetzung ist aber recht wenig bekannt. Auf Grundlage des offenen Stellenmarktes schätzen wir den Ingenieuranteil auf etwa 40 %. Weil der offene Stellenmarkt aber nur ein Ausschnitt aus dem realen Besetzungsmarkt ist, liegt er möglicherweise etwas niedriger. Ich schätze: Jeder dritte Beschäftigte in den erneuerbaren Energien ist Ingenieur.

Erneuerbare-Energien-Branche deutlich stärker technisch ausgerichtet

Das wären fast doppelt so viele wie durchschnittlich in der Industrie.

Das ist eindeutig so und liegt daran, dass wir es bei den erneuerbaren Energien mit einer stark wachsenden Branche zu tun haben und sie im Vergleich zu anderen Industrien deutlich stärker technisch ausgerichtet sind.

Die meisten Mitarbeiter hat die Windenergie. Gibt es auch dort die meisten Ingenieure oder sind Solar- und Bioenergie, Wasserkraft und Geothermie Energiequellen, die mehr Ingenieurwissen erfordern?

Hier muss man zwischen absoluten und relativen Zahlen unterscheiden. Absolut gesehen arbeiten die meisten Ingenieure in der Windkraft, Bio- und Solarenergie, weil es dort die meisten Beschäftigten gibt. Doch der Anteil in der Geothermie ist im Vergleich dazu relativ höher, weil beispielsweise mit der Bohrtechnik weitere Ingenieurgruppen vonnöten sind. In der Wasserkraft passiert am Stellenmarkt sehr wenig, sie ist ohnehin ein sehr kleines Segment. In der Bioenergie ist der Akademiker-Anteil insgesamt am höchsten, denn neben Ingenieuren werden etwa auch Agrar- und Naturwissenschaftler gebraucht.

Internationale Marktlage am Schwächeln schuld

2012 gab es nach zuvor kontinuierlichem Wachstum durch die Krise in der Solarindustrie erstmals einen Rückgang der Arbeitsplatzzahlen in den erneuerbaren Energien. Die Solarbranche schwächelt seit Jahren. Können Sie Ingenieuren guten Gewissens empfehlen, sich dort einen Job zu suchen?

Die Solarbranche ist verunsichert, was sich am schwachen Stellenmarkt widerspiegelt. Schuld daran ist die internationale Marktlage, die vor allem die deutschen Produktionsstandorte unter Druck setzt.

Grundsätzlich kann ich nur empfehlen, dass man beruflich das macht, woran man Spaß hat. Ich halte nicht viel davon, aus strategischen Gründen sich mit Mitte 20 für einen Beruf zu entscheiden, der ein langes Berufsleben unglücklich macht. Konkret: Ich kann eine Ausbildung und einen Job in der Solarbranche nach wie vor empfehlen. Ich empfehle aber, dass sich Studenten nicht zu sehr und nicht zu früh spezialisieren, sondern sich breit aufstellen. Das macht flexibel für unterschiedliche Branchen.

Branchenziel: Eine halbe Million Beschäftigte bis 2020

In Ostdeutschland arbeiten 15 Beschäftigte pro 1000 Arbeitnehmer in Unternehmen der erneuerbaren Energien. In Westdeutschland sind es neun. Woran liegt das?

Ich meine, dass dieser Umstand Ergebnis einer gezielten Industriepolitik ist. Die Rahmenbedingungen mit Subventionen und Infrastruktur sind für Unternehmen günstig, allerdings gibt es zunehmend Besetzungsschwierigkeiten. Man darf aber nicht vergessen, dass dieser Anteil wiederum ein relativer Wert ist.

Die absolut meisten Beschäftigten in den erneuerbaren Energien gibt es in den großen Flächenländern des Westens, allen voran in Bayern.

Das Branchenziel lautet: 500 000 Beschäftigte bis 2020. Ist das realistisch und wie ist Ihre Prognose zum Jahresende 2013?

Die Arbeitsmarktlage wird immer Ex-Post betrachtet. Dafür liegen hieb- und stichfeste Informationen vor, um klare Aussagen zu treffen.

Wie sie sich künftig entwickelt wird, dafür fehlen verlässliche Daten im Detail. Deshalb wage ich nur die Vermutung, dass es im Jahr 2013 Stagnation bei den Beschäftigten geben wird. Dass wir das mittelfristige Beschäftigungsziel bis 2020 erreichen, daran zweifle ich nicht. Selbst zurzeit werden viele Ingenieure gesucht, der Markt ist nicht einmal ansatzweise gesättigt.

Welches sind die gefragtesten Ingenieurdisziplinen und was die am häufigsten ausgeschriebenen Funktionen?

Die Top Drei sind auch in den erneuerbaren Energien die klassischen Fachrichtungen: Bauingenieure, Ingenieure des Maschinenbaus und der Elektrotechnik. Bei den Tätigkeiten liegen Anlagenplanung und –bau, Forschung und Produktentwicklung sowie Projektmanagement und –leitung vorne. 

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