Im Porträt 23.03.2012, 11:59 Uhr

Jasmin Pfuhler: Dreifache Mutter und Führungskraft

Die dreifache Mutter Jasmin Pfuhler hat allen Grund, zufrieden zu sein. Als sie mit 39 Jahren ein Bachelorstudium der Verfahrenstechnik begann, zweifelte sie auch. Heute hat sie das Studium abgeschlossen, arbeitet als stellvertretende Leiterin am Steinbeis-Transferzentrum und hat noch einiges vor.

Auf der obersten Treppenstufe der Hochschule Offenburg steht Jasmin Pfuhler und beobachtet, wie wir zu ihr hochsteigen. Die dreifache Mutter, Ingenieurin und erfolgreiche Späteinsteigerin in Studium und Beruf, weiß, wo sie steht – und wie sie dorthin gekommen ist.

„Engagement zahlt sich aus“, sagt Pfuhler, und lässt keinen Zweifel an dieser These aufkommen. Bei einem Klassentreffen 20 Jahre nach dem Abitur beschlich sie das Gefühl, nichts aus sich gemacht zu haben. „Das war der Ansatz zu sagen: Nein, so kann das nicht bleiben.“

Jasmin Pfuhler startet ihre Karriere mit 39 Jahren und drei Kindern

In Selbstkritik brauchte sich Jasmin Pfuhler nicht zu üben. Zum Zeitpunkt des Klassentreffens war sie Mutter dreier Kinder und hatte sich mit dem Betrieb ihrer Eltern selbstständig gemacht. „Klar, das ist auch eine Leistung, aber für mich war es nicht genug.“ Sie sah keine berufliche Perspektive, der Teppichhandel sei ja auch ein „schwieriges Geschäft“, sagt sie leise.

Die heute 43-Jährige wollte mehr. Als sich ihre älteste Tochter über Studiengänge informierte, begann sie selbst ein Studium der Verfahrenstechnik mit dem Schwerpunkt Energietechnik an der Hochschule Offenburg. „Das erste halbe Jahr haben wir es keinen wissen lassen“, gesteht Pfuhler, „aber wie kann ich meinen Kindern sagen, sie sollen sich anstrengen, wenn ich das selbst nicht fertigbringe?“

Dieser Wille und der späte Entschluss, eine akademische Ausbildung anzustreben, trieben sie an. „Ich wollte unbedingt fertig werden, so schnell wie möglich“, sagt sie, wohlwissend, dass ihre Berufsaussichten nur mit einem erfolgreichen Abschluss gut sein würden. Im Rückblick kann sie trotz der entbehrungsreichen Zeit keine besonderen Hürden ausmachen: „Nach und nach hat es keinen mehr interessiert, wie alt ich bin. Wenn man unter Jüngeren ist, denkt man in eine ganz andere Richtung, man sieht vieles mit anderen Augen.“ Das eröffnete ihr neue Perspektiven.

Zugleich berichtet Pfuhler von handfesten Vorteilen eines späten Studienstarts. Direkt nach dem Abitur hatte sie bereits ein Studium des Bauingenieurwesens und der Agrarwissenschaften begonnen, dies aber aus persönlichen Gründen abgebrochen. Mit Ende 30, sagt sie, konnte sie einiges besser machen, vor allem im Umgang mit den Lehrenden. „Junge Leute sind manchmal ein bisschen forsch. Ich konnte mich eher in die Professoren hineinversetzen.“ Insofern sei sie überzeugt, den richtigen Weg beschritten zu haben.

Pfuhler sieht handfeste Vorteile eines späten Studienstarts

„Ob das immer funktionieren kann, weiß ich nicht“, gesteht Pfuhler. Ihr Mann musste „ganz schön zurückstecken“, habe ihr aber immer versichert, dass es ein Stück Sicherheit in die Familie bringe, wenn auch sie mit ihrer Tätigkeit zufrieden sei. „Er hat wirklich Großes geleistet, indem er neben seiner Selbstständigkeit drei Kinder großgezogen hat.“

In dieser Zeit mussten auch ihre Kinder lernen, alleine zurechtzukommen. „Man kann eben nicht zu jedem Elternabend oder jedem Fest in der Schule gehen“, stellt Pfuhler klar. Verwandte haben sie und ihr Mann ausschließlich im Iran, eine Kinderbetreuung war finanziell nicht denkbar. Als Selbstständiger habe man schließlich kein festes Einkommen und für das Zweitstudium gab es keinerlei staatliche Förderung.

„Wenn wir zu Hause waren, haben wir versucht, nur für die Kinder da zu sein. Für Freizeit und Freunde war die letzten Jahre keine Zeit.“ Am ehesten habe ihre jüngste Tochter (zu Studienbeginn der Mutter zehn Jahre alt) unter dem zeitlichen Druck der Mutter gelitten. „Wenn die Kinder um neun im Bett waren, habe ich mich hingesetzt und nachts bis zwei oder drei Uhr gelernt“, beschreibt Pfuhler einen normalen Tagesablauf. „Das zehrt natürlich. Aber für mich war es wichtig, meine Fähigkeiten in die richtige Reihenfolge zu bringen.“

Als Kind eines iranischen Vaters setzte sie sich damit schon frühzeitig auseinander. Pfuhler wuchs zweisprachig auf, spricht fließend Deutsch und Persisch. Auch in Englisch und Französisch ist sie begabt. „Sprachen“, so der Gedanke der Abiturientin Pfuhler, „kann ich immer noch machen. Aber das Tüfteln und Rechnen, also Probleme lösen, das kann ich am besten in einem Ingenieurstudium.“

Es hat sich bewahrheitet: Heute ist Jasmin Pfuhler im Steinbeis-Transferzentrum für Energie-, Umwelt- und Rheinraumtechnik in Offenburg (STZ Euro) für den Wissenstransfer in Auslandsprojekten zuständig. Zu Beginn des Jahres stieg sie zur stellvertretenden Leiterin auf. Das habe sich so ergeben, weil sie auch betriebswirtschaftliches Denken mitbringe, „was andere, die nur studiert haben, nicht vorweisen können“.

Als Studentin hatte Pfuhler ein Praktikum im STZ absolviert und nach dem 4. Semester nebenher dort gearbeitet – eine Baustelle mehr, die sie jedoch gerne in Kauf nahm. „Das war meine Chance. Das STZ ist genau um die Ecke, ich war nah bei meinen Kindern.“

Trotz Mehrfachbelastung: Pfuhler zieht sich nicht ins Familienleben zurück

Die Mehrfachbelastung hat nicht dazu geführt, dass sich die frischgebackene Ingenieurin ins Familienleben zurückzieht – im Gegenteil. Jetzt, da die Kinder größer werden, rücke der Fokus auf den Beruf. Nebenher hat Pfuhler einen Masterstudiengang begonnen und könnte sich vorstellen, zusätzlich in einer Lehrtätigkeit Wissen zu vermitteln – „in der fernen Zukunft“. 

Ihren eigenen Kindern würde die erfolgreiche Späteinsteigerin einen anderen Lebensweg empfehlen. „Man kann immer Wege finden, etwas zu schaffen. Einfacher ist es sicher, wenn man es geradlinig durchzieht.“

Ein Beitrag von:

  • Lisa Diez-Holz

    Die Autorin war von 2017 bis Ende 2019 Content Managerin für das TechnikKarriere-News-Portal des VDI Verlags. Zuvor schrieb sie als Redakteurin für die VDI nachrichten.

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