Ansprüche gestiegen 07.05.2013, 13:15 Uhr

IT-Fachleuten reichen keine 0815-Jobs

IT- und New Media-Experten sind gefragter denn je. Sie schaffen die Voraussetzungen, damit Geschäfte aller Art im Internet abgewickelt werden können. Solche Arbeitskräfte zu finden und zu halten, ist für viele Unternehmen eine Herausforderung besonderer Güte.

IT-Techniker sind derzeit stark gesucht. Vor allem junge Techniker sind dabei anspruchsvoller und suchen sich ihren Arbeitsplatz gezielt aus.

IT-Techniker sind derzeit stark gesucht. Vor allem junge Techniker sind dabei anspruchsvoller und suchen sich ihren Arbeitsplatz gezielt aus.

Foto: Deutsche Telekom

„IT- und Social Media-Spezialisten sind gefragte Leute – und sie wissen es! Also muss man sich als Suchender schon besondere Mühe geben. Wer den Nerv nicht trifft, lockt keinen Crack hinterm Rechner hervor.“ Das hat Paul Awe festgestellt. Als Projektleiter bei der dmcgroup mit Hauptsitz in Wien betreut er im Personalmarketing die Kunden Bosch und Allianz, die genau diese Spezialisten suchen. „IT-ler lieben das Spezialistentum. IT ist nicht gleich IT, beschreibe also exakt, wen du sucht, verwende keine Allgemeinplätze und vor allem keine ,falschen‘ Fachbegriffe. IT-ler machen aus ihrem Können gerne eine Blackbox, und wer es schafft, da reinzuschauen, hat gute Karten: IT-ler packt man bei ihren persönlichen Kenntnissen, nicht mit Karrierefloskeln.“ 

Sattelberger: Junge Arbeitnehmer sind anspruchsvoller geworden

Dass junge Arbeitnehmer heute generell weit anspruchsvoller an ihren Beruf herangehen, davon ist auch Thomas Sattelberger, Vorstandsvorsitzender der BDA/BDI-Initiative „MINT Zukunft schaffen“, überzeugt: „Sie erwarten eine neue Arbeitswelt, die ihre Lebensentwürfe und Ambitionen mitberücksichtigt.“ Der Job solle Spaß machen, gute Entwicklungsperspektiven bieten und vor allem sinnvoll sein. Die große Welt ein wenig besser und die eigene kleine Welt gestaltbar machen, spielt eine große Rolle, ebenso wie Selbstbestimmung, Souveränität und Flexibilität während des Berufslebens.“

Nicht jeder Führungsstil werde akzeptiert, vom Chef werden Mitsprache, Respekt und Aufmerksamkeit erwartet: „Work-Life-Management nimmt an Bedeutung zu, Krippenplätze und Betreuung der Eltern, völlig veränderte, lebensgerecht ausgerichtete Rahmenbedingungen müssen angeboten werden, damit junge Arbeitnehmer ihren Unternehmen die Treue halten. Trägt der Arbeitgeber all dem nicht Rechnung, sind junge Menschen wieder weg.“

Ralf Kreutzberg, Geschäftsführer des Düsseldorfer Personalberatungsunternehmens Headsahead, das klassische Unternehmen beim Aufbau von E-Commerce-Einheiten berät, kommt in einer eigenen Studie zu einem eindeutigen Ergebnis: ITK-Fachkräfte konzentrieren sich vor allem in den Metropolen Berlin, München, Hamburg. Und sie zeigen kaum Bereitschaft zum Ortswechsel. „Man sollte überlegen, ob man entsprechende Abteilungen nicht direkt in diesen Regionen aufbaut bzw. dorthin auslagert.“

Diese Situation hat auch der Geschäftsführer der Simyo GmbH Nicolas Biagosch kennengelernt. Die E-Plus-Tochter Simyo in Düsseldorf ist nach eigenen Angaben der weltweit größte rein internet-basierte Mobilfunkanbieter. „Düsseldorf ist eine sehr attraktive Stadt, aber es war sehr schwierig, unsere Mitarbeiter zu finden“, so der Simyo-Chef. Dass es gelang, geht auf eine „offene und verantwortungsfördernde“ Firmenkultur zurück, die Biagosch unterstützte: „Man muss den Leuten andere Arbeitsumfelder bieten, die es vorher nicht gab und die in traditionellen Unternehmen nach wie vor nicht vorhanden sind.“

IT-Spezialisten erwarten Freiheit und Autonomie

In der Community werde kaum zwischen Freizeit und Arbeit unterschieden: „Deren Maxime ist es, eine interessante Tätigkeit auszuüben. Insofern werden die geeigneten Arbeitskräfte in erster Linie nicht über Geld interessiert, sondern über die Bedeutung der Aufgabe, über ein Angebot von Freiheitsgraden und Weiterbildungsmöglichkeiten.“

Die Belegschaft bei Simyo, so Biagosch, agiert eigenverantwortlich: „Ich habe gelernt, dass ich loslassen und vertrauen muss. Letztlich kann ich die Mitarbeiter nur an ihren Ergebnissen messen.“ Das sieht auch Sattelberger so: „Solche Spezialisten wollen Autonomie. Gerade die ITK-Unternehmen schufen die Basis für barrierefreie Kommunikation und entwickelten neue Technologien, die innovative Arbeitsmodelle ermöglichen.“

Biagosch ist überzeugt, dass dieses Modell die Berufswelt dominieren wird: „Denn die künftigen Generationen werden noch mehr die Sinnfrage an ihre Tätigkeit stellen.“

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