Arbeitsmarkt 30.06.2000, 17:25 Uhr

Ingenieurinnen bringen Farbe und Vielfalt in Technik

Sie können technische Dienste und Entwicklungen durch neue Perspektiven bereichern und wollen keine Lückenbüßer sein.

Was haben die schwedische EU-Parlamentarierin Maj Britt Theorin, die brasilianische Unternehmerin Deodete Packer Vieira und der VDI-Präsident Hubertus Christ gemeinsam? Sie alle hoffen auf mehr Frauen in den Ingenieur- und Naturwissenschaften. Alle drei trafen sich daher in der dritten Runde des Weltingenieurtags (19. bis 21. 6.) in Hannover, der ganz den Ingenieurinnen gewidmet war.
„Deutschland ist immer noch Entwicklungsland – was den Anteil von Frauen in Ingenieur- und Naturwissenschaften angeht“, attestierte Burghilde Wieneke-Toutaoui, Vorsitzende des Bereichs „Frauen im Ingenieurberuf“ im VDI, vor einem international besetzten Publikum. Sie weiß, dass hierzulande Frauen aller Disziplinen in Führungsetagen nur marginal vertreten sind, für Ingenieurinnen das Risiko der Arbeitslosigkeit zurzeit rund doppelt so hoch ist.
An Fachhochschulen und Universitäten wächst der Frauenanteil in technischen Gebieten langsam, aber stetig. Immerhin sind von derzeit 305 063 Studenten der Ingenieurwissenschaften 58 097 Frauen. Mit Vorliebe wählen die jungen Frauen Ingenieurbereiche mit sozialer oder ökologischer Komponente. Dort ist längst mehr als jeder fünfte Student weiblich.
In Fächern wie Elektrotechnik oder Maschinenbau sind sie seit Jahrzehnten eine klare Minderheit. Auch aktuelle Erstsemesterzahlen ändern daran nichts. In der Informatik versuchen sie zurzeit ihren einstigen Anteil von 20 % mühsam wieder zurückzugewinnen.
Tendenzen, die auf alle deutschsprachigen Länder und Irland zutreffen. Im Gegensatz dazu strotzen Mittelmeerländer nur so vor selbstbewusster und technisch interessierter Frauen. So verzeichnet Spanien eine kleine Invasion von Frauen in ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen (25 %), beim spanischen Institut of Engineers ist der Präsident eine Frau.
Wer übrigens glaubte, Frauen hätten im Zuge der Revolution der Informationstechnik bessere Karten, den belehrte die EU-Politikerin Maj Britt Theorin in Hannover eines Besseren. „Frauen sind auch in IT-Jobs unterrepräsentiert“, erzählt sie. Selbst im liberalen Schweden ist nur jeder fünfte Angestellte eines börsennotierten IT-Unternehmens eine Frau. „Equal Access“ oder Deutsch „gleicher Zugang für alle“ zur Technik war daher auf dem Weltingenieurtag eine der zentralen Forderungen.
Denn, soviel steht weltweit fest, die Wirtschaft braucht auch in technischen Bereichen die Frauen – und das nicht nur angesichts eines deutlichen Ingenieurmangels. „Als Industrieunternehmen können wir nicht länger an dem Arbeitskräfte-Potenzial übersehen, das in 50 % unserer Gesellschaft schlummert“, so formulierte es einst Cathy Sendall, Vize-Präsidentin des technischen Bereichs von Petro Canada.
Längst, so beschrieb es die Maschinenbau-Professorin Moniko Greif, haben sich die Anforderungen der Industrie an Ingenieure verändert. „Technisches Wissen allein reicht nicht mehr aus, Die Arbeit ist komplexer, Kommunikation und Kooperationen mit anderen Disziplinen vonnöten.“ Während Ingenieure immer noch eine sozial ziemlich homogene Gruppe wären, seien es die Kunden nicht.
„Der Preis für all die entgangenen Möglichkeiten ist hoch“, erklärte Suzanne G. Brainhard von der Universität Washington. „Denn mangelnde Vielfalt führt dazu, dass einige Produkte nie hergestellt, einige Designs nie gemacht werden.“
Doch halt! Vieles wurde erdacht, gemacht – von Frauen mit jeder Menge technischem Verstand. Aber wer erinnert sich heute noch an die Quanten-Physikerin Charlotte Gabel, die mit ihren Entdeckungen Niehls Bohr und Albert Einstein beeinflusste? Wer weiß, dass Tiefsee-Teleskope, computergesteuerte Vermittlungsanlagen oder die Frigen-Wiederaufbereitung von Frauen entwickelt wurde? Ist die mangelnde Präsenz also allein ein Marketing-Problem?
Eine Menge von Studien, so Hedwig Rudolph vom Wissenschaftszentrum Berlin, zeige, dass die Ingenieurkultur durchaus männlich geprägt sei – in Sprache, Umgang und Werten. Und auch im Arbeitsmarkt zeige sich, dass weibliche Ingenieurinnen nicht wirklich willkommen sind, attestierte Rudolph. Einstellungen, die sich in Zeiten eines Ingenieurmangels nicht von heute auf morgen ändern lassen. „Frauen sind nicht die besseren Ingenieure, aber sie sind als Spätstarter weniger durch den etablierten Geist indoktriniert und damit offener für neue Perspektiven.“
„Diversity – Vielfalt“, so heißt das Stichwort, dem sich in den USA längst viele Unternehmen verschrieben haben – Vielfalt in der Ausbildung, im Geschlecht, in der Altersstruktur. Jill Shapiro Sideman, Vizepräsidentin des Mischkonzerns CH2M Hill, weiß, dass diese Diversity-Initiativen erst nach rund zehn Jahren fruchten, und das auch nur, wenn sie direkt ans Kerngeschäft angebunden werden. „Bei uns muss jeder Manager selbst rekrutieren.“ Zu den öffentlichkeitswirksamen Erfolgen des Programms gehört sie selbst.
Doch Initiativen dieser Art sind in Deutschland rar gesät. Von den zwei Mio. kleinen und großen Unternehmen in Deutschland setzen sich nur 200 aktiv für die Gleichstellung ein.
Weit aktiver zeigt sich da die Politik: So hat z. B. das Bundesministerium für Bildung und Forschung jede Menge vor: „Als Zielvorgabe haben wir uns gesetzt, dass bis 2005 mindestens 40 % aller Erstsemester in den Ingenieurstudiengängen Frauen sein sollen“, berichtet Helga Ebeling, Referatsleiterin im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Kennzahlen, die es in den USA schon vor Jahrzehnten gegeben hat und die dort für jede Menge Aktivitäten gesorgt haben.
Mehr Professorinnen, mehr Wissenschaftlerinnen an die Forschungseinrichtungen, mehr Surferinnen im Internet – das Berliner Ministerium investiert zweistellige Mio.-Beträge in verschiedene Programme. Mit der Initiative Be.Ing (www.be-ing.de) will die Bundesregierung jungen Frauen den Beruf der Ingenieurin schmackhaft machen. Und so manche der rund 300 Ingenieurinnen in Hannover musste schmunzeln, als Ebeling den dazu passenden TV-Spot vorstellte: „Wer die Zukunft gestaltet, braucht Ideen, Phantasie und Mut … von Männern war da nie die Rede.“ REGINE BÖNSCH
Internationales Flair – gemeinsame Anliegen: Ingenieurinnen aus der ganzen Welt – von Südafrika über die USA bis hin zu Schweden und Deutschland – forderten in Hannover gemeinsam „gleichen Zugang für alle“ zu den Informationstechniken.
Langsamer Aufwärtstrend: Über 58 000 junge Frauen studieren zurzeit Ingenieurwissenschaften. Ihr Anteil steigt, vor allem in Fächern, die soziale oder ökologische Komponenten integrieren.

Von Regine Bönsch
Von Regine Bönsch

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