ERFOLGSMODELL BEI DAIMLER UND BOSCH 09.05.2014, 08:38 Uhr

Ingenieure aus dem Ruhestand geholt

Bosch hat schon vor 15 Jahren damit angefangen, inzwischen legen andere große Unternehmen nach und holen Ruheständler als Senior-Experten zurück. Daimler hat nach einem Jahr schon 390 ehemalige Mitarbeiter in seinem Pool – viele davon sind Ingenieure.

Auf enge Zusammenarbeit zwischen jungen Mitarbeitern und den Senior-Experten setzt Daimler bei einer Reihe von Projekten.

Auf enge Zusammenarbeit zwischen jungen Mitarbeitern und den Senior-Experten setzt Daimler bei einer Reihe von Projekten.

Foto: Daimler

Bei Daimler heißen sie „Space Cowboys“: Rentner mit viel Erfahrung, die für begrenzte Zeit Projekte voranbringen – wie die Astronauten, die in Clint Eastwoods Hollywoodfilm 40 Jahre nach ihrem ersten Einsatz für eine Reise ins All reaktiviert werden. Nach nur einem Jahr hat der Autokonzern schon knapp 100 ehemalige Mitarbeiter aus dem Pool eingesetzt. Die Männer und (einige) Frauen der Initiative „Space Cowboys – Daimler Senior Experts“bringen zusammen rund 12.000 Jahre Berufserfahrung mit.

„Unser Unternehmen profitiert von der Erfahrung und dem Know-how der Space Cowboys, die ihr Wissen in Projekte einbringen und an jüngere Kollegen weitergeben. Durch die Zusammenarbeit zwischen den Generationen gewinnen wir wertvolle Impulse“, sagt Personalvorstand Wilfried Porth. Konkret heißt das: Beispielsweise beim Produktionsstart neuer Auto-Modelle helfen die Senioren den Jungen, weil sie einfach schon viele solcher Anläufe erlebt haben.

Mehr Qualitäten als nur Erfahrung

Motiv für die Aktion bei Daimler war nicht bloß der Mangel an qualifiziertem Nachwuchs. Offenbar setzt sich zunehmend eine höhere Wertschätzung für die älteren Beschäftigten durch. Und die ist nicht nur durch die große Erfahrung begründet, die nach einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung immerhin 87 Prozent der Unternehmen anerkennen. Es gibt noch mehr Vorzüge: „Ältere Arbeitnehmer haben eine höhere Arbeitsmoral und mehr Bewusstsein für Qualität. Sie können besser strategisch denken, besser logisch argumentieren, sind eher bereit, zu teilen, und besonnener als ihre jüngeren Kollegen. Und sie haben ein stärker ganzheitliches Verständnis für die Arbeit“, sagt Sven Voelpel, Professor für Betriebswirtschaft an der Jacobs University in Bremen. 

Sie sind selbst eigentlich in Rente, führen heute aber gemeinsam und in Teilzeit die Bosch Management Support GmbH: Georg Hanen (l.) und Robert Hanser.

Sie sind selbst eigentlich in Rente, führen heute aber gemeinsam und in Teilzeit die Bosch Management Support GmbH: Georg Hanen (l.) und Robert Hanser.

Foto: Bosch

Bei Bosch wurde dieses Potenzial offenbar schon früh erkannt. Seit 15 Jahren gibt es hier die Management Support GmbH, also ein eigenes Tochterunternehmen, das von zwei älteren, ehemaligen Mitarbeitern der Muttergesellschaft in Teilzeit geführt wird und an die 1000 Ruheständler in seiner Datei hat. Bosch spart durch ihren Einsatz nach eigenem Bekunden sogar Geld, weil sie geringere Honorarsätze bekommen als externe Berater. Dadurch könnten auch vorübergehende Kapazitätsengpässe abgedeckt werden, häufig zur Unterstützung von jüngeren Kollegen am Standort. Umfragen belegten, dass die Kunden mit der Leistung der Senioren besonders zufrieden seien.

Senioren gerade bei IT gefragt

Die Unternehmen wehren sich übrigens gegen Kritik, dass junge Leute damit keine Chance auf einen Job bekämen. Beim Handelskonzern Otto in Hamburg etwa gilt eine Begrenzung auf 50 Einsatztage der Senioren im Jahr. Außerdem wird zur Bedingung gemacht, dass der Arbeitsmarkt niemanden hergibt, der für das spezielle Projekt qualifiziert ist. Bemerkenswert: Otto nutzt die Senior-Experten vor allem im innovationsstarken Bereich IT – weil sie schon so manche schwierige Systemumstellung mitgemacht haben. 

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