Arbeitsmarkt 05.12.2008, 19:38 Uhr

Ingenieure braucht das Land  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 5. 12. 08, jul – Krise, Krise – jeden Tag neue Schlagzeilen über die Folgen der Bankenkrise auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt. Laut Institut der Deutschen Wirtschaft (iw) plant jedes zweite deutsche Unternehmen für 2009 einen Stellenabbau. Müssen sich jetzt auch Ingenieure Gedanken um ihre Jobsicherheit machen? Die einschlägigen Branchenverbände betonen, dass technisches Know-how gerade jetzt besonders wichtig sei.

Doch sehen die Arbeitgeber das genauso? Die für Ingenieure wichtigsten Wirtschaftsbereiche scheinen in den vergangenen Jahren dazugelernt zu haben. Die Erkenntnis „Nach der Krise ist vor der Krise“, der massive Ingenieurmangel und dessen kaum noch aufhaltbare Ausweitung durch die demografische Entwicklung haben dazu geführt, dass die typischen Ingenieurarbeitgeber aus der Elektroindustrie, dem Maschinen- und dem Automobilbau ebenso wie in der Informationsverarbeitung, der Energieerzeugung und der Bauindustrie ihre wichtigste Ressource heute ganz anders wertschätzen als noch vor ein paar Jahren. So zumindest äußern sich die einschlägigen Arbeitgeberverbände, die die VDI nachrichten aktuell zum Thema Ingenieurarbeitsplätze in der Krise befragt haben.

Informations- und Telekommunikationsbranche

Die Auswirkungen des wirtschaftlichen Abschwungs halten sich in der deutschen Hightech-Industrie bislang in Grenzen. Das zumindest legen die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 352 Hardware-Herstellern, Software-Firmen und Telekommunikationsdienstleistern offen, die der Branchenverband Bitkom Ende November vorgestellt hat. Danach spüren 72 % der Firmen bislang keine Auswirkungen der Krise. Entsprechend sehen 75 % der Firmen keinen Anlass für personelle Anpassungen. 14 % stellen die Anwerbung neuer Mitarbeiter auf den Prüfstand und bei 9 % gibt es einen Einstellungsstopp. „Die Jobaussichten für ITK-Spezialisten sind nach wie vor sehr gut und werden auch sehr gut bleiben“, sagt Bitkom-Präsident Prof. August-Wilhelm Scheer und ergänzt: „Die gesamte Wirtschaft hat das Ziel, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Der Innovationstreiber ITK spielt eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, besser zu werden und Kosten zu senken.“

Elektroindustrie

„Der Aufschwung trägt bis ins Jahr 2009“, freuen sich die deutschen Unternehmen der elektrischen Automatisierungstechnik über die bisherigen Umsatzzahlen des Jahres 2008: Bis zum Jahresende rechnet der Fachverband Automation im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) mit 5 % bis 6 % Wachstum gegenüber 2007. Dass derlei Zuwächse auch in Zukunft noch möglich sind, hält Roland Bent vom ZVEI-Fachverband Automation keineswegs für sicher. Zurzeit sei ein Personalabbau bei der Stammbelegschaft zwar nicht in Sicht. Doch sollte er erforderlich werden, wollten die Unternehmen vor allem das technische Personal halten. Der Ingenieuranteil in der deutschen Elektroindustrie liege seit rund zehn Jahren ziemlich konstant bei 20 % bis 22 %. Zu wenig, um für die Herausforderungen einer Rezession gewappnet zu sein und erst recht, um die Produktion beim nächsten Aufschwung wieder hochfahren zu können. „Wir haben aus der letzten Krise gelernt“, heißt es beim ZVEI.

Maschinenbau

„Das Thema Energieeffizienz ist von einfachen Arbeitern nicht zu bewältigen, dafür brauchen wir Ingenieure“, heißt es beim VDMA zum Thema Wirtschaftskrise. Statt ihre Belegschaften in Panik zu versetzen, stellt der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) sogar noch interessante Jobs für Maschinenbauingenieure und Verfahrenstechniker in Aussicht. Die meisten Mitgliedsunternehmen seien außerdem „recht gut aufgestellt“, sagt Verbandssprecherin Marlies Schäfer und verweist auf hohe Eigenkapitalquoten und gut aufgefüllte Zeitkonten. Beides schütze die vorwiegend mittelständische Branche davor, gleich beim ersten Auftragsstorno Mitarbeiter entlassen zu müssen. Doch selbst wenn es einmal so wäre: Deutschlandweit entfallen auch heute noch 1,4 gemeldete Stellen auf einen arbeitslosen Ingenieur. In den alten Bundesländern sind es sogar 2,3 Stellen. Im „Ländle“, der Hochburg des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus, hat ein arbeitsloser Maschinenbauingenieur statistisch gesehen die Auswahl zwischen vier bis fünf offenen Stellen.

Automobilbau

Der globale Konjunkturabschwung macht der Automobilbranche bislang am meisten zu schaffen. Fast scheint es so, als säßen die Karosseriebauer und deren Zulieferer mit den tausenden bereits geschassten Bankern gemeinsam im untergehenden Boot. Doch so ist es genau nicht. Während die Finanzjongleure sich allzu mutig aus dem Fenster lehnten, bekommen kreative Produktionsingenieure und Entwickler in der Automobilindustrie jetzt ihre große Chance.

An Universitäten, in automobilnahen Forschungseinrichtungen und nicht zuletzt in den Köpfen von Branchenmitarbeitern, die auch in der Vergangenheit lieber ökonomisch und ökologisch vernünftige Fahrzeuge als rollende Tankstellen gebaut hätten, existieren jede Menge brauchbare Pläne. Und bei den Zulieferern mangelt es auch nicht an Ideen. Schon fantasieren Branchenbeobachter, dass Batteriehersteller oder Energiekonzerne ihre Wertschöpfungskette erweitern und sich eines Tages einen Autokonzern einverleiben. Jobs für Ingenieure gibt es dort auch. Reichlich sogar.

Den Finger in die Wunde legen, das will auch Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), nicht. „Die deutsche Automobilindustrie konnte stolz sein, dass sie in den letzten zehn Jahren als eine der wenigen großen Industrien über 80 000 Arbeitsplätze aufgebaut hat.“ Diese Entwicklung habe nun begonnen, sich umzukehren. Klar sei aber, so Wissmann weiter: „Die Automobilindustrie setzt alles daran, ihr Stammpersonal so lange wie möglich zu halten.“ Entscheidend für den VDA-Präsidenten ist, dass so schnell wie möglich Klarheit über die Neuordnung der Kfz-Steuer nach CO2 -Gesichtspunkten herrsche.

Energieerzeugung

Erdgas, Strom und Fernwärme, Wasser und Abwasser entwickeln sich zu immer attraktiveren Aufgabengebieten für Ingenieure. Auch wenn sich die Marktteilnehmer der Energie- und Wasserbranche mitunter ruinöse Schlachten um Kunden, Konzessionen und Kontingente liefern: Die technischen Herausforderungen werden von solchen betriebswirtschaftlichen Fragen nicht mehr und nicht weniger, ganz gewiss aber komplexer. Profundes Ingenieurwissen mit einschlägigem Vertiefungswissen sind da unverzichtbar – und gefragt. Und weil die effiziente Investition von gut 15 Mrd. € jährlich, diese Summe gibt die Branche jährlich für den Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur zur Versorgung der 40 Millionen Haushalte aus, nur in interdisziplinären Teams wirklich gelingen kann, erwarten die Arbeitgeber auch ein dicht geschnürtes Paket von Softskills.

Genaue Zahlen über den Ingenieuranteil in den Belegschaften der einzelnen Branchenteile liegen dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zwar nicht vor. Aber wer in der Auflistung der Mitgliedsunternehmen von A wie Abwasserbeseitigung Rendsburg bis Z wie Zwickauer Energieversorgung GmbH nicht fündig wird, kann ja mal auf der BDEW-Homepage auf Stellenangebote klicken. Dort wird seit August ein “ Referent (m/w) für die Landesgruppe Berlin/Brandenburg“ gesucht. Am liebsten wäre den Berliner Lobbyisten ein Diplom-Ingenieur/Diplom-Wirtschaftsingenieur der Fachrichtung Elektrotechnik, Energietechnik oder Versorgungstechnik, Schwerpunkt Stromversorgung.

Bauindustrie

Die gute Nachricht zuerst: Die Bauindustrie sieht trotz nach unten korrigierter Konjunkturprognosen noch keinen Grund „für einen neuen Konjunkturpessimismus“, so Hans-Peter Keitel, Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie. Denn in der Bauwirtschaft sei die Stimmung nach wie vor gut. Vier von fünf Bauunternehmen erwarteten nach der Herbstumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages für 2008 eine „bessere“ oder zumindest „gleiche“ Geschäftslage wie im vorangegangenen Jahr.

Triebfeder des Aufschwungs 2007 sei wie zuvor die Nachfrage nach Wirtschaftsbauten gewesen. Zudem sei ein leichter Anstieg der Beschäftigung von rund 0,5 % zu beobachten gewesen. Mit Sorgen blickt Keitel jedoch auf die mittelfristige Entwicklung über 2008 hinaus. Einiges spreche dafür, dass die gute Investitionsgüterkonjunktur 2008 ihren Zenit überschreiten werde. R.-C. HENKEL

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