Berufswege 04.12.2009, 19:44 Uhr

Ingenieure, die dem Klimawandel trotzen  

Die Ingenieure Andrea Lüttger und Karsten Kramer brachten unterschiedliche Ausbildungswege hinter sich, um sich schließlich im Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zu treffen. Die Agraringenieurin lernte ihren Job von der Pike auf und begann als Gärtnerin, der Elektroniktechniker Kramer zeigte der Industrie die kalte Schulter. Den Schritt in die Forschung hat er nie bereut. VDI nachrichten, Potsdam, 4. 12. 09, ws

„Der Klimawandel ist in den Köpfen der Leute angekommen, er wird ernst genommen.“ Dennoch weiß auch Andrea Lüttger, dass beim Kopenhagener Klimagipfel vom 7. bis zum 18. Dezember nicht mit radikalen Umweltentlastungen zu rechnen ist.

Die Agraringenieurin ist vor dem Gipfel „vorsichtig pessimistisch“: „Vieles wird, so fürchte ich, wieder einmal an Egoismen scheitern.“ Dabei läuteten die Alarmglocken nicht erst, seitdem vor vier Jahren das Kyoto-Protokoll die verbindlichen Zielwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen in den Industrieländern festlegte. „Heute liegt die CO2-Konzentration schon oberhalb dessen, was man vor sechs Jahren angenommen hat. Dadurch kann die Temperaturerhöhung rascher ansteigen als ursprünglich angenommen. Die mittlere Temperatur im Jahr 2003 – und hier denkt jeder noch an den sehr heißen Sommer – wird im Jahr 2040 Normalität sein und vergleichsweise kühl im Jahr 2060.“

Der Jahrhundertsommer von 2003 und das Jahr 1997, als die Oderflut zahlreiche Opfer forderte, bestärkten Andrea Lüttger, sich intensiver mit der Herausforderung Klimawandel zu beschäftigen. Die geeignete Stelle war schnell gefunden: das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, kurz PIK.

Die Voraussetzungen, um im PIK-Forschungsbereich „Klimawirkung und Vulnerabilität“ etwas zu bewegen, brachte Andrea Lüttger in reichem Maße mit. Da sie das Handfeste als Basis des Theoretischen verstand, startete die berufliche Karriere mit einer Lehre zur Gärtnerin.

Die Praxis war auch wesentlicher Bestandteil des Studiums der Landwirtschaft in Gießen. „In den Semesterferien habe ich fast immer auf landwirtschaftlichen Betrieben gearbeitet.“ Wer auf diese Einblicke keinen Wert lege, könne sich auch nicht in die Problematiken der Landwirtschaft hineindenken.

Um in der Weite der Agrarwissenschaften den Überblick zu behalten, spezialisierte sich Andrea Lüttger auf Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung mit Schwerpunkt auf der Ökonomie. Nach der Promotion in Göttingen zog es die junge Mutter nach Süddeutschland, um sich ab 1998 im Auftrag Brandenburgs um neue Beregnungstechniken zu kümmern. Sechs Jahre lang profitierte das Land von den Kompetenzen der gebürtigen Oberhausenerin, dann wechselte sie „von der praktischen Arbeit zur wissenschaftlichen Tätigkeit“ nach Potsdam.

Im Projekt „Glowa-Elbe“ arbeitet Andrea Lüttger daran, den Klimawandel im Bereich der Landwirtschaft abzubilden, denn das in einigen Regionen zurückgehende Wasserangebot werde Auswirkungen auf alle Lebensbereiche haben.

Die wissenschaftliche Verzahnung vieler verschiedener Bereiche im PIK, wo Geologen und Ingenieure mit Physikern und Soziologen diskutieren, stelle hohe Anforderungen an die Kommunikation, sie mache aber auch ihren Reiz aus, meint Andrea Lüttger: „Wir sind gezwungen, uns mit anderen Denkweisen auseinanderzusetzen. Das ist immer wieder eine spannende Herausforderung“ – aber nicht die einzige im Alltag von Andrea Lüttger. Die dreifache Mutter muss Familie und Beruf unter einen Hut bringen. Eine Managementaufgabe, die sie mithilfe ihres Arbeitgebers ohne große Stolpersteine bewältigt.

Zwei PIK-Stockwerke tiefer als Andrea Lüttger sitzt Karsten Kramer. Während seine Kollegin schon mal wegen einer Dienstreise für einige Tage das historische Gebäude am Potsdamer Telegraphenberg verlässt, ist der Leiter IT-Dienste dort unabkömmlich. Kramer obliegen die gesamte Planung und Steuerung aller IT-Dienste, vom Einkauf bis zum Betrieb, vom Laptop bis zum Hochleistungsrechner.

Wie Andrea Lüttger muss auch Kramer neben der Fremdsprache Englisch das Fachchinesisch seiner Kollegen verstehen. Kommunikation ist alles im PIK, sonst wäre es unmöglich, gemeinsam „die realen Systeme auf numerischer Basis so exakt wie möglich nachzubilden“.

Wer es nicht verstehe, auf die Wünsche der Mitarbeiter einzugehen und seine Arbeit strukturiert und professionell auszuführen, werde sich verzetteln. „Bastler, Hacker und Computerspieler“ seien fehl am Platz, soziale Kompetenzen hingegen gefragt. „Entscheidend sind Problemverständnis und Problemlösungskompetenz, auf fachspezifischer wie auf allgemeiner Ebene. Treibende Kräfte, um hier etwas bewegen zu können, sind Neugierde und Kreativität.“

Natürlich ist auch die Begeisterung für Umweltfragen nicht schädlich. „Es ist angenehmer, mit jemand zusammenzuarbeiten, der die Analyse und Lösung der Umweltproblematik einer Beschäftigung in der Rüstungsindustrie vorzieht“, sagt Karsten Kramer mit einem Lächeln.

Auch wer Karriere über den Gehaltsstreifen definiere, habe sich mit dem PIK verwählt. Kramer muss es wissen. Der Absolvent des Studiengangs Elektroniktechnologie an der Hochschule Mittweida brach nach zwei Monaten seine Zelte in der Industrie ab. „Der Großbetrieb in der dortigen Entwicklung hat mich mehr frustriert als motiviert.“

Über eine Zeitungsanzeige bewarb sich der 30-jährige Berliner 1992 bei dem neuen Forschungszentrum, das einen IT-Experten für den Institutsaufbau suchte. „Der Reiz des PIK lag neben der eigentlichen Forschungsaufgabe darin, am Aufbau direkt mitbeteiligt zu sein. Das hatte für mich mehr Charme, als Teil eines etablierten Teams zu werden. Hier konnte ich von Anfang an meine eigenen Vorstellungen verwirklichen.“

Die Verantwortung war groß, aber auch der gestalterische Spielraum. „Am Anfang war ich der einzige, der alle am Institut eingesetzten IT-Systeme beherrschte. Das war eine positive und motivierende Situation für mich.“

Heute hat der IT-Leiter den Überblick, aber nicht mehr den detaillierten Einblick in alle Prozesse. Den teilen sich je nach Auftragslage bis zu zehn Leute, oft mit befristeten Verträgen. Wer gut ist, wird in andere Projekte übernommen.

Das Renommee des PIK ist exzellent, die Aufgabenvielfalt in den IT-Projekten bunt. „Wer nach einigen Projekten gehen muss, der hat aufgrund einer großen fachlichen Bandbreite, die er hier vorgefunden hat, gute berufliche Chancen.“ WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz
Von Wolfgang Schmitz

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