Arbeitsmarkt 21.04.2006, 19:21 Uhr

Ingenieure dringend gesucht  

VDI nachrichten, Stuttgart, 21. 4. 06, rok – Trotz einer relativ großen Zahl arbeitslos gemeldeter Ingenieure berichtet die Industrie von Problemen, qualifizierte Ingenieure zu finden. So bleibe manche angebotene Stelle unbesetzt, schreibt Claus. J. Gottburg, Geschäftsführer des Ingenieurdienstleisters IKS, Stuttgart, im folgenden Beitrag.

Auffallend ist hierbei, dass die Fusionen scheinbar immer dann interessant sind, wenn sich ein Unternehmen mit den lukrativen Fachkräften beschäftigt. So haben die beiden aufgekauften Zeitarbeitsunternehmen je eine eigene Engineering-Tochter: DIS die EuroEngineering und Bindan die Teccon.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, auch ich bin der Meinung, dass wir dringend nicht nur die Lohnnebenkosten, sondern die Summe der Zahlungen an die öffentliche Hand schnell und effektiv reduzieren müssen. Nur so können wir uns auch in Zukunft dem internationalen Vergleich stellen. Eine Staatsquote von 50 % bedeutet nichts anderes, als dass die Hälfte der Ausgaben eines Unternehmens an die öffentliche Hand geht. Wir müssen hier in Deutschland drei Mal soviel an den Staat abführen, wie uns die Arbeit in einem osteuropäischen Land kostet. Die Zahlungen an die öffentliche Hand übertreffen längst die Direktzahlungen an unsere Mitarbeiter. Das Fatale hieran ist, dass die meisten dieser Zahlungen an die Lohnsumme gebunden sind. Demzufolge können sich die Unternehmen am einfachsten dieser Zahlungen entledigen, indem sie die Lohnsumme durch Personalabbau reduzieren. Hier sind meines Erachtens sowohl die Unternehmen als auch die Arbeitnehmervertreter gefordert, sich in einem Bündnis für Arbeit gegen die öffentliche Hand zu behaupten.

Was aber bleibt, ist der Ingenieurmangel. Unterstellt man, dass jeder sozialversicherungspflichtige Ingenieur seinen Beruf durchschnittlich 30 Jahre ausübt, so müssten jedes Jahr ca. 21 500 von ihnen durch Hochschulabsolventen ersetzt werden.

Die entscheidende Frage ist doch, wie wir aus ca. 64 000 arbeitslosen Ingenieuren und knapp 77 000 Studienanfängern mehr als nur 21 500 jährlich in Lohn und Brot bringen.

Wenn ich die heutige Arbeitsmarktlage betrachte, frage ich mich, wieso wir nicht in der Lage sind, dies umzusetzen. Egal ob Facharbeiter oder Ingenieur: Wer mit 50 arbeitslos wird, hat trotz Fachkräftemangel nur noch bedingte Aussicht auf eine Neuanstellung.

Eine Ursache hierfür habe ich in der Praxis immer wieder erlebt: Da mittlerweile scheinbar jeder weiß, dass es problematisch ist ältere Mitarbeiter einzustellen, traut sich auch keiner mehr, dies zu tun. Aus Angst, dass im Falle einer Fehleinstellung aufgrund des Kündigungsschutzes eine Trennung fast unmöglich ist – und wenn, dann nur mit hohem finanziellen Aufwand.

Eine weitere Ursache sehe ich darin, dass ein 15 bis 20 Jahre zurückliegendes Studium und eine anschließende, vielleicht sogar sehr fachspezifische Berufsausübung einfach nicht mehr für einen erneuten Einstieg ins Berufsleben ausreichen. So mancher Ingenieur mittleren Alters musste diese schmerzhafte Erfahrung schon machen. Gut ausgebildet, jahrelange Erfahrung in seinem Fachgebiet und trotzdem nicht mehr zu gebrauchen? „Die ständig wachsenden Anforderungen des Ingenieurberufs sowie eine geringere Flexibilität und Mobilität machen dieser Gruppe besonders zu schaffen“ heißt es in der VDI-Ingenieurstudie.

Nicht ganz unbedeutend scheint hier die Gruppe der Abgewanderten in andere Berufsfelder zu sein. Anfang der 90er Jahre haben nicht alle Absolventen den Einstieg in den Ingenieurberuf geschafft. Als die Berufsaussichten in den Folgejahren wieder besser wurden, standen sie im Wettbewerb zu den aktuellen Absolventen, mit dem Nachteil, in den letzten Jahren „Nichtingenieurstätigkeiten“ ausgeübt zu haben. Heute haben sie sich in anderen Berufsfeldern etabliert. Trotzdem bin ich der Meinung, dass wir hier noch ein Potential an nicht genutztem Ingenieurwissen haben. Hier müsste eine Arbeitsmarktpolitik einsetzen, die den Wieder- und Quereinstieg in die Ingenieurwelt erleichtert. Sinnvoll wären aus meiner Sicht zum Beispiel eine zweite Berufsausbildung und ein Zusatzstudium für Ingenieure ab 45, aufbauend auf den Erfahrungen und Defiziten dieser Gruppe.

Erste Bemühungen in diese Richtung gibt es bereits. So haben beispielsweise die SMS Demag in Hilchenbach und das QBL Qualifizierungszentrum Bergisches Land in Wuppertal eine einjährige Ausbildung zum IHK-geprüften Konstrukteur eingeführt. Teilnehmer sind hier unter anderem Ingenieure, die den Wiedereinstieg in ihrem Beruf suchen. Dies ist reizvoll für Ingenieure, die nach ihrem Studienabschluss in andere Berufsfelder abgewandert sind, für Ingenieure, die in Unternehmen beschäftigt waren, den technischen Fortschritt nicht begleitet haben und plötzlich vor dem Aus standen und ebenso für Ingenieure, deren ausländischer Abschluss von den Behörden zwar anerkannt wird, für einen Berufseinstieg aber nicht ausreicht. An der Universität Wuppertal überlegt man ebenfalls, Seminare für Berufserfahrene anzubieten.

Das größte Potential stellen aber die jährlich 76 593 neuen Studienanfänger dar. Es muss uns gelingen, die anfängliche Begeisterung für den Ingenieurberuf während des Studiums zu bewahren und die Zahl der Studienabbrecher zu reduzieren. Hierzu können die Unternehmen viel beitragen, indem sie die Studenten bereits während des Studiums begleiten und unterstützen. Hochschulprofessoren können Studenten behilflich sein, sich stärker Projekten aus der Praxis zuwenden. Ein erster Schritt in diese Richtung ist das BA-Studium in Baden-Württemberg.

Wir als Unternehmen haben hier unseren eigenen Weg gefunden. Im Herbst 2005 haben wir zusammen mit drei Kunden einen Konstruktionswettbewerb für Studenten nach dem Vordiplom ausgeschrieben. Es haben sich insgesamt 125 Studenten von 60 Fachhochschulen und Universitäten um die Teilnahme beworben. Wir sind angenehm überrascht über die hohe Qualität der eingereichten Arbeiten und das enorme Interesse. Dies zeigt uns, dass es unter den Studenten viele gibt, die neben dem Studium und den Klausuren Zeit finden, das Erlernte endlich mal in die Praxis umzusetzen. CLAUS J. GOTTBURG

Die Bekanntgabe der Gewinner sowie die Preisverleihung findet am 24. 4. 06, 17.00 Uhr, auf der Hannover Messe am VDI-Stand (2/D36) statt.

Von Claus J. Gottburg
Von Claus J. Gottburg

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