Arbeitsmarkt 19.07.2002, 18:20 Uhr

Industrie verliert 1,3 Mio. Arbeitsplätze bis 2020

?Der Maschinenbau bleibt Vorzeigebranche. Nach der Prognose des Deutschland Reports wird das reale Bruttoinlandsprodukt in Deutschland von 2002 bis 2020 im Jahresdurchschnitt 1,9 % wachsen. Die reale Wirtschaftsleistung steigt damit von heute knapp 2 Bill. ! auf 2,8 Bill. !, also um 40 %.

Das liest sich eigentlich gar nicht schlecht in einem Kompendium, das als Standardwerk für Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft angelegt ist. Doch was sagt Gustav Greve, Geschäftsführer der Basler Prognos: „Die nächsten Jahre müssen Jahre der Innovationssprünge werden.“ Warum?
Was die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen im sich verschärfenden internationalen Wettbewerb herausfordern und weitere Produktivitätsfortschritte erzwingen wird, haben die Basler Analysten auf 800 Seiten dargestellt, eine Vorlage für politisches und unternehmerisches Handeln.
So wird bis 2020 die Bevölkerung in Deutschland um 1 Million zurückgehen. Die Relation der 65-Jährigen und Älteren zu den Personen im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren wird von heute 27 % auf 37 % in 2020 steigen.
Dramatisch die demografische Entwicklung in den fünf neuen Bundesländern: Die Bevölkerung geht um 1,2 Millionen zurück wegen Abwanderung in den Westen, niedriger Geburtenrate und die im Vergleich zum früheren Bundesgebiet relativ geringe Zuwanderung aus dem Ausland. Hätten die neuen Länder eine eigene Rentenversicherung, müssten dort heute rechnerisch 100 Personen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren 27 Rentner ernähren. Im Jahr 2020 wären es 44 Rentner.
Der langfristige Rückgang des Arbeitskräftepotenzials wird die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer stärken und das Lohnniveau insgesamt anheben. Vor allem aber werden die Lohnnebenkosten zukünftig weiter steigen. Bis zum Jahr 2020 wird die Summe der Beitragssätze zur gesetzlichen Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung von 40,9 % in 2001 über 41,5 % in 2010 langfristig auf 43,2 % zulegen.
Zwischen traditioneller und moderner Industrienation steht Deutschland am Anfang des neuen Jahrtausends und der künftige Weg ist vorgezeichnet: Die Perspektiven für 68 deutsche Industrie- und Dienstleistungsbranchen liegen nun auf dem Tisch. Abgeleitet wurden sie aus makroökonomischen Vorgaben sowie Analysen zur gegenwärtigen und zukünftigen internationalen Wettbewerbsfähigkeit.
Bis 2020 werden demnach im Dienstleistungssektor 2,3 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. In der Industrie werden dagegen 1,3 Millionen Arbeitsplätze abgebaut. Der Strukturwandel wird sich mit unverminderter Geschwindigkeit fortsetzen.
Sönke Jens, Analyst bei Prognos und Mitverfasser der Studie: „In keiner Industriebranche kann bis zum Jahr 2020 mit einer Ausweitung der Beschäftigung gerechnet werden.“ Besonders hoch falle der Abbau im Textil- und Bekleidungsgewerbe sowie im Ledergewerbe aus, „Branchen, die in besonders hartem internationalen Wettbewerb stehen und sich in Deutschland schon seit Jahrzehnten auf dem Rückzug befinden“.
Auf der Verliererseite stehen laut Jens auch Branchen wie die Nahrungsmittelindustrie, deren Marktvolumen an Sättigungsgrenzen stoßen. Das gilt auch für Möbel, Spielwaren sowie die Metallerzeugung. Besonders in der Grundstoffchemie fällt der Beschäftigungsabbau deutlich überdurchschnittlich aus. „Hier sind noch erhebliche Produktivitätssteigerungen fällig“, analysiert Sönke Jens.
Als Lichtblick mit überdurchschnittlichen Wachstumsperspektiven entpuppen sich die klassischen Schwerpunkte deutscher Industrie: Werkzeug-, Spezial- und Kraftmaschinenbau, also Generatoren und Standmotoren. Daneben werden sich die Branchen Steuer- und Regeltechnik, Optik sowie die Automobilindustrie, die größte Industriebranche in Deutschland, verhältnismäßig günstig entwickeln, erwartet Sönke Jens. Er räumt grundsätzlich vor allem den technologieintensiven Industriebranchen die günstigsten Wachstumsaussichten ein. Hier könne Deutschland mit hohem technologischen Niveau aufwarten und habe wie etwa in der Automobilindustrie in der Vergangenheit erhebliche Investitionsanstrengungen unternommen, um die Wettbewerbsposition zu stärken.
Eine weitere Entwicklung laut Prognos: In allen Branchen nimmt der Dienstleistungsanteil rund um die eigentliche Produktion zu. Systemangebote, Serviceverträge und Finanzierungsangebote sind zumindest für die Hersteller hochwertiger Investitionsgüter Voraussetzungen, um überhaupt am Markt bestehen zu können. Dabei wächst auf einigen Märkten der heimische Absatz langsamer als in der Vergangenheit, etwa bei Automobilen, Nahrungs- und Genussmitteln. Hinzu kommt, dass die Anzahl der ausländischen Anbieter eher zu- als abnehmen wird, die Konkurrenzsituation sich also weiter verschärft.
Die Automobilindustrie wird ein deutlich überdurchschnittliches Exportwachstum erreichen. Die Branchen Metallerzeugung sowie das Ernährungsgewerbe werden dagegen nur verhältnismäßig geringe Expansionschancen auf den internationalen Märkten haben. Dies ist u.a. Folge der zukünftig nur mäßig wachsenden internationalen Marktvolumina.
Der Werkzeugmaschinenbau hingegen wird seine Spitzenposition halten. Das exportgestützte Expansionstempo wird im Vergleich zur Gesamtwirtschaft überdurchschnittlich hoch ausfallen. Bis 2010 wird die Beschäftigtenzahl leicht steigen. Auch bis 2020 schneidet der Werkzeugmaschinenbau hier besser ab als der allgemeine Maschinenbau und viel besser als der Durchschnitt der Industrie.
Prognos richtet sich bei der Abgrenzung der Branchen nach der amtlichen Klassifikation der Wirtschaftzweige. Werkzeugmaschinenbau läuft dabei unter der WZ-Nr. 29.4, die auch die Maschinen zur Bearbeituig von Baustoffen, Keramik und Glas beinhaltet, sowie Elektrohandwerkzeuge, Elektroschweißgeräte u.a. Die Abgrenzung der Wirtschaftsverbände wie VDMA, zu dem der Fachverband Werkzeugmaschinen gehört, ist viel enger. Der „Werkzeugmaschinenbau in engerem Sinne“ steht, daraus abgeleitet, noch besser da.
Das tröstet die Branche aber wenig, denn gerade 2002 muss ein Umsatzverlust von 10 % verkraftet werden. Doch dieser Wert geht ein in die errechnete Statistik bis 2005. Und 2020 wird sowieso alles anders sein. PRO/KÄM

Deutschland Report 2002-2020. Konsistente Prognose zur Entwicklung von Wirtschaft und Bevölkerung bis 2020, sowie für 68 Branchen und 26 Konsumbereiche. 800 Seiten Text und Tabellen, 63 Abb., Daten auf CD-ROM. 5000 !.
Mit 1-tägigem Interpretationsworkshop 10?000 !.
deutschlandreport@prognos.com

 

Von Pro/Käm
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