Porträt 22.01.2010, 19:44 Uhr

Immer einen Teller für den unerwarteten Gast  

Der indische Ingenieur Aloke Palsikar leitet die Geschäfte des IT-Beratungsunternehmens Mahindra Satyam für Deutschland, Österreich und die Schweiz sowie Osteuropa und Skandinavien von Wiesbaden aus. Zu Deutschland hat er bereits seit mehr als 20 Jahren Beziehungen. Trotzdem wird er eines Tages nach Indien zurückkehren. VDI nachrichten, Wiesbaden, 22. 1. 10, cha

Aloke Palsikar (45) hat in seinem Berufsleben schon einiges erlebt und erfolgreich bewältigt. Ein Leben in zwei Welten, die Eingewöhnung in eine völlig fremde Kultur beispielsweise. Aber die Januartage 2009 wird er nicht vergessen. Er musste zusehen, wie sein Arbeitgeber, die damalige Firma Satyam, ein global agierendes indisches IT-Beratungsunternehmen mit dem Hauptsitz in Hyderabad (Andra Pradesh), von einem Skandal gigantischen Ausmaßes heimgesucht wurde, sogar die indische Regierung schritt ein.

Der damalige Chef und Gründer des Unternehmens, B Ramalinga Raju, gab zu, die Bilanzen seines Unternehmens um 1 Mrd. € gefälscht zu haben. Palsikar war mit seiner Familie erst einige Tage zuvor aus dem Urlaub nach Wiesbaden zurückgekehrt und guter Stimmung, als das Telefon ging und jemand sagte, dass es seine Firma wohl bald nicht mehr geben würde. „Ich hatte die Verantwortung für die Leute hier und für die Kunden“, erinnert er sich, während er in seinem Besprechungsraum in einem Industriegebiet bei Wiesbaden sitzt.

Einen Tag lang herrschte Chaos, es gab keine Kommunikation zwischen Zentrale und dem deutschen Standort, dann entschied sich Aloke Palsikar: „Wir machen jetzt erstmal einen Champagner auf und überlegen uns, wie es weitergeht.“ Es hätte keinen Sinn gehabt, lange Gesichter zu machen. Es musste weitergehen. Er hatte damals die Verantwortung für 600 Mitarbeiter und für 40 Kunden.

Er lacht, als er das erzählt, trotzdem ist ihm noch anzumerken, wie tief der Schreck und die Anspannung gewesen sein müssen, und auch die Enttäuschung. Er selbst kannte Raju, hatte ihn vier- oder fünfmal gesehen, zweimal in Deutschland, da hatte er Raju begleitet, ein feiner Mann, ein Wohltäter in Indien, dessen Konterfei noch heute vor allem in den Wohnungen der Landbevölkerung hängt. Zurzeit sitzt Raju im indischen Gefängnis. Bis heute kann Palsikar nicht begreifen, was Raju dazu gebracht hat, so zu handeln.

Die Topebene wurde ausgetauscht, die mittlere Ebene konnte weitermachen

Aloke Palsikar und seine Crew schrieben täglich Mails an die Kunden, führten schwierige Gespräche, mussten Überzeugungsarbeit leisten und erfüllten weiterhin alle Servicedienste. „Das war wohl die Hauptsache, dass wir keinen Kunden verloren haben in dieser schwierigen Zeit“, sagt Palsikar. Das war ein großer Erfolg, denn in den Vereinigten Staaten verlor Satyam eine Reihe von Kunden, etwa 25 % waren es weltweit, wenn auch, wie Palsikar nicht müde wird zu betonen, viele zurückgekommen sind, als sich die Lage beruhigte und Mahindra einstieg. „Man muss ja auch berücksichtigen, dass uns dieser Skandal auch noch in der großen Finanzkrise erwischt hat“, betont der Inder.

Dass er nun andere Chefs an der Spitze hat, stört Palsikar nicht, er findet, dass Mahindra die Sache gut gelöst hat, die Topebene bei Satyam wurde ausgetauscht, aber viele der Manager in der mittleren Ebene sind geblieben. Schwierig sei eine Umstrukturierung immer. „Ich bin immer der Meinung, keine Organisation hat die ideale Struktur, das hängt immer von der Zeit ab, was passt zu diesem Zeitpunkt am besten.“

Mit der Umstrukturierung erhielt er auch die personelle Verantwortung für 3500 Mitarbeiter in Indien, in Deutschland sind es etwa 350, europaweit 600. Und dabei hat er eigentlich ganz lange nichts anderes gesehen als seine Heimatstadt Mumbai. Und eigentlich war ihm wohl eher eine Künstler-Karriere in die Wiege gelegt, denn der Vater war ein berühmter Maler, der eine der größten indischen Malschulen leitete und viele Auszeichnungen erhalten hatte, der Onkel war ein Filmstar. Und wie kam er da ausgerechnet auf Elektronik und Elektrotechnik? Er weiß es nicht, und er lacht, als er das sagt, aber niemand in der Familie machte den gleichen Beruf, es gab keine Berufstradition bei Palsikars, die Schwester leitet eine Bank, und auch der jüngere Bruder ist kein Künstler. 22 Jahre, seine ganze Ausbildungs- und fast die gesamte Studienzeit verbrachte Palsikar in der Metropole Mumbai (vorher Bombay), 1986 heuerte er bei Siemens an und kam erstmals nach Deutschland, erst in ein kleines Dorf am Chiemsee für einen weiteren Deutschkurs, dann nach Erlangen. „Ich habe mich gewundert, wie wenig Leute da wohnten, wie wenig auf den Straßen los war“, sagt Palsikar.

An andere Gegebenheiten hatte er sich schon vorher „gewöhnt“, denn bereits an der Uni in Mumbai setzte er sich mit der deutschen Sprache und Kultur sowie den kulturellen Eigenheiten auseinander. Für Siemens arbeitete Palsikar 13 Jahre lang, und er erinnert sich gern an diese Zeit. Danach heuerte er bei einer indischen Firma an und führte die deutsche Niederlassung, bis er 2005 bei Satyam einstieg.

Und wenn er in seiner Heimat ist, in Indien? Wie erlebt er den rasanten Aufstieg seines Landes? „Immer sehe ich etwas Neues, wenn ich alle zwei bis drei Monate da bin. Es gibt ein Wirtschaftswachstum von 6 % bis 7 %. Das ist nicht riesig, aber gut. Es gibt zwei Indien, zwei Teile, ein großer Teil ist ohne Strom, aber was ich sehe, ist, dass es sich in den letzten drei Jahren verbessert hat. Doch die Diskrepanzen sind groß und es dauert mindestens noch zehn Jahre, um die Unterschiede auszugleichen.“

Seine Frau ist auch Inderin und Ingenieurin, zusammen haben sie zwei Töchter, die auf eine internationale Schule gehen. „Wir leben deutsch-indisch. Aber meine Frau kocht immer mehr, als wir selbst essen, das ist in Indien so, wir sind in der Hoffnung, dass ein Gast kommt. Wir haben ein Sprichwort: Der Gast ist wie ein Gott.“ Irgendwann werden Palsikar und seine Frau zurückgehen. „Wir haben beide unsere Familien in Indien.“ CLAUDIA HANTROP

Von Claudia Hantrop
Von Claudia Hantrop

Stellenangebote im Bereich Verwaltung

Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Aktiengesellschaft in München-Firmenlogo
Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Aktiengesellschaft in München Underwriter for Engineering CAR/EAR (Contractors/Erection – All Risks) (m/f/d)* München
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Die Autobahn GmbH des Bundes Bauingenieur (m/w/d) als Leitung der Abteilung Bauwerksmanagement Montabaur
Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH)-Firmenlogo
Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) Ingenieure (m/w/d) Versorgungstechnik HKLS Wiesbaden
Bundeswehr-Firmenlogo
Bundeswehr Duales Studium – Bachelor of Engineering / Bachelor of Science (m/w/d) Fachrichtung Wehrtechnik Mannheim, verschiedene Einsatzorte
Landesamt für Bauen und Verkehr-Firmenlogo
Landesamt für Bauen und Verkehr Bauingenieur*in / Architekt*in im Bautechnischen Prüfamt Cottbus (Homeoffice möglich)
TÜV NORD CERT GmbH-Firmenlogo
TÜV NORD CERT GmbH Freiberufliche Auditoren*Auditorinnen (m/w/d) deutschlandweit
Landeshauptstadt München-Firmenlogo
Landeshauptstadt München Bauingenieur*in / Umweltingenieur*in als Betriebshofleitung (m/w/d) München
VDI Technologiezentrum-Firmenlogo
VDI Technologiezentrum Betriebswirt / Verwaltungswirt (w/m/d) für die Forschungsförderung Düsseldorf
Deutsche Sporthochschule Köln-Firmenlogo
Deutsche Sporthochschule Köln Technischer Sachbearbeiter / Technische Sachbearbeiterin (w/m/d) (2105-nwMA-D4) Köln
Stadt Ahlen-Firmenlogo
Stadt Ahlen Stadtbaurat*rätin / Technische*r Beigeordnete*r Ahlen

Alle Verwaltung Jobs

Top 5 Arbeitsmar…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.