Karriere 16.05.2008, 19:35 Uhr

Image-Gewinn für Ingenieure  

VDI nachrichten, Hamburg, 16. 5. 08, Fr – Jahrzehntelang hatten Ingenieure kein besonders positives Ansehen. Seit Kurzem verbessert sich ihr Imagewieder.

Günter Schreiber kann sich noch gut an die desinteressierten Gesichter erinnern, als er Bekannten erzählte, womit er sein Geld verdient. „Vor zehn Jahren konnten nur wenige in meinem Umfeld etwas mit meinem Beruf anfangen“, sagt der 49-jährige Maschinenbau-Ingenieur. Seit 21 Jahren ist er im Job und hat bei verschiedenen Unternehmen in unterschiedlichen Positionen im Anlagenbau gearbeitet. Aktuell verantwortet er als Projektleiter für den Ingenieurdienstleister Brunel den Bau eines Heizkraftwerkes. Die Reaktionen auf seine Arbeit sind keineswegs mehr gleichgültig: „Heute freuen sich die Leute, wenn ihnen mal jemand erklären kann, was ein Heizkraftwerk ist oder wie eine Müllverbrennungsanlage funktioniert“, sagt Schreiber.

Der Ingenieur-Beruf gewinnt wieder an Ansehen. Laut einer aktuellen Veröffentlichung des Instituts für Demoskopie (IfD) Allensbach zum Prestige verschiedener Berufe ist der Ingenieur in den vergangenen Jahren im Ranking der angesehensten Berufe nach oben geklettert. 2001 stand er laut der Langzeitstudie noch auf Platz elf, im laufenden Jahr nimmt er zusammen mit dem Rechtsanwalt Platz sechs ein. Damit hat der Technik-Experte Berufe wie den Apotheker, den Botschafter und auch den Atomphysiker überholt. Heute sagen 27 % aller Deutschen, dass der Ingenieur zu den Berufen gehört, die sie am meisten achten.

Soziologen erklären den Imagegewinn unter anderem damit, dass sich das Berufsbild und das Selbstverständnis ändern. So treten Hochschulabsolventen selbstbewusster auf und erkennen zunehmend, dass es neben der technischen Expertise auch um Kommunikationsstärke und Fremdsprachenkenntnisse geht. „Das Bild ändert sich“, sagt Holger Rust, Professor am Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Universität Hannover. „Viele Ingenieure sind heute auch Manager und Unternehmer.“ Der Wirtschaftspsychologe Hellmut Meinhof fügt hinzu: „Themen wie Fortschritt und Innovation werden in der Bevölkerung wieder positiver gesehen.“ Ingenieure gehören neben Unternehmern zu den Berufsgruppen, die per se an der Entwicklung von Technologien und Produkten interessiert seien.

Datenüberwachung, Energieversorgung, Nanotechnologie, Unterhaltungselektronik: Jeden Tag stehen Schlagworte aus der Technikwelt in der Zeitung, die den Alltag vieler Menschen beeinflussen und die sie interessieren. Der Maschinenbau-Ingenieur Schreiber ist überzeugt, dass auch deshalb das Interesse an seinem Berufsstand wächst.

Dass Ingenieure den Ruf eines Innovationstreibers haben, war zuletzt in den 60er Jahren so: Damals herrschte hierzulande Vollbeschäftigung, jeder Deutsche wünschte sich in dieser Wirtschaftswunderzeit ein Auto, einen Fernseher, ein Radio. Der Konsum von technischen Geräten stand weit vorne, lange bevor andere Träume, etwa Urlaub und Reisen, das Ausgabeverhalten beeinflussten. Als das IfD Allensbach 1967 die Bevölkerung zum ersten Mal zum Berufsprestige befragte, gaben 41 % an, dass sie eine hohe Achtung vor dem Berufsstand haben.

Das Ansehen sank allerdings schlagartig. 1972 hatten noch 29 % hohe Achtung und 2001 behauptete dies nicht einmal mehr jeder Vierte. Schwere Unfälle wie das Zugunglück von Enschede, unzählige Rückrufaktionen durch Pkw-Hersteller oder pannenreiche Großprojekte wie später die Einführung des Lkw-Mautsystems haben ihre Spuren hinterlassen, wie Moniko Greif von der Fachhochschule Wiesbaden im VDI-Report „Das Berufsbild von Ingenieurinnen und Ingenieuren im Wandel“ 2007 geschrieben hat.

Seitdem geht es mit dem Renommee wieder bergauf: Insbesondere im Osten Deutschlands ist die Achtung gestiegen – von 25 % auf 37 %. Fachleute meinen, dass auch die Kommunikationspolitik vieler Unternehmen mit dem Imagegewinn zu tun haben könnte. Schließlich vergeht kaum eine Woche, in der nicht ein Arbeitgeber auf seinen großen Bedarf und den Fachkräftemangel hinweist.

Markus Schölling betont die zahlreichen Aktionen verschiedener Einrichtungen und Verbände. „Seit einiger Zeit wird viel Werbung gemacht, um den Ingenieurberuf sexy zu machen“, sagt der Gesellschaftswissenschaftler von der Bergischen Universität Wuppertal. „Wohlmöglich zeigen diese Anstrengungen erste Erfolge.“ So hat der Verein Deutscher Ingenieure die Initiative „Sachen Machen“ ins Leben gerufen, Gesamtmetall, also die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie, will mit „Think Ing.“ für die Ingenieurwissenschaften werben.

Dabei geht es nicht primär darum, das Ansehen in der breiten Bevölkerung zu steigern, sondern junge Menschen für den Beruf zu gewinnen, vor allem auch Mädchen. Diese sind in den Berufsfeldern bekanntermaßen noch immer unterrepräsentiert. Gibt es erst einmal erfolgreiche Ingenieurinnen, die auch in der Öffentlichkeit stehen, könnte dies weiter dem Berufsimage zugute kommen: Eine ähnliche Entwicklung ist nämlich in der Berufsgruppe der Unternehmer festzustellen. Seit mittelständische Firmen verstärkt von Töchtern übernommen werden und diese es selbstbewusst repräsentieren, ist auch das Unternehmer-Ansehen gestiegen, wie ein Blick in die Allensbacher Studie zeigt. STEFANIE BILEN

Vor allem im Osten Deutschlands ist die Achtung vor Ingenieuren deutlich gestiegen

  • Stefanie Bilen

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