Arbeitsmarkt 22.01.1999, 17:20 Uhr

Im Maschinenbau sind qualifizierte Ingenieure weiter sehr begehrt

Die Zeiten für qualifizierte Maschinenbauingenieure werden immer besser. Die Industrie hat einen steigenden Bedarf. Doch die Anforderungen der Unternehmen sind auch sehr hoch.

Eine Studie des in Köln ansässigen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) verheißt den künftigen Maschinenbauingenieuren eine glänzende Zukunft. Während die Gesamtzahl der Beschäftigten seit 1995 um 6 % zurückgegangen ist, stieg im gleichen Zeitraum die Zahl der Ingenieure um 11,4 % auf 114 100 an. Noch deutlicher fällt der Langzeitvergleich aus: So nahm gegenüber 1982 die Zahl der Maschinenbauingenieure sogar um 54 % zu, während die Beschäftigtenzahl insgesamt um 12 % zurückging. Im Durchschnitt ist heute etwa jeder achte Beschäftigte in der Branche ein Ingenieur. Ende der 80er Jahre gehörte nur jeder 12. dieser Berufsgruppe an. Das IW erwartet eine weiter steigende Nachfrage nach Ingenieuren.
Ähnlich optimistisch fällt eine aktuelle Ingenieurerhebung des VDMA aus. Danach wird voraussichtlich in den nächsten Jahren der Einstellungsbedarf an Ingenieuren um jährlich 7 % bis 7,5 % steigen. Auf etwa 3 % soll sich der Ersatzbedarf belaufen. Trifft diese Prognose ein, dann werden die Maschinenbauunternehmen in den nächsten drei Jahren insgesamt rund 25 000 Ingenieure einstellen.
Was sind die Ursachen dieses für Ingenieure erfreulichen Trends und vor allem: was erwarten die Unternehmen von ihren künftigen Ingenieuren? Für erhebliche Turbulenzen sorgt die sogenannte Globalisierung oder Internationalisierung. „Wir erleben zum Ausgang des Jahrhunderts eine neue Runde im Wettbewerb, die in allen Branchen einen weitreichenden Umbruch eingeleitet hat“, umschreibt Dr. Frank-Lothar Krause das Phänomen. Krause ist am Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK in Berlin tätig und zugleich Professor an der TU Berlin im Fachgebiet Industrielle Informationstechnik.
Den Maschinenbau hat die Globalisierung frühzeitig, aber auch hart getroffen. Zahlreiche Firmenaufgaben waren die Folge. Doch „die meisten deutschen Maschinenbauer haben ihre Hausaufgaben frühzeitig gemacht“, erklärt Krause.

Unternehmen reagieren immer schneller auf Kundenwünsche

Reengineering Umstrukturierung, Gesundschrumpfen, das führte zum Erfolg. Die Einheiten wurden kleiner und damit erheblich flexibler. Immer mehr kleinere Betriebe zielen auf Hightech-Lösungen oder rationalisieren durchgehend, um ihre Wettbewerbssituation entscheidend zu verbessern. Die Unternehmen können heute schneller auf spezifische Kundenwünsche reagieren. Die Herstellungszeiten und Kosten sinken, Produktqualität, Innovationsrate und Umweltverträglichkeit nehmen zu. Der Wissenschaftler führt diese Erfolge nicht zuletzt auf das Engagement der Ingenieure zurück.
Für ihn ist der moderne Ingenieur einerseits ein Spezialist, andererseits aber auch jemand, der über seinen Tellerrand hinausschauen kann und den „Blick für die Breite hat“. Was ist darunter zu verstehen? Zunächst einmal meint Krause damit das über das eigene Fachgebiet hinausgehende technische Verständnis, zumindest für angrenzende Bereiche. Dabei nehmen im Zeitalter der Digitalisierung und des Internets EDV-Kenntnisse einen herausragenden Platz ein.
Noch ein Trend: Das ist die künftig stärker werdende interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Bereichen wie Forschung, Konstruktion, Produktion, Vertrieb oder auch Marketing. Die Anforderungen an die Ingenieure liegen klar auf der Hand: Vernetztes Denken, Kommunikations- und Teamfähigkeit.
Doch mit der Teamfähigkeit enden die „außerfachlichen“ Anforderungen noch lange nicht. Besonders in den mittelständischen Unternehmen sind sehr früh auch Führungs- bzw. Managementqualitäten gefragt. Krause hat festgestellt, daß ein Großteil der Ingenieure relativ früh Chefaufgaben wahrnimmt und nach wenigen Jahren schon in das Management aufsteigt. „Anders als in Großbetrieben wird in den kleinen Maschinenbaubetrieben ohnehin schon vieles in Personalunion gemacht.“ Im Klartext: Der Chef hat nicht nur die Idee. Er konstruiert auch selbst, kümmert sich persönlich um die Umsetzung und wartet ungeduldig auf ein Feedback vom Markt. Zugleich bemüht er sich um neue Managementinstrumente: Reengineering, Benchmarking oder TQM sind keine Fremdworte mehr.
Ingenieure müssen sich aber auch intensiver mit BWL-Inhalten beschäftigen, denn in Zukunft würden nach Meinung von Krause jene Mitarbeiter Probleme bekommen, die über keine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse verfügen. Am Kostendenken führt kein Weg vorbei. – Zunehmendes Gewicht werden auch Vertriebskenntnisse bekommen, weil der Ingenieur wegen seiner fachlichen Kompetenz Kundenfragen besser und überzeugender beantworten kann.
Gestiegen sind besonders die Anforderungen an Flexibilität und Mobilität. Durch eine sehr hohe Flexibilität der Mitarbeiter zeichnen sich besonders die mittelständischen Unternehmen aus. Sie sind hier nahezu unschlagbar. Mobilität ist gefragt, weil auch kleine Unternehmen inzwischen mit Produktions- oder Vertriebsstätten weltweit vertreten sind.

Bessere Einstiegschance durch zweite Fremdsprache

Ein unbedingtes Muß sind für den Fraunhofer-Wissenschaftler Fremdsprachenkenntnisse. Ohne Englisch kommt heute niemand mehr weiter. Er würde bereits im Internet scheitern. Eine Reihe von Firmen betreiben auch schon virtuelle Bereiche, die Fachleute aus unterschiedlichen Ländern miteinander im Kommunikations- und Informationsmedium zusammenbringen. Englisch ist auch deshalb für Ingenieure bereits eine internationale Arbeits- und Fachsprache. Immer mehr Firmen setzen gute mündliche und schriftliche Englischkenntnisse voraus. Wer weitere Fremdsprachen spricht, verbessert seine Einsatzchancen.
Die zunehmende Internationalisierung der Arbeit verlangt aber auch „Affinität zur Kultur der jeweiligen Region. Wer keine Beziehung zu der fremden Kultur oder keinen Zugang zur Mentalität anderer Völker findet, wird sich für sein Unternehmen auch nicht besonders nützlich machen können“, glaubt Krause. Deshalb werden die Unternehmen zunehmend auch auf derartige Kompetenzen bei Ingenieuren achten. Die Ingenieurerhebung des VDMA stützt Krauses Bewertung zu den künftigen Anforderungen: Darin wird festgestellt, daß in einer Hightech-Branche wie dem Maschinenbau Ingenieure in allen Unternehmensbereichen tätig sind. Allerdings liegt der Schwerpunkt (Anteil etwa 50 %) noch in der Forschung, Entwicklung und Konstruktion. Der Vertriebsbereich holt allerdings auf (18 %).
Ein positives Bild bietet der Einstellungsbedarf. 92 % der befragten Unternehmen gaben an, daß sie weiter Ingenieure einstellen werden und immerhin 59 % wollen in den nächsten Jahren sogar die Zahl ihrer Ingenieure vergrößern. Der größte Bedarf wird für den Bereich Konstruktion erwartet (74 % der befragten Firmen), es folgen dann Vertrieb (60 %), F&E (50 %) sowie Produktion (26 %).
UWE BÄSE

Von Uwe Bäse
Von Uwe Bäse

Stellenangebote im Bereich Verwaltung

Bundeswehr-Firmenlogo
Bundeswehr Duales Studium – Bachelor of Engineering / Bachelor of Science (m/w/d) Fachrichtung Wehrtechnik Mannheim, verschiedene Einsatzorte
TÜV NORD CERT GmbH-Firmenlogo
TÜV NORD CERT GmbH Freiberufliche Auditoren*Auditorinnen (m/w/d) deutschlandweit
Stadt Lindau-Firmenlogo
Stadt Lindau Abteilungsleiter (m/w/d) Garten- und Tiefbauunterhalt Lindau
Landeshauptstadt München-Firmenlogo
Landeshauptstadt München Bauingenieur*in / Umweltingenieur*in als Betriebshofleitung (m/w/d) München
Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Aktiengesellschaft in München-Firmenlogo
Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Aktiengesellschaft in München Underwriter for Engineering CAR/EAR (Contractors/Erection – All Risks) (m/f/d)* München
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Die Autobahn GmbH des Bundes Bauingenieur (m/w/d) als Leitung der Abteilung Bauwerksmanagement Montabaur
Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH)-Firmenlogo
Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) Ingenieure (m/w/d) Versorgungstechnik HKLS Wiesbaden
Landesamt für Bauen und Verkehr-Firmenlogo
Landesamt für Bauen und Verkehr Bauingenieur*in / Architekt*in im Bautechnischen Prüfamt Cottbus (Homeoffice möglich)
VDI Technologiezentrum-Firmenlogo
VDI Technologiezentrum Betriebswirt / Verwaltungswirt (w/m/d) für die Forschungsförderung Düsseldorf
Deutsche Sporthochschule Köln-Firmenlogo
Deutsche Sporthochschule Köln Technischer Sachbearbeiter / Technische Sachbearbeiterin (w/m/d) (2105-nwMA-D4) Köln

Alle Verwaltung Jobs

Top 5 Arbeitsmar…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.