Karriere 07.10.2005, 18:40 Uhr

Im Duo l(i)ebt sich“s leichter

Im Berufsleben musste Sandra Kroll häufig genug feststellen, dass Männer gerne das letzte Wort haben. Dank Alexander Kling weiß sie nun, dass das andere Geschlecht auch zum Meinungsaustausch fähig ist. Seit anderthalb Jahren sind die beiden Ingenieure ein Paar.

Gleich und gleich gesellt sich gern. Nun wäre es einfach zu behaupten, Sandra Kroll und Alexander Kling wären ein Paar mit Zukunft, nur weil beide Ingenieure sind. Die Gemeinsamkeiten gehen weit über die berufliche Verbundenheit hinaus: Beide sind engagiert bei den Studenten und Jungingenieuren im VDI, beide wandern gerne und beide haben eine Vorliebe für alte Möbel. Die Neigung zum Soliden, Handfesten und Erprobten schlägt sich auch in ihrer Gesinnung wieder: Beide bekennen sich zu einer konservativen Lebenseinstellung.
Deshalb gehören sie auch nicht zu jenen, bei denen es in der Liebe alle Nase lang funkt. Gut Ding muss Weile und Dauer haben, könnte ihr Motto sein. Und so war bei der ersten Begegnung nicht viel mehr als das Austauschen der Telefonnummern drin – damals, vor rund anderthalb Jahren, beim Aktiventreffen der Studenten und Jungingenieure in Düsseldorf.
Dann verging ein halbes Jahr ohne Augenkontakt. „Der VDI war erneut Schuld, dass wir uns wiedertrafen“, erinnert sich Alexander Kling. „Und da hat es dann noch besser geklappt“, ergänzt Sandra Kroll. Der Freier nahm sein Herz in beide Hände, tastete sich erneut vor und fragte, ob sie nicht Lust hätte, auf einer Skifreizeit der Jungingenieure seine Langlaufpartnerin zu sein. Gefragt, getan. Fortan begleitete Sandra Kroll ihren Partner nicht mehr nur durch die Loipen.
Die gemeinsamen Stunden waren allerdings zunächst auf das Wochenende beschränkt. Sandra Kroll studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Fachhochschule Osnabrück, Alexander Kling leitete den Vertrieb eines Schiffbauzulieferers in Tübingen. Die 560-km-Trennung tat der Beziehung keinen Abbruch. Im Gegenteil. Auf diese Weise lernten beide peu à peu die Stärken und Schwächen ihres Partners kennen, Wochenende für Wochenende öffnete sich eine neue Wundertüte.
Mit der Vorliebe für Antiquitäten und dem wachsenden Wunsch nach Zweisamkeit waren schließlich wichtige Grundsteine für eine gemeinsame Wohnung im Ländle, im 1800-Seelen-Ort Nordheim, gelegt. Sandra Kroll sollte sich bald intensiver um die Immobilie kümmern können als ihr lieb war. Die 33-Jährige verlor ihren Arbeitsplatz im technischen Vertrieb bei einem Mittelständler. Kein Grund, schwarz zu malen: „Mit meiner Ausbildung als Wirtschaftsingenieurin bin ich vielfach einsetzbar. Zudem gibt der Raum Frankfurt/Mannheim/Heidelberg einiges an Betätigungsfeldern her.“
Mit ihrem Zeugnis kann sich Sandra Kroll sehen lassen. Ihre Topausbildung führte sie nach Belgien und Frankreich, insgesamt liegen acht Umzüge in sechs Jahren hinter ihr. Ein junges, aber im wahrsten Sinne des Wortes bewegtes Berufsleben, das bereits auf einigen wichtigen Erfahrungen fußt: “ Eine Frau hat in Männer dominierten Arbeitswelten einen härteren Stand. Sie muss mehr leisten, um die gleiche Anerkennung zu erfahren.“
Warum Männer immer noch in Arbeitsgebieten wie dem Vertrieb das Sagen haben und die Mehrheit bilden, ist für Sandra Kroll nicht nachvollziehbar: „Gerade auf der Kommunikationsebene verfügen Frauen über mindestens genauso viel Potenzial wie Männer. Von den Kunden jedenfalls wurde meine Kompetenz nie in Frage gestellt. Und Spaß gemacht hat es auch.“
Trotz aller Zuversicht gibt es Phasen, in denen Zuspruch und Gedankenaustausch über kleine seelische Tiefs hinweghelfen. „Gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, einen verständnisvollen Partner zu haben“, findet Sandra Kroll. „Umso besser, wenn er aus dem selben Metier kommt. Bei Bewerbungen etwa kann mir Alexander wichtige Tipps geben.“
Und in Sachen Außendarstellung kennt sich Alexander Kling wahrlich aus. Der gelernte Maschinenbauingenieur mit Diplom von der Fachhochschule Darmstadt ist heute bei der Freudenberg Service KG in Weinheim für Marketing, Business Development und Pressearbeit verantwortlich. Sandra Kroll: „Da ich ebenso wie Alexander engen Kundenkontakt hatte, gibt es natürlich viele thematische Anknüpfungspunkte. Das schweißt zusammen.“
Was Alexander Kling sehr wohl zu schätzen weiß: „Wenn ich mit Problemen, die mich belasten, nach Hause komme, kann ich diese mit Sandra auf gleichem Wissensniveau fachsprachlich austauschen, ohne jedes Detail mühsam erklären zu müssen. Da kann ich auch viel offener mit Gefühlen wie Frust und Glück umgehen als beispielweise mit Freunden.“ Nicht umsonst zögen viele Unternehmen Mitarbeiter mit fester privater Bindung vor. „In meinen Gesprächen mit Personalberatern habe ich immer wieder gehört, dass soziale Kompetenzen am besten in einer Beziehung oder der Familie gelernt werden.“
Da die Arbeit höchste Priorität genießt, ist an eine personelle Ergänzung des Gespanns Kroll/Kling nicht gedacht. Alexander Kling: „Uns macht das Berufsleben Spaß. Sollten wir Kinder haben, müsste sich einer von uns stark einschränken. Im Außendienst ist Teilzeitarbeit aber schwer zu realisieren.“ Gemäß dem Motto „Ganz oder gar nicht“ kommt für die beiden ein Leben mit Halbheiten nicht in Frage. Die Vorstellung, das Kind abends von der Tagesmutter abzuholen, entspricht nicht ihren Vorstellungen eines Familienlebens.
Was nicht heißen soll, dass Sandra Kroll und Alexander Kling alle Trends moderner Berufsauffassung für nicht vereinbar mit ihrer konservativen Grundhaltung hielten. Kling: „Die Philosophie, sich nicht mehr ein ganzes Berufsleben an eine Stelle zu binden, hat viel Bewegung in die Unternehmen gebracht.“ Die starken sozialen Bindungen an den Arbeitgeber und die Absehbarkeit von Karrieren hätten den Wettbewerb gehemmt. „Die heutige Unternehmenskultur hat zwar zu einem stärkeren Kampf um Positionen, aber auch zu mehr Innovationen geführt. Es wird kontinuierlich nach neuen Lösungswegen gesucht.“
Die junge Generation sei trotz gestiegenen Wettbewerbsbewusstseins aber keineswegs gefühlsärmer, betont Kling, „schließlich ist diese Entwicklung auch für den Einzelnen förderlich, da er immer wieder neue Erfahrungen bei anderen Arbeitgebern und in neuen Aufgabengebieten sammelt.“ Ein Haar findet Kling dennoch in der Suppe: „Viele Absolventen sind auf das Berufsleben nicht ausreichend vorbereitet. In Sachen Softskills beispielsweise gibt es enormen Beratungsbedarf.“
Den werden die beiden in nächster Zeit auch für die Planung eines Großereignisses in Anspruch nehmen müssen. „Wir heiraten spätestens im nächsten Jahr“, lässt Sandra Kroll wissen. „Nein, nein, das kann noch ein wenig länger dauern“, fügt Alexander Kling hastig an. Ein Punkt, in dem sich die beiden ausnahmsweise nicht einig sind. WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz
Von Wolfgang Schmitz

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