Karriere 05.02.1999, 17:20 Uhr

„Ich hatte ein ziemlich ungutes Gefühl“

Herzklopfen und Versprecher sind die harmloseren Reaktionen, wenn eine Präsentation von Angst begleitet wird. Doch es gibt gute Chancen, diese Belastung zu neutralisieren.

Und dann stand ich da vorne, mir gegenüber sechs Leute, meine Hände feucht. Ich wußte nicht, ob mir heiß oder kalt war. Mein Herz klopfte, und ich spürte, daß meine Stimme zittern würde“ – wer kennt das nicht? Die Aussicht auf ein Referat im Hörsaal, ein Vorstellungsgespräch oder eine Präsentation vor Chefs und Kollegen ruft bei fast jedem ein ziemlich ungutes Gefühl hervor, manchmal die blanke Angst.
So manchem hat sie schon die beste Chance genommen, die Arbeitsstunden zur Hölle werden lassen oder sogar die Gesundheit ruiniert. Dabei ist Angst eine instinktive Reaktion, die uns eigentlich schützen soll. „Es gibt drei Grundmechanismen, auf Bedrohung zu reagieren“, erläutert Dipl.-Psychologe Werner Gross, „Kämpfen, Fliehen oder Erstarren. Vorstadium ist jedesmal die Angst.“ Werner Gross ist Sprecher des Berufsverbandes Deutscher Psychologen und hat in seiner therapeutischen Praxis schon unzählige Angstpatienten behandelt. „Der Blutdruck steigt, wir schwitzen, werden blaß oder rot, die Pupillen verengen sich und Energie wird jenen Organen zur Verfügung gestellt, die für den Kampf oder die Flucht wichtiger sind“, beschreibt er die körperlichen Auswirkungen. Gesund sei dies alles, solange sich die Angst auf ein konkretes Objekt oder eine Person beziehe. Krankhaft werde es, wenn, wie bei einer Allergie, bereits ein kleiner Impuls eine übersteigerte Reaktion hervorrufe. „Angst ist normal, wenn mir auf der Straße ein Lastwagen entgegenkommt. Doch befällt mich die gleiche Angst, wenn ich den Lastwagen im Fernsehen auf mich zufahren sehe, ist diese Reaktion eindeutig zu heftig.“
Michael Egeri, Dipl.-Psychologe vom psycho-sozialen Beratungsdienst der Universität Bochum, sieht vor allem Gefahr, wenn die Angst Teil der Persönlichkeit geworden ist. Der eine steige mit Hoffnung auf Erfolg in den Beruf ein: „Es wird schon werden, hat doch immer geklappt. Ich werde den Ball erst einmal flach halten.“ Beim nächsten regierten eher Gedanken wie: „Es wird wieder nichts werden. Ich habe wie immer Pech. Hoffentlich sehen die mein Zittern nicht.“ Die gleiche Situation – aber zwei verschiedene Reaktionen. Letztere läßt auf übersteigerte Furcht schließen.
Besonders empfindlich in Sachen Angst reagieren Menschen, wenn sie etwas Unbekanntem, völlig Neuem gegenüberstehen. Kein Wunder also, daß es oft besonders die Berufseinsteiger trifft. „So führt ein schlechter Start in einem Unternehmen oft dazu, daß jemand im Beruf überhaupt keinen Tritt mehr fassen kann“, berichtet Werner Gross aus der Praxis. Oft kranke es in den Unternehmen an der korrekten Einführung in den Job. Da gäbe es keine Anleitung und kein Kennenlernen der Kollegen und Vorgesetzten. „Je unstrukturierter eine Situation, desto größer die Angst.“
Wie Dipl.-Betriebswirt Wolfgang Stegmann, der gemeinsam mit Prof. Dr. Winfried Panse an der Fachhochschule Köln in Sachen „Angst im Betrieb“ veröffentlicht und forscht, festgestellt hat, verdrängen Berufseinsteiger ihre Ängste überwiegend. „Es werden Aufputschmittel eingenommen. Zehn bis zwölf Tassen Kaffee und zusätzlich zwei Flaschen Cola sind keine Seltenheit. Oft stellen sich Schlafstörungen ein, die bald mit Schlaftabletten bekämpft werden.“ Wolfgang Stegmann vertritt außerdem die sehr unbequeme These, daß das Opfer oft auch der Täter sein kann. Nicht selten werde der Berufseinsteiger im Betrieb zum Angstverursacher. Die Konkurrenzsituation – bis zum gewissen Grad eigentlich leistungssteigernd – mache aus den neuen und alten Mitarbeitern sich gegenseitig blockierende Angsthasen – zum Schaden der Firma.
Was kann ich also gegen meine Angst tun, die mir, wie der Würgegriff die notwendige Luft, alle Erfolgsaussichten raubt? „Auf keinen Fall zwanghaft ruhig bleiben“, rät Michael Egeri. Besser sei es, sich zu sagen: „Ja, mein Herzrasen und meine feuchten Hände habe ich zurecht.“ Oft helfe bereits ein inneres Akzeptieren der Angst dabei, ruhiger zu werden.
Eine kurzfristige Hilfe können Entspannungstechniken wie das Autogene Training oder die Progressive Muskelentspannung sein. Allerdings nur dann, so Gross, „wenn man nicht erst einen Tag vor der Angst machenden Situation damit anfängt.“ Entspannung biete allgemein eine Gegenposition zur Angst, egal wie man sie erreicht. „Manche joggen ein paar Kilometer, andere gehen schwimmen und wieder andere können damit nichts anfangen.“
Für die oft verfahrene Situation, in der ein Berufsanfänger stecken kann und die Angst kurzfristig nicht zu beseitigen ist, hat Wolfgang Stegmann einige Verhaltenstips auf Lager. Allerdings meint auch er wie die Psychologen, daß es keine Patentrezepte, sondern lediglich Denkanstöße geben könne. So rät er, sich um eine offene Kommunikation bei ersten Konfliktsignalen zu bemühen und Verständnis für die Probleme der Vorgesetzten und Mitarbeiter zu zeigen. Ein Dank auch für vermeintliche Selbstverständlichkeiten sowie die Pflege von Kommunikation auf allen Ebenen helfen ebenso, Angstsituationen zu vermeiden, wie die Fähigkeit, in Kritik eine Chance zur Problemlösung und in der Lösung von Problemen eine Karrierechance zu sehen.
Einig sind sich die Experten darüber, daß es allerdings kein Makel ist, professionelle Hilfe einzuholen, wenn aus dem Kreislauf der Angst aus eigener Kraft kein Ausbruch mehr möglich ist. Wolfgang Stegmann betont. „Es handelt sich um eine ganz normale Krankheit, die von allen psychologischen Störungen die höchsten Heilungschancen hat.“ „Oft reichen wenige Sitzungen, um schlimme Prüfungsängste zu überwinden“, weiß Werner Gross aus Erfahrung. Und auch wenn eine Behandlung länger dauert, ist es auf jeden Fall besser, sich seinen Ängsten mit Hilfe eines Profis zu stellen. Das ist besser, als eines Tages allen Mut verloren zu haben.
BEATE PELZ
Der Sprung in die Karriere kann mißlingen, wenn der neue Mitarbeiter nicht lernt, Unsicherheiten und Ängste vor Präsentationen oder Kundenbesuchen zu beherrschen.

Von Beate Pelz
Von Beate Pelz

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