Karriere 24.11.2000, 17:27 Uhr

Ich-Aktie steht bei Managern hoch im Kurs

Wer im Zeitalter des maximalen Börsenwertes Erfolg haben will, darf, so die Botschaft der aktuellen Management-Bücher, nur an sich selbst denken.

Heute muss man den Börsenwert maximieren, komme, was da wolle. Jedes größere Unternehmen hat das längst kapiert – und die Aktienmanie schwappt jetzt auch auf die Manager über: Jeder seine eigene Ich-AG, so lautet das neue Paradigma. Die Karriere-Umgebung wird immer wettbewerbsmäßiger, die Kollegen sind gleichzeitig auch die ärgsten Widersacher beim Run um den besseren Job, mehr Geld und mehr Einfluss.
Eine ganze Armada von neuen Management-Büchern fährt in diese eine Richtung: Es geht um Aufstieg, und das in möglichst kurzer Zeit. Allen voran der neue Ratgeber „Die Ich-Aktie. Mit neuem Karrieredenken auf Erfolgskurs“ von Johanna Zugmann. Jetzt wird in den Büros wie an der Börse gekämpft – um Performance und Aktienwert. Zugmann und ihr Co-Autor Lanthaler liefern eine Anleitung voller Details, wie man noch mehr für sein berufliches Fortkommen tun kann (FAZ-Buchverlag, Frankfurt/M., 256 Seiten, 58 DM).
Die Botschaft ist klar, in der modernen Arbeitswelt geht es zu wie auf dem globalisierten Markt, wo ein Unternehmen das andere kauft: Do lunch or be lunch, so heißt es, also fressen oder gefressen werden. Da geht es ums Überleben, Archaisches ist wieder gefragt, wie bei Stammeskämpfen ist keine Zeit mehr für Analyse: Zack, eine Entscheidung, und die muss sitzen. Wer das noch lernen muss, nimmt sich „Der Siegerinstinkt“ zur Hand, Untertitel: „Intuitives Entscheiden als Schlüssel zum Erfolg“. Überlegtes Handeln reicht eben nicht mehr aus, weil das nicht schnell genug ist für das Überleben im Haifischbecken – jetzt braucht es Kraft, Instinkt und Intuition (von Peter W. Kimmel, bei Econ München, 224 Seiten, 39,80 DM).

So verdienen Sie sich eine goldene Nase

Interessant ist, wie diese Haltung überall durchfärbt. Wenn vom Umgang mit dem Kunden die Rede ist, war bisher immer von „Kundenzufriedenheit“ und „Erwartungen überbieten“ die Rede. In Zeiten des Ego-Managements aber hört sich das anders an: „So mache ich den großen Deal“, lautet der Titel eines Buches, das sich mit Regeln für den Umgang mit Kunden beschäftigt. Die Werbung des Econ-Verlages dazu setzt gleich noch eins daruf – es geht darum, sich alles, was geht, auch zu holen: „So verdienen Sie sich eine goldene Nase“, preist die Werbung das Buch (176 Seiten, 28 DM).
Der Verlag Moderne Industrie, Landsberg, fällt in den allgemeinen Konkurrenz-Kanon mit ein: „Ab heute auf der Überholspur“, ruft der Prospekt den lesenden Managern entgegen. Als eine der Handreichungen zum Gas geben kommt das Buch „Jeder kann Sieger werden“. Es fordert die Aufsteiger dazu auf, das Letzte aus sich herauszuholen, sich für den Erfolg anzustrengen und die Erfolgsvision auch unter Druck aufrecht zu erhalten (von Hans Christian Altmann, 250 Seiten, 59 DM).
Auch das Thema Sprache ist inzwischen längst karrierisiert worden: Es geht nicht mehr um das treffende Wort, die beste Formulierung – nein, das Buch heißt „So reden Sie sich an die Spitze“. Gut, dass Cicero das nicht mehr mitbekommt – Sprache wird zum „Erfolgsinstrument“ stilisiert, der Manager hat sich als Sprach-Wirtschaftler zu betätigen, der mit Worten so umgeht wie mit Marktanteilszahlen und Forderungsbeständen: Es gilt, „unbrauchbaren Wortballast abzuwerfen und Killerphrasen zu eliminieren“ (von Ingo Vogel, bei Econ, 256 Seiten, 39,80 DM).
Außerdem muss alles schnell gehen. Die Arbeitstage sind lang, die Fülle der Aufgaben fast nicht mehr zu schaffen, und auch das Wochenende ist bei vielen Managern längst nicht mehr bürofrei. Da bleibt keine Zeit mehr, reflektierende, also lange Bücher zu lesen, um sich neues Wissen zu erschließen – gefragt ist, was kurz ist. Es muss in die kleinen Pausen passen, in die wenigen Momente, wo der Manager sicher sein kann, dass ihm niemand etwas wegschnappen kann und auch sonst nichts zu verpassen ist. Also gibt es immer mehr Handreichungen, die gut in die Wartezeit bis zum nächsten Flug oder eine kurze Fahrt mit der Eisenbahn passen. Bestes Beispiel: Shakespeare. Dieser Klassiker wird eingedampft auf das handliche Format einer Fünfminutenterrine in Buchform. Campus, Frankfurt/M., bietet den Managern das Motto „Erfolgreich führen mit Shakespeare“ an, von den dramatischen Helden können Führungskräfte von heute eine Menge lernen, heißt es – nur schnell und leicht muss es bitte sein:

Die besten Management- Entscheidungen aller Zeiten

Der ganze Shakespeare auf 220 Seiten, eingedampft auf das, was dem Vorwärtskommen nützt. Titel: „Folgt Eurem Mut und stürmt“ (Kenneth Adelman, Campus Verlag, 220 Seiten, 39,80 DM). Nach derselben Masche kommt ein Buch vom Ueberreuter-Verlag, Wien, das gleich nach Erscheinen viele Freunde gefunden hat, weil es einfach light ist: „Die 75 besten Management-Entscheidungen aller Zeiten“ von Stuart Crainer – da sind die ganz großen Erfolgsgeschichten der letzten Jahrzehnte zum Konzentrat eingekocht. So kann der karrierebewusste, gestresste Leser von Sony lernen, dafür reicht es, zwei Seiten zu lesen („Großartige Entscheidung Nr. 27“). Auch der viele Jahre, Siege und Niederlagen dauernde Aufstieg von McDonald´s zur weltumspannenden Schnellimbiss-Kette kommt im Zapping-Format auf drei Seiten daher (281 Seiten, 38 DM).
Auch ein Talent, das früher bis zu seiner vollen Reife ein halbes Leben und mehr brauchen konnte, ist jetzt endlich auf Buchformat gebracht. Wer Neigungen erkennen, Charaktere deuten und Bewerber einschätzen will – hier ist das Ratgeber-Buch dazu: „Menschenkenntnis auf einen Blick“ verspricht die Fibel von Frank Scheelen. Der Schnellkurs braucht gerade mal 224 Seiten (MVG-Verlag, Landsberg, 39,80 DM).
Haben denn die Gurus, die so lange den Weg gewiesen haben, gar nichts mehr zu sagen? Die Antwort lautet: nein. Was es von Tom Peters und Konsorten noch gibt, sind wieder aufgewärmte Gedanken von früher: Besagter Peters wird noch einmal mit seinem „Innovationskreis“ ins Rennen geschickt. Peter Druckers „Die Kunst des Managements“ kommt ebenfalls noch einmal heraus (beide bei Econ). Außerdem gibt es eine große Fülle von Sammelwerken, die ein bewährtes Muster der Schallplattenindustrie kopieren: Die „Best of“ werden zu einem neuen Angebot zusammengefasst – etwa von Hermann Simon herausgegeben als „Das große Handbuch der Strategie-Konzepte“ (Campus, 424 Seiten, 49,80 DM). Dabei ist es eigentlich schade, dass keiner der Management-Altvorderen mehr etwas zum Thema „Wie kann ich ein ganzes Unternehmen nach vorn bringen?“ sagt – denn auch im Zeitalter der Ich–Aktien-Konkurrenz gibt es genug Themen, die gemeinsam interessieren: Megafusionen, Dot.com-Sterben und der Weg in die New Economy, zum Beispiel. AXEL GLOGER

Von Axel Gloger
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