Arbeitsmarkt 17.10.2008, 19:37 Uhr

„Heute sind europäische Ingenieure weltweit sichtbar“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 17. 10. 08, jul – VDI-Direktor Willi Fuchs hat sein Amt als Präsident des europäischen Ingenieurverbandes Feani am 3. Oktober an seinen Nachfolger, den Dänen Lars Boytoft Olsen, übergeben. Fuchs hat in den letzten drei Jahren die internationale Positionierung der Feani und die Akkreditierungsstandards für die Ingenieurausbildung maßgeblich vorangetrieben.

Fuchs: Ich war sechs Jahre im Board der Feani – drei Jahre als Vize-Präsident und drei Jahre als Präsident. Nun wollen wir das Ruder an die nächste Generation abgeben. Mein Nachfolger Lars Boytoft Olsen, ein Däne, ist erst 35 Jahre alt.

VDI nachrichten: Ihr vorrangiges Ziel Ihrer Feani-Präsidentschaft war es, den Dachverband zum „fachkundigsten technischen Berater der EU zu etablieren“. Ist Ihnen das gelungen?

Fuchs: Ja, das ist zu 100 % gelungen. Die Feani ist bei der Europäischen Kommission offiziell akkreditiert und wird zu allen Anhörungen eingeladen und um die entsprechenden Stellungnahmen zu allen Themen gebeten, die in den Bereich Ingenieuraus- und -weiterbildung fallen. Es gibt keine weitere europäische Ingenieurorganisation, die bei der Europäischen Kommission so gelistet ist.

VDI nachrichten: Inwiefern konnte die Feani denn in den letzten drei Jahren aktiv an EU-Forschungsprogrammen mitwirken?

Fuchs: Wir haben sowohl im sechsten als auch im siebten Forschungsrahmenprogramm mitgewirkt. Noch stärker haben wir uns im Bereich der beruflichen Mobilität eingebracht. So haben wir maßgeblich in der verabschiedeten Mobilitätsrichtlinie darauf hingewirkt, dass wir für Ingenieure eine breitere Basis für berufliche Mobilität schaffen. Eine wichtige Rolle dabei wird die Professional Card spielen. Im Frühjahr dieses Jahres haben wir eine von der Kommission geforderte Machbarkeitsstudie zur Professional Card abgeschlossen. Die nunmehr anstehende Umsetzung soll im Rahmen eines Pilotprojektes erfolgen. Auch hier hoffen wir auf eine Finanzierung durch die Kommission.

VDI nachrichten: Was hat es mit der Professional Card auf sich?

Fuchs: Die Professional Card, die so genannte „EngCard“ ist ein Kompetenzausweis, vergleichbar mit einem Personalausweis. Und zwar sollen in dieser EngCard sowohl die Ausbildung als auch der Berufsweg und die Weiterbildung dokumentiert werden. Deshalb wird diese Karte zeitlich auf vier bis fünf Jahre befristet sein und muss danach wieder verlängert werden. Oberstes Ziel ist auch hier der Abbau von Mobilitätshindernissen.

VDI nachrichten: Als Sie Ihre Amtszeit antraten, vereinigte der Dachverband 26 europäische Länder. Seitdem ist viel passiert.

Fuchs: Inzwischen haben wir 30 Mitglieder. Russland wurde letzten Freitag als „full member“ aufgenommen und Kroatien als „provisional member“, nun sind wir also 30+1. Außerdem sind in den letzten drei Jahren noch Frankreich und Norwegen dazugekommen. Damit haben wir uns als der entscheidende Repräsentant der europäischen Ingenieure positioniert.

VDI nachrichten: Eines Ihrer Ziele während Ihrer Präsidentschaft war die internationale Positionierung der Feani. Was haben Sie hier konkret erreicht?

Fuchs: Früher waren die europäischen Ingenieure weltweit nicht sichtbar. Es gab kein Gegengewicht zu den asiatischen Ingenieuren und den englischsprachigen früheren „Commonwealth-Ingenieuren“, die sich im Washington Accord zusammengeschlossen haben. Doch heute sind wir sichtbar. Erreicht haben wir das dadurch, dass wir uns in den Gremien anders positioniert haben. So konnten wir z. B. durch eine geschickte Konstellation maßgeblich dazu beigetragen, dass die zukünftige Präsidentin der WFEO (World Federation of Engineering Organisations) eine Europäerin ist. Zudem haben wir auf internationalen Tagungen über das europäische System der Ingenieurausbildung referiert und damit unseren Anspruch als führende Ingenieurnation angemeldet . Darüber hinaus entstand der europäische Akkreditierungsverbund, der den internen Vergleich, z. B. mit dem Washington Accord nicht zu scheuen braucht.

VDI nachrichten: Was bedeutet es konkret, wenn Länder wie Russland oder Norwegen aufgenommen werden?

Fuchs: Hinter einem Land, das wir aufnehmen, steht immer eine nationale Ingenieurorganisation, die unter ihrem Dach die jeweils nationalen Ingenieurverbände vereinigt. Diese Ingenieurorganisationen bilden dann ein nationales Komitee. In Deutschland ist das der DVT (Deutscher Verband technisch-wissenschaftlicher Vereine). Da die nationalen Komitees in die Vergabe des Europa-Ingenieurs eingebunden sind, können die Ingenieure, die aus diesen Ländern kommen, dann den Titel „Europa-Ingenieur“ erwerben. Darüber hinaus gestalten die aufgenommenen Länder natürlich die Aufgaben der Feani von nun an maßgeblich mit.

VDI nachrichten: Wie sieht die Mitgestaltung der Feani-Ziele inhaltlich aus?

Fuchs: Hier geht es unter anderem darum, wie Fragen der Mobilität in den jeweiligen europäischen Ländern gelöst werden. Oder wie der Bologna-Prozess dort umgesetzt wird und wie intensiv sich das jeweilige Land in das europäische Akkreditierungssystem einbringt.

VDI nachrichten: Ziel der Feani ist die Vergleichbarkeit der Ingenieurausbildung in Europa, Stichwort Bologna-Prozess. In wieweit ist der Bologna-Prozess in Europa bereits umgesetzt?

Fuchs: Die Umsetzung ist in den einzelnen Ländern unterschiedlich weit, da wir jeweils ganz unterschiedliche Systeme und Befindlichkeiten vorfinden. In Deutschland hätten wir eigentlich schon viel weiter sein können, wäre die Position um den Titel Diplom-Ingenieur nicht mit so vielen Emotionen geführt worden. Hier muss meines Erachtens auf eines nochmals deutlich hingewiesen werden: Im internationalen Kontext brauchen wir den Titel Bachelor/Master, um auch für ausländische Studierende attraktiv zu sein, denn wir haben das Problem der Ingenieurlücke und die wird uns so schnell auch nicht verlassen. Wichtig ist hier, dass die deutsche Ingenieurausbildung – und zwar unabhängig vom Titel – international extrem gut angesehen und auch zu 100 % akzeptiert ist.

VDI nachrichten: Und auf nationaler Ebene?

Fuchs: Hier stellt sich die Situation anders dar. Auf nationaler Ebene ist durchaus ein „double degree“ empfehlenswert. Neben dem Bachelor/Master als Grundbezeichnung würde dann äquivalent der Diplom-Ingenieur weiter bestehen. Dann hätten wir beides, und was wäre daran schlecht? Hier täte es uns gut, nicht so prinzipientreu zu sein. Denn der Bologna-Prozess hat den Titel „Bachelor/Master“ nicht vorgegeben, sondern lediglich ein zweistufiges System gefordert. Die Titelfrage war eine rein nationale Entscheidung und die politischen Instanzen haben sich damals ausschließlich für den Titel Bachelor/Master entschieden, anstatt zu überlegen, ob man nicht auch beide Titel vergeben kann. Dies zeigt deutlich, dass sich Engagement auf europäischer Ebene lohnt.

VDI nachrichten: Inwiefern hat Deutschland durch die Feani den Bologna-Prozess mitgestaltet?

Fuchs: Die europäischen Qualitätsstandards der Ingenieurausbildung, wie wir sie heute haben, sind maßgeblich durch die deutschen Qualitätsstandards bestimmt worden.

VDI nachrichten: Herr Fuchs, Sie sind soeben Ehrenpräsident der FEANI geworden. Mit welchen Aufgaben ist das für Sie verbunden?

Fuchs: Das ist eine herrliche Situation. Ich habe bestimmte Privilegien und kann etwa an den Boardmeetings und der Generalversammlung teilnehmen und Vorschläge einbringen, ohne bei der Umsetzung in die Pflicht genommen zu werden. Konkrete Aufgaben entstehen durch die Ehren-Präsidentschaft nicht. jul

Von Julia Schlingmann
Von Julia Schlingmann

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