Arbeitsmarkt im Saarland 01.01.2016, 01:05 Uhr

Handwerk will Lehrstellen mit Lehrlingen aus Frankreich besetzen

Im Saarland sollen jetzt Lehrstellen mit jungen Franzosen besetzt werden. Für die duale berufliche Ausbildung, wie sie in Deutschland Tradition hat, interessieren sich jetzt auch Länder mit hoher Jugendarbeitslosigkeit wie Frankreich und Spanien.

In der saarländischen Handwerkskammer laufen die Vorbereitungen für die erste grenzüberschreitende Ausbildung von lothringischen Azubis auf Hochtouren. „Wir haben 800 freie Lehrstellen – und in Frankreich ist rund jeder vierte Jugendliche ohne Arbeit“, erklärt Justus Wilhelm, Bereichsleiter Ausbildung der Handwerkskammer Saar. Deshalb lag es nahe, Lehrlinge jenseits der Grenze ins Saarland zu holen.

Bewerbungsgespräche starten Mitte August

Für Mitte August sind Gespräche mit den französischen Jugendlichen geplant im Januar 2013 soll es losgehen. „Die französische Arbeitsverwaltung sucht freiwillige Kandidaten aus, die in grenznahen Betrieben eingesetzt werden sollen. Wir unterstützen die interessierten jungen Menschen durch einen Sprachkurs“, erläutert Wilhelm. Bislang haben sich 15 Kandidaten gemeldet. Noch sind Fragen der Versicherung und der Ausbildungsvergütung zu klären. Die Handwerkskammer will Ausbildungsschwerpunkte setzen, wahrscheinlicher im Metallhandwerk.

„Auch in Frankreich wird dual ausgebildet“, sagt Wilhelm, „aber die meisten Schüler lernen in simulierten Lehrwerkstätten nur 20 % lernen auch in Betrieben.“ Das bedeutet: Viele junge Franzosen werden an veralteten Maschinen und jenseits des Bedarfs und der Wirklichkeit in den Unternehmen ausgebildet.

Traditionell ist das Handwerk in Frankreich nicht hoch angesehen. Das französische Bildungssystem ist stark auf das Abitur fixiert, Handwerksberufe werden oft als zweitklassige Tätigkeit betrachtet. Nadine Morano, unter Sarkozy Ausbildungsministerin, fasste es so zusammen: „Was zu lange als Notlösung verschrien war, ist in Wirklichkeit ein exzellenter Berufsweg.“ Davon hatte sie sich bei Bosch und BMW überzeugt.

Zehntausende Lehrstellen in Deutschland unbesetzt

Der saarländische Vorstoß, junge Franzosen nach dem deutschen System auszubilden, könnte also Schule machen: Zurzeit sind Zehntausende Lehrstellen in Deutschland offen, beklagt Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen. Im Ausland dagegen ist die Jugendarbeitslosigkeit hoch. Frankreich hat – einschließlich berufsbildender und technischer Gymnasien – eine Abiturquote von rund 80 %. Aber 65 % der Studenten brechen das Studium ab. Und die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 25 %.

Deutschland verfügt dagegen über eine Abiturquote von 43 %, die Zahl der Studienabbrecher liegt bei rund 20 %. Und die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei knapp 8 %, mancherorts, wie in Trier, sogar nur bei 3 %.

Das zeigt: Das Ziel der EU-Politik, so viele Studenten wie möglich hervorzubringen, führt oft nicht in eine gesicherte berufliche Zukunft. Ein weiteres Beispiel dafür ist Spanien. Dort kommen 1,5 Mio. Studenten auf 270 000 Berufsschüler. In Deutschland dagegen stehen rund 2,2 Mio. Studenten 1,5 Mio. Azubis gegenüber. In Spanien ist fast jeder zweite junge Mensch ohne Arbeit. Nun interessieren sich auch spanische Politiker für das duale System.

Für Günther Behr, Abteilungsleiter Ausbildung der Handwerkskammer Trier, zeigt das vor allem eines: den Erfolg der dualen Ausbildung. Dabei wird ein Lehrling sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule qualifiziert. Üblich ist diese Ausbildungsform bislang nur in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Dänemark.

Der Ruf des dualen Systems ist so durchschlagend, dass das Auswärtige Amt in Berlin eine Arbeitsgruppe eingerichtet hat, um den Anfragen aus aller Welt Herr zu werden. Dennoch wird die duale Ausbildung politisch nicht vermarktet.

Lehrstellen: Duales Prinzip für wirtschaftlichen Erfolg mitverantwortlich

Behr sieht darin einen Widerspruch. Einerseits beruhe der wirtschaftliche Erfolg Deutschlands auch auf der dualen Ausbildung, andererseits versuche die Politik, die Abiturientenquote zu erhöhen. Hinzu komme in Rheinland-Pfalz seit der Zusammenlegung von Real- und der Hauptschule der Wunsch, möglichst an jeder weiterführenden Schule die Möglichkeit zum Erwerb der Hochschulreife anzubieten. „Das geht immer mehr zu Lasten der Qualität der Abschlüsse, zumal letztlich dann auch die Anbindung an den Arbeitsmarkt fehlen wird“, bedauert er.

Behr wünscht sich mehr politische Lobby für die duale Ausbildung, zumal auch eine handwerkliche Ausbildung den Weg zur Hochschule nicht versperrt. In einem Modellversuch von Handwerkskammer und FH Trier können Gesellen mit gutem Abschluss direkt nach der Prüfung ein Studium aufnehmen. Mit solchen Initiativen soll Entwicklungen wie in Frankreich oder Spanien entgegen gesteuert werden.

Von C. Chaton

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