Arbeitsmarkt 11.02.2011, 19:51 Uhr

Günstige Zeiten für Jobwechsler

Die Nachfrage nach Ingenieuren und IT-Fachkräften ist seit Jahresbeginn gestiegen. Auf den Karrieremessen suchen auch wieder die Großen der einzelnen Branchen nach Akademikern. Das verheißt freilich noch kein Plus beim Einkommen: Halteprämien gibt es allenfalls für gesuchte Spezialisten. Doch wer sich bei seinem Arbeitgeber nicht mehr wohlfühlt und wechseln möchte, dem bieten sich gute Alternativen.

Der Arbeitsmarkt für Ingenieure gerät mächtig in Bewegung. Vieles deutet darauf hin, dass der Aufschwung im Jahre 2011 insbesondere die jungen Ingenieure mitnimmt. „Absolventen haben wieder gute Chancen, eine attraktive Einstiegsposition zu finden. Gerade die Konzerne stellen verstärkt ein“, meint Norbert Lohan, Leiter des Karriereportals ingenieurkarriere.de bei den VDI nachrichten. Der Online-Stellenmarkt für Ingenieure verzeichnete laut Lohan im Januar einen Anstieg von 60 % bei den Online-Anzeigen.

Den Ruf der „Großen“ hat auch Ulrike Gläsle, Marketingleiterin des VDI Verlages, vernommen. Hätten sich 2010 vor allem Ingenieurdienstleister und Mittelständler auf den Recruiting Tagen der VDI nachrichten präsentiert, buchten nun auch Großunternehmen die Karrieremessen. „Wir haben die Zahl der Jobmessen bereits von elf auf 14 erhöht. Zugleich werden die Ausstellerflächen knapp. Der erste Recruiting Tag des Jahres am 18. Februar in Mannheim ist bereits ausgebucht. 40 Unternehmen werden dort mehr als 2000 Jobs anbieten – so viele wie seit Jahren nicht.“ Die Botschaft ist eindeutig: „Der Markt hat sich von einem Arbeitgebermarkt zu einem Arbeitnehmermarkt gedreht“, so Gläsle.

„Wir haben Kundenanfragen aus allen Ingenieurbereichen, besonders aus dem Maschinenbau und der Elektrotechnik“, bestätigt Michael Heidelberger, Vorsitzender des BDU-Fachverbandes Personalberatung. „Viele können ihren Bedarf nicht mehr mit eigenen Mitarbeitern decken.“ Heidelberger geht davon aus, dass die Ingenieureinkommen steigen. „Die Unternehmen brauchen die Leute, um die Aufträge abarbeiten zu können. Und der Bedarf wird größer, denn von unten kommt zu wenig nach.“

Schnelle Gehaltszuwächse einfahren könnten allenfalls Jobwechsler aus der IT und den informatiknahen Bereichen sowie erfahrene Ingenieure in Spezialbereichen, sagt Frank Hensgens von der Online-Jobbörse Stepstone. „Für manche sind Mehreinkommen von 20 % bis zu 50 % drin.“ Seine Vermutung: „Der Fachkräftemangel schlägt voll durch.“

Dem stimmt Wolfram Tröger, Partner bei der Personalberatung Baumann, nur zum Teil zu. Er und seine Kollegen besetzen in normalen Jahren um die 250 Ingenieurpositionen. 2011 könnten es mehr werden: „Die Jobchancen sind gut, keine Frage, sie werden sogar noch besser.“

Dennoch schauten die Unternehmen besorgt aufs Geld, weiß Tröger – genauer: auf die Sprengkraft, mit der teurere Neueinstellungen ihr bisheriges Gehaltsgefüge ins Wanken bringen könnten. Mit Händen und Füßen wehrten sich Arbeitgeber, Knappheitspreise zu bezahlen.

Wenn es neu eingestellten Ingenieuren gelänge, ein Einkommensplus von 30 % oder mehr für sich auszuhandeln, dann solle das tunlichst unter der Decke bleiben. Gesuchten Spezialisten werde lieber ein einmaliger Einstiegsbonus gezahlt – als Ausgleich dafür, dass sich der Neue auf die Gehaltsstruktur im Unternehmen einlässt.

Personalberater Udo Wirth aus München warnt vor dem spontanen Gang zum Chef: „Zwar suchen die Firmen händeringend, aber das hat nur begrenzt Auswirkungen auf das Einkommen.“ Es sei noch nicht an der Zeit, Begehrlichkeiten zu wecken. „Die Margen sind stark geschrumpft, und vor allem den Automobilzulieferern geht es noch nicht gut.“ Außerdem hänge die Konjunktur vom Export ab und sei fragil.

Die Arbeitgeber scheinen sich der Marktrisiken bewusst zu sein. „Die Leute werden gesucht, aber irrwitzige Gehaltsforderungen lassen sich nicht umsetzen“, versichert Harald Stapf, Ingenieur und Personalberater bei Sermacon in Bad Homburg. „15 % sind möglich, beim Wechsel in Führungspositionen und gesuchten Spezialisten auch mehr.“ Entwickler, Konstrukteure und Technologen, die sich mit der Optimierung von Produktionsprozessen beschäftigen, stünden ganz oben auf der Wunschliste der Arbeitgeber. Und dann, wie überall, die Einschränkung: „Solange sie zu vernünftigen Preisen zu bekommen sind.“

Diese Skepsis teilt auch Ulrike Gläsle vom VDI Verlag. Die Einstiegsgehälter für Ingenieure blieben nach ihren Erkenntnissen im Jahr 2010 praktisch unverändert zum Vorjahr. 41 600 € betrug das Durchschnittsgehalt. Die Gehälter für berufserfahrene Ingenieure stiegen nur um 1% und betrugen 56 100 €. Ausgenommen von diesem Trend waren die Einkommen in der Energieversorgung, die um 5,4 % stiegen. Mit einer Gehaltsexplosion sei nicht zu rechnen.

Anja Kettner vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) glaubt, einen weiteren Grund zu kennen, warum Arbeitgeber ihre Taschen zugeknöpft ließen: „Ich vermute, dass Ingenieure zu den Berufsgruppen gehören, bei denen die Unternehmen während der Wirtschaftskrise versucht haben, sie auf Biegen und Brechen zu halten. Auch wenn vielleicht nicht genügend Aufträge vorhanden waren. Jetzt im Aufschwung können sie auf diese Puffer zurückgreifen und müssen nicht so viele neu einstellen.“

Als Beleg verweist sie auf die Zahlen der Arbeitsagentur: „Im dritten Quartal 2010 ermittelten wir 34 000 sofort zu besetzende Stellen in den Ingenieurberufen. Entgegen dem Allgemeintrend gab es bei Ingenieuren weniger offene Stellen als in den Vorquartalen.“

Sind Jobchancen und Gehälter für Ingenieure 2011 also doch nicht so rosig, wie sie die Personalberater darstellen? „Wir haben dafür keine belastbaren Zahlen“, erklärt Kettner, „in Einzelfällen mag das sein.“ Man müsse differenzieren: „Die Diskussionen um den Fachkräftemangel werden dominiert von den Großbetrieben. Diese können überdurchschnittliche Gehälter zahlen – mittelständische Unternehmen aber können sich Gehaltssprünge von 30 % bei einer Neueinstellung eben selten leisten.“

Bei der Einordnung der widersprüchlichen Botschaften hilft Dung Hoang, Managerin bei der Personalberatung Odgers Berndtson in München. „Die Nachfrage nach Ingenieuren ist schon lange da. Im Krisenjahr 2009 hielten sich die Arbeitgeber allerdings zurück, sie wollten zunächst die bestehenden Stellen sichern. 2010 wurde rekrutiert, allerdings vorsichtig und selektiv. Das hat zu kaum höheren Einkommen bei gleichzeitig steigenden Anforderungen an Ingenieure und IT-Fachkräfte geführt.“

CHRISTINE DEMMER/ws

  • Christine Demmer

  • Wolfgang Schmitz

    Wolfgang Schmitz

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Bildung, Karriere, Management, Gesellschaft

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