Berufsbild 07.05.2010, 19:46 Uhr

Gesucht: Technikfreaks, die schreiben können

Technische Redakteure sind Multitalente und auf dem Arbeitsmarkt heiß begehrt. Der Nachschub an technikaffinen Sprachkünstlern aber stockt. Auch Quereinsteiger haben daher gute Chancen – sofern sie sich vom hohen Anforderungsprofil nicht abschrecken lassen.

„Die Verbindung von Sprache und Technik hat den Ausschlag gegeben“, begründet Martin Uhrig die Wahl seines Studienfachs. Vor fast sechs Jahren hatte sich der gelernte Fachinformatiker an der Hochschule Karlsruhe für den Studiengang „Technische Redaktion“ eingeschrieben. „Das Studium war extrem vielseitig“, erinnert er sich. 2008 hatte er seinen Abschluss in der Tasche, noch mit Diplom. Uhrigs Berufszweig ist jung, erst 1996 wurde der „Technische Redakteur“ in den Katalog der Bundesanstalt für Arbeit aufgenommen. Mittlerweile schätzt der Branchenverband tekom die Zahl der technischen Schreiberlinge in Deutschland auf rund 85 000. Sie gießen komplexe Sachverhalte in Gebrauchsanweisungen, Betriebshandbücher, Montageanleitungen oder Online-Tutorials – und müssen dafür einen großen Werkzeugkasten an Fähigkeiten mitbringen.

Technisches Verständnis wird als selbstverständlich vorausgesetzt, ebenso analytisches Denken. Wer sich in seiner deutschen Muttersprache nur holprig ausdrücken kann, hat verloren auch ist die Beherrschung der englischen Sprache unerlässlich. Ferner wichtig: ein sicherer Umgang mit Datenbanken und Content-Management-Systemen. Wer breit genug aufgestellt ist, hat gute Karten. „Von meinen Kommilitonen dürfte jetzt fast jeder eine Stelle haben“, glaubt Uhrig. „Grundsätzlich findet jeder eine, sofern eine gewisse Mobilität da ist.“

Seit dem Jahr 2002 ist die Zahl der Arbeitsplätze in der technischen Kommunikation nach tekom-Angaben um 12 000 gestiegen. Im Zuge der Wirtschaftskrise hat sie zwar geringfügig wieder abgenommen, langfristig sehen aber nahezu alle Experten gute Perspektiven für die Branche.

Auch die Tanner AG aus Lindau. Der Dienstleister vom Bodensee erstellt für Unternehmen unter anderem Betriebs- und Bedienungsanleitungen und beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 100 Technische Redakteure in Festanstellung. „Wir rechnen mittelfristig mit moderat steigenden Einstellungszahlen“, so Stefan Kügel, Vorstandsvorsitzender der Tanner AG. Auch momentan sei das Unternehmen auf der Suche nach fähigem Personal, trotz der allgegenwärtigen Krisensymptome. „Vor allem der Arbeitsmarkt für Spezialisten mit bestimmten Branchenerfahrungen, zum Beispiel in der Luftfahrt, ist hart umkämpft“, betont Kügel.

Bewerber mit einem entsprechenden Studium haben die besten Einstellungschancen, aber auch Ingenieure werden gesucht. Ohnehin besteht in Deutschland ein Großteil der Technischen Redakteure aus Quereinsteigern, von denen viele mehr oder weniger zufällig in den Beruf hineingerutscht sind. Denn besonders große Popularität genießt dieser noch immer nicht. Nur rund ein Dutzend deutscher Fachhochschulen und Universitäten bildet junge Leute in Bachelor-, Master- und Aufbaustudiengängen zu Technischen Redakteuren aus.

An der Fachhochschule Hannover studieren momentan 52 Personen „Technische Redaktion“, das ist gleichbedeutend mit einem Drittel unbesetzter Plätze. Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen veranstaltete den „Tag der Technik-Kommunikation“ im vergangenen November auch, um endlich mehr Nachwuchs für ihre gleichnamigen Bachelor- und Master-Studiengänge zu gewinnen. Und auch an der Hochschule Merseburg stagniert das Interesse auf niedrigem Niveau, 20 Studenten arbeiten dort gerade auf ihren Master hin.

Dabei müssten für Studienanfänger nicht nur die Aussichten auf einen vergleichsweise sicheren Arbeitsplatz verlockend sein, auch die Gehälter sind vorzeigbar. Laut tekom-Gehaltsumfrage 2009 beträgt der Durchschnittsverdienst für Berufsanfänger rund 3000 € brutto, nach fünf Jahren Berufserfahrung steigt er auf durchschnittlich ca. 3700 €.

Über sein Gehalt schweigt Martin Uhrig zwar, richtig gemacht hat der 25-Jährige trotzdem alles. Er entschied sich damals für sein Wunschstudium und sammelte schon währenddessen viel Berufserfahrung durch Praktika, unter anderem in England. Mittlerweile arbeitet er übrigens gar nicht mehr als Technischer Redakteur. Er macht jetzt Software-Schulungen für Firmen. Vielseitigkeit ist eben Trumpf. SEBASTIAN WOLKING

Ein Beitrag von:

  • Sebastian Wolking

    Sebastian Wolking Porträt

    Sebastian Wolking ist freier Journalist und schreibt vorwiegend über Karrierethemen.

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