Karriere 17.03.2000, 17:24 Uhr

Gesucht: Ingenieure mit interkultureller Kompetenz

Kaum eine andere Branche bietet Ingenieuren so unterschiedliche Aufgaben wie der Maschinenbau. Doch konstruktives Geschick alleine reicht für die Karriere nicht. Interkulturelle Kompetenz gehört heute mit zum Profil.

Kaum ein Industriezweig in Deutschland ist derart bunt und weitgefächert wie der Maschinen- und Anlagenbau. Denn seine Konstruktionen schweißen, schrauben und nieten nicht nur in hochautomatisierten Werkshallen Autos zusammen. Vom Anbau der Feldfrüchte und der Verarbeitung von Lebensmitteln über Druck und Papier bis zur Textilproduktion stellen sie das technische Rückgrat zur Befriedigung elementarer Bedürfnisse der Menschen.
Nach Angaben des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) stellt die Branche den größten Industriezweig der Republik. Der Patentweltmeister Maschinenbau bietet demnach 20 000 verschiedene Lösungen für die Produktion industrieller Güter. Auch beim Export sieht man sich auf Platz eins, vor den USA und Japan, dank technologischer Führung auf vielen Gebieten.
Erhellend ein Vergleich der vier größten deutschen Industriezweige (siehe Grafik). Der Maschinenbau zeigt sich als arbeitsintensiv. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn die globale Sicht verdeckt einige interessante Details. Auch der Maschinenbau hat natürlich rationalisiert, seine Belegschaft abgebaut während der letzten Jahre. Noch 1988 beschäftigte die Branche mehr als 1 Mio. Menschen, zehn Jahre später waren es rund 12 % weniger.
Die Zahlen des VDMA zeigen jedoch auch, dass eine Berufsgruppe davon nicht betroffen ist: die Ingenieure. Deren Anteil nämlich wuchs im gleichen Zeitraum von 88 000 um 17 % auf gut 102 000 an. Und noch etwas ist für beruflich Interessierte sicher reizvoll: Im Maschinenbau stellen Ingenieure mehr als die Hälfte des oberen Managements. Beste Karrierechancen also für Einsteiger, vor allem in den vielen kleinen und mittleren Betrieben, welche die Branche prägen.
Doch trotz solcher Perspektiven schauen die Unternehmen mit etwas gemischten Gefühlen in die Zukunft. Der Schwund an Studienanfängern bei den Ingenieurwissenschaften seit 1992 trifft auch den Maschinenbau. Andererseits will rund die Hälfte der Firmen die Zahl der Ingenieure in den nächsten Jahren stabil halten oder sogar erhöhen. Der Engpass scheint vorprogrammiert. Dienstleistung heißt der Zug der Zeit, auf den die Mehrheit aufzuspringen sucht. Und wenn schon Technik, dann schwärmen die jungen Leute lieber in multimedialen Welten, wenden sich Computer, Informationstechnik und Telekommunikation zu. So die Klage einer Branche, die sich zu Unrecht noch immer mit dem wenig imageträchtigen Ansehen von Stahlspänen und Schmieröl verbunden sieht – und sich dagegen wehrt. Das klassische und auch größte Ingenieurfach wird als zukunftsorientiert vorgestellt: Maschinenbau hat heute mehr denn je mit Computern und Elektronik zu tun, und als Dienstleister fühlen sich die lupenreinen Hersteller von Investitionsgütern ohnehin.
Tatsächlich veränderte in der jüngeren Vergangenheit kein Ereignis die Branche so sehr wie das ungestüme Vorwärtsdrängen der Mikroelektronik, was nicht ohne Schrammen und Reibungen abging. Letztlich waren es dann aber doch Ingenieure von Maschinenbaufirmen, jedenfalls der innovativen, die den Trend aufnahmen und ganz neuartige Maschinentypen schufen.
Deshalb steht heute als Idealbild über dem guten Konstrukteur oder Verkäufer der Ingenieur als Manager von Problemlösungen: Selbstverständlich gehören Beratung und Schulung zu seinen Aufgaben, eine Dienstleistung erschöpft sich nicht in der Lieferung von Anlagen und Systemen.
Trotz allen konjunkturellen Schwankungen, die auf den Investitionsgüterbereich immer sehr direkt durchschlagen, sieht sich der Maschinenbau für die Zukunft gut gerüstet, eben weil er sich zur Hightech-Branche gemausert habe. Und man glaubt, mit mehr als 45 Fachzweigen und Gruppen jungen Ingenieuren auch alle beruflichen Möglichkeiten bieten zu können.
Zum Beispiel Maschinen für die Holzbearbeitung, wo rund 250 Firmen mit etwa 25 000 Mitarbeitern 1998 ca. 6 Mrd. DM umsetzten. Die weltweite Technologieführerschaft spiegelt sich in einem Exportanteil von 60 % und den meisten angemeldeten Patenten. Ausgefeilte Prozessüberwachung charakterisiert mittlerweile die Systeme und Anlagen.
In Sägewerken z.B. vermessen Laserscanner die Geometrie der Stämme massiver Einsatz von CNC-Technik steigert dann die Ausbeute bei den Rundhölzern und vermindert den Verschnitt. Das Ziel sind Verfahren, um die anfallenden Resthölzer auch später bei der Weiterverarbeitung komplett zu verwerten, was den Rohstoff Holz schont und für Hersteller von Platten oder Laminat ökonomisch interessant sein kann.
Oder mit Maschinen für die Lebensmittel- und Verpackungstechnik, ebenfalls eine der großen Teilbranchen und in sich selbst schon überaus bunt: Immerhin bedient sie so unterschiedliche Bereiche wie die Verarbeitung von Obst und Gemüse oder auch Fleisch, von Bäckerei- oder Molkereitechnik, konstruiert Getränke- oder Süßwarenmaschinen und versorgt neben Kaffee-, Tee- oder Tabakverarbeitern auch noch die Pharma-, Kosmetik- und Farbenindustrie. Rund 650 Firmen mit gut 58 000 Mitarbeitern setzten 1998 fast 13 Mrd. DM um, bei einer Exportquote von 66 %: Mit einem Anteil von gut 26 % am Welthandel liegen die deutschen Hersteller hier auf Platz eins der wichtigen Exportländer.
Die traditionell starke Abhängigkeit vom Export, wie sie sich schon in diesen wenigen Zahlen spiegelt, stellt auch die kleineren Unternehmen der Branche mehr und mehr vor die Frage: Ob und wie sie sich zum Global Player entwickeln sollen. Deshalb erwartet der Maschinenbau von seinen Ingenieuren zur fachlichen nunmehr zusätzlich sprachliche und interkulturelle Kompetenz. BERND EUSEMANN
In der Industrie zählt der Maschinenbau zu den größten Branchen. Spitzenreiter ist er bei der Beschäftigung. Ein Herz aus Stahl: Der Automatenmensch Tronesto der Firma Festo.

Ein Beitrag von:

  • Bernd Eusemann

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