Ein aktueller Trend bei der Zeitarbeit 07.12.2001, 17:32 Uhr

Genie auf Zeit

Die Zahl der Ingenieure, die auf diesem Weg einen neuen Arbeitgeber finden, wächst ständig.

Bei Schwankungen im Wirtschaftskreislauf und in flexiblen Arbeitsmärkten spielt Zeitarbeit eine immer bedeutendere Rolle – auch für Ingenieure. Selbst wenn die Meinungen über die Mitarbeit auf Zeit immer noch vom „Rettungsanker bis zum „Notnagel“ reichen, verliert die Branche doch langsam ihr „Sklavenimage“.

Cristoph Begemann hat die Chancen für seinen Berufseinstieg über Zeitarbeit richtig genutzt: „Damals habe ich sogar eine attraktive Festanstellung sausen lassen, weil mir das Angebot über Randstad-Zeitarbeit, bei Lufthansa zu arbeiten, interessanter erschien.“ So begründet der Chemieingenieur und Betriebswirt, der heute bei der Deutschen Lufthansa Technik fest angestellt ist, seine Entscheidung, die er bisher nie bereut hat. „Mich reizte damals die Möglichkeit, vielfältige Aufgaben durch Zeitarbeit kennen zu lernen,“ weiß Begemann die Vorteile zu schätzen.

Personalüberlassungsgesellschaften fassen in vielen europäischen Ländern zunehmend Fuß – auch in Deutschland, trotz der Restriktionen, die im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz enthalten sind. „Die Zeitarbeit ist nicht mehr vom Nimbus der Sklavenbranche umgeben“, hat Hans-Peter Klös, Arbeitsmarktexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, festgestellt. Bundeskanzler Gerhard Schröder will sich dafür einsetzen, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Zeitarbeit verbessert werden, um die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen zu bremsen. Nach Angaben des Bundesverbandes Zeitarbeit (BZA), Bonn, hat die Zeitarbeitsbranche in Deutschland im Jahre 2000 um 17,1 % zugelegt und insgesamt eine halbe Million Mitarbeiter eingestellt.

Vor allem für Ingenieure und technische Fachkräfte stellen die Personalüberlassungsfirmen ein wichtiges Sprungbrett in den Arbeitsmarkt dar. Nicht zuletzt dank zunehmend spezialisierter, auch internationaler Arbeitnehmerüberlassungsgesellschaften wie etwa den amerikanischen Kelly Services, die inzwischen mit vielen Niederlassungen in den Vereinigten Staaten, in Canada und auch in Europa zu den fünf größten Personaldienstleistern weltweit zählen. In der Branche setzt sich zusehends ein Trend zur Branchensegmentierung durch – viele Vermittler konzentrieren sich auf Marktnischen, wie den wissenschaftlichen Bereich und vermarkten entsprechend qualifizierte Fachleute. Akademiker machen nach einer Umfrage unter den zehn größten deutschen Personaldienstleistern immerhin bereits 15 % der Zeitarbeitnehmer aus. Innerhalb dieser Gruppe können vor allem Ingenieure, Wirtschaftswissenschaftler und Informatiker am meisten von den Chancen durch Zeitarbeit profitieren. „Das Ingenieurwesen boomt“, weis Angelika Schaff, Gebietsleiterin des Personaldienstleistungsunternehmens Randstad.

Vorteilhaft für den Zeitarbeitnehmer ist die Möglichkeit, bei einem gesicherten Einkommen vielfältige Jobs und abwechslungsreiche Aufgaben wahrzunehmen. Allerdings liegt die Vergütung nach Aussagen des DGB zwar um 30 % niedriger als bei regulär Beschäftigten, dafür steht sie dem Arbeitnehmer aber selbst während der Zeit zu, in der vorübergehend kein Einsatz für ihn gefunden wird. Außerdem hat er die Chance, bei Bewährung vom Kundenunternehmen fest angestellt zu werden. Zeitarbeit kann daher insbesondere für Berufseinsteiger und Arbeitnehmer, die sich in einer Orientierungsphase befinden, eine akzeptable Einstiegslösung darstellen, vor allem dann, wenn kurzfristig eine tragfähige Existenz aufgebaut werden muss. Es ist jedoch zu bedenken, dass ein Vertrag mit einem Zeitarbeitgeber dazu verpflichtet, unterschiedliche Tätigkeiten beim Kunden anzunehmen.

Volker Homburg, Geschäftsführer der Bremer Firma ZIP Zeitarbeit + Personalentwicklung GmbH, hat festgestellt, dass „Kandidaten mit kleinen Schwächen in ihrem Lebenslauf oft erst durch Zeitarbeit eine Gelegenheit finden, bei Unternehmen einzusteigen, die ihnen sonst nie eine Chance geboten hätten.“ Allerdings darf nicht übersehen werden, dass selbst für Beschäftigte, die über Vielseitigkeit und ausgeprägtes Anpassungsvermögen verfügen, der ständige Wechsel von Aufgaben, Kollegen und Arbeitsumgebung auf Dauer schnell zu einer Belastung werden kann. Mit zunehmendem Alter und dem Bedürfnis nach einer beständig tragfähigen beruflichen Existenz spielt die Sicherheit eines festen Dauerarbeitsplatzes die entscheidende Rolle. Denn wer sich auf Zeitarbeit einlässt, muss immer wieder bereit sein, mit neuen Herausforderungen und Aufgabenstellungen fertig zu werden, sich jedes Mal auf andere Kollegen und Arbeitsverhältnisse einzustellen, und sich neuen Arbeitsrhythmen anzupassen. Hinzu kommt, dass ein Zeitarbeiter als Externer oder als eine Art „Außenseiter“ häufig dann betrachtet wird, wenn er in das Team eingebunden wird.

Statistische Ergebnisse des BZA aus dem ersten Halbjahr 2001 zeigen, dass die Personaldienstleister abermals einen beträchtlichen Beitrag zum Abbau der Arbeitslosigkeit geleistet haben. Im Jahre 2000 sind von insgesamt 500 000 Angestellten bei Zeitarbeitsunternehmen 236 000 von Kundenunternehmen übernommen worden. „Dass zirka 35 % der vermittelten Leute von den Firmen abgeworben werden, zeigt, dass die Mitarbeiter vom Markt gut angenommen werden“, glaubt Manfred Brücks, Pressesprecher der Zeitarbeitsfirma Adecco. Die Übernahme in eine Festanstellung hängt natürlich zunächst einmal davon ab, ob es gelingt, zu überzeugen. Wenn dann auch noch das Glück dazu kommt, bei einer Firma mit längerfristigem Personalbedarf eingesetzt zu sein, kann es zu einem Happyend kommen.

Nach dem Motto „Erst Zeitarbeit, dann Festanstellung“, gilt Zeitarbeit auch als Brücke aus der Arbeitslosigkeit zu einem festen Arbeitsplatz, macht aber andererseits auch den Charakter der Beschäftigung bei einer Personaldienstleistungsgesellschaft als Übergangslösung deutlich. Zeitarbeit bietet einerseits Chancen und Flexibilität, andererseits birgt sie jedoch die Gefahr, durch fremdbestimmten Arbeitseinsatz die eine eigene Identität und beruflichen Wünsche schnell aus den Augen zu verlieren, die sich erst durch eine spätere Übernahme in eine Festanstellung beim Kundenunternehmen realisieren lassen.

E. LANGE/E. MANASSERO

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