Dienstleistung 31.03.2006, 18:43 Uhr

„Geleaste Ingenieure“ als begehrte Problemlöser  

VDI nachrichten, Berlin, 31. 3. 06, Fr – Ingenieurdienstleister haben vom Kostendruck in vielen Unternehmen profitieren können. Egal ob als Ein- Mann-Unternehmen oder als Engineering-Spezialist mit mehreren 100 „Leasing-Ingenieuren“ finden sich Erfolgsgeschichten in einer lange verkannten Branche.

Nach dem Abschluss zum Dipl.-Ing. für Feinwerktechnik freute sich Markus Boxleitner über seinen gelungenen Berufseinstieg. In der Entwicklungsabteilung eines medizintechnischen Ingenieurbüros fühlte er sich pudelwohl, einem sicheren Arbeitsplatz mit pünktlichen Gehaltszahlungen. Der Wechsel ins Projektmanagement brachte ihn noch häufiger in Kontakt mit technischen Dokumentationen, die ihm besonders lagen. Kurz darauf wurde er vom Konkurs seines Arbeitgebers überrascht. Von heute auf morgen stand er unter dem Zwang, sich als arbeitsloser Ingenieur mit neuen Perspektiven anzufreunden: Markus Boxleitner wagte 2002 als Einzelunternehmer den Sprung in die Selbstständigkeit und gründete „Structura“. Als Ingenieurdienstleister bietet der heute 38-Jährige seitdem vorrangig Firmen des Sondermaschinenbaus Unterstützung bei technischen Dokumentationen an. „Ich bin sehr zufrieden, es läuft super“, so seine Bilanz vier Jahre später.

Ein Erfolgsbeispiel, das symptomatisch für eine Branche ist, die von jüngsten Krisenzeiten sogar profitierte. Während auf der Suche nach Einsparpotenzialen jeder Handgriff in Unternehmen unter die Lupe genommen wird, um zu teure Arbeitsprozesse prompt auszulagern, sichert sich eine wachsende Zahl von Ingenieurdienstleistern Auftrag um Auftrag. Vom Großeinsatz, bei dem Anbieter wie die Bertrandt AG in Ehningen oder die Ulmer euro engineering AG ihre Ingenieure auf Zeit gleich mitsamt Bürocontainern zu Auftraggebern entsenden, bis hin zu kleinen Dienstleistern in freien Berufen wie Markus Boxleitner – sie alle profitierten vom wachsenden „Schlankheitstrend“ in den Unternehmen.

„Natürlich hat Siemens weiter seine eigene Dokumentationsabteilung, während das in kleinen Firmen meist der Chef persönlich mitübernimmt“, so Boxleitner, „doch bei Mittelständlern haben kleine Anbieter wie ich mit verlässlichen Qualitätsangeboten inzwischen gute Chancen.“ Bei Firmen seiner Zielgruppe schafft er bei zehn Anrufen in der Kaltakquise ein bis zwei Einladungen für ein weitergehendes Gespräch, „eine Quote, die meiner Firmenidee Recht gibt“, findet er. Hier zahlt sich sein Vorteil aus, als Ingenieur mit Auftraggebern eine Sprache zu sprechen und ihre angewandten Softwaretools genau zu kennen. „Zudem hilft es mir, neben Sprachsicherheit und Fremdsprachenkenntnissen das gesetzliche Grundwissen parat zu haben, gerade bei zuletzt so wechselhaften Normen wie Produktsicherheitsgesetz und Maschinenrichtlinien.“

Hier können sich Firmen viel Arbeit ersparen, indem sie Fachleute einkaufen, die sich täglich mit juristischen und sprachlichen Spezialfragen rund um technische Dokumentationen auseinander setzen. Inzwischen kann Boxleitner es sich erlauben, Kunden, die mit ihm feilschen wollen, abzusagen. „Ich biete Firmen gern Zusatznutzen, etwa bei der Aufbereitung ihrer Daten, und meine Preise liegen ohne den üblichen Kostenapparat großer Anbieter meist eh schon unter dem üblichen Durchschnitt, das muss reichen.“

Ein Erfolgsmodell der Ingenieurdienstleistungen in weitaus größerem Maßstab beschreibt das Beispiel iks engineering aus Stuttgart. Hier umfasst der flexibel buchbare Personal-Pool Diplomingenieure, Techniker und technische Zeichner aus dem Automobil-und Maschinenbau, die für alle Bereiche der Konstruktion und technischen Produktentwicklung einsatzbereit sind. Von den inzwischen bereits rund 450 inländischen Mitarbeitern besitzen 80 % ein Ingenieurdiplom, die etwa von Stammkunden wie Daimler-Chrysler oder Bosch aufgrund der guten Erfahrungen immer wieder projektbezogen angefordert werden.

Was in Deutschland lange als rechtliche Grauzone galt, etablierte sich hier erst durch das Vorbild USA. So war der deutsche „Leasing-Ingenieur“ lange stark reglementiert, bis das Gesetz zur Arbeitnehmerüberlassung auch hierzulande soweit liberalisiert wurde, dass zeitliche Beschränkungen wie die lange geltende Überlassungsfrist von drei Monaten so gut wie abgeschafft sind. „Ingenieurdienstleistungen wurden anfangs oft als eine Art Feuerwehr gesehen“, sagt iks-Regionalleiter Thomas Heess. Heutzutage werde externe Hilfe jedoch nicht mehr erst dann gerufen, wenn es im Projekt brennt. Die frühzeitige Integration der Spezialisten werde vielmehr als langfristiger strategischer Vorteil gesehen. Heess: „Ingenieurdienstleistungen ist keine Notlösung mehr, sondern ein intelligentes Instrument für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.“

Für auf Zeit eingesetzte Ingenieure ergibt sich der Vorteil, ihr Allround-Talent zu schulen, anstatt sich schon früh auf eine bestimmte Position im Unternehmen mit festgelegtem Arbeitsgebiet zu reduzieren. Viele Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern sorgen zudem für regelmäßige Jobanfragen, die den eigenen Marktwert untermauern. Täglich eingeforderte und geschulte Fähigkeiten wie Kreativität, Inspiration, Mut und Flexibilität machen eben begehrlich. ANDREAS LEIMBACH

www.structura-online.de
www.iks-engineering.de

Keine Berührungsängste mehr

Jüngste Untersuchungen der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAW) in Bonn bestätigen, dass Zeitarbeitsfirmen auch für Ingenieure längst zu einem festen Marktsegment geworden sind. Frühere Berührungsängste sind längst der Erkenntnis gewichen, den eigenen Marktwert durch permanente Arbeitseinsätze bei wechselnden Kunden und Anforderungen innerhalb kürzester Zeit deutlich zu steigern. Hier haben auch die angespannte Marktlage sowie das längst überwundene Imageproblem der Personaldienstleister für einen Stimmungsumschwung gesorgt.  A.L.

Von A.L.
Von A.L.

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