Arbeitsmarkt 02.04.1999, 17:21 Uhr

Gegen alle Konventionen einen neuen Job geangelt

Dipl.-Ing. Thomas Smuszynski nicht hinter sich. Der passionierte Musiker fand mit Hilfe des Projektes „Die Agentur“ dennoch einen Job nach Wunschvorstellung.

Er hat 15 Jahre lang studiert, trägt lange Haare, einen Ohrring und ist 35 Jahre alt. Die Chancen, einen Job zu bekommen, standen denkbar schlecht. Doch Thomas Smuszynski arbeitet seit November 1998 bei der Softwarefirma PCC in Marl. Wie das geht – trotz „Handicap“ Ohrring? Erstens sind an seinem Arbeitsplatz viele Mitarbeiter ähnlich wie er zweitens hat ihm die Arbeit in „Die Agentur“ – einem Projekt des Arbeitsamtes und der Personalberatung Fulde in Düsseldorf – den Absprung vom Studenten- ins Berufsleben ermöglicht.
„Es ist bei mir etwas unkonventionell gelaufen“, gibt Thomas Smuszynski zu. Irgendwie untertreibt er damit sogar noch ein wenig. Schließlich ist sein Lebenslauf alles andere als glatt. Nach dem Abitur absolvierte er zwar noch die Bundeswehr und schrieb sich 1983 in Wuppertal für das Fach Sicherheitstechnik ein. Doch sein Hauptinteresse galt in dieser Zeit bereits der Musik.
Bevor er 1985 ins professionelle Rockgeschäft einstieg, hatte er bereits Baßgitarre in einer Schülerband gespielt. Die erste Single wurde aufgenommen. Und mit diversen Heavy Metal Bands tourte er ab 1985 durch ganz Europa. 250 Konzerte gab er während dieser Zeit. Auf der faulen Haut hat Thomas Smuszynski also wahrlich nicht gelegen.
Doch um das große Geld im Musikgeschäft zu verdienen, braucht man mehr als ein Quentchen Glück – und das ließ auch bei ihm auf sich warten. „Mir war das eigentlich von vornherein klar“, erzählt er. „Wenn ich mal zu Hause war und keine Konzerte hatte, habe ich deshalb auch weiter ernsthaft studiert. Meine Klausuren habe ich bestanden, wobei sich die Zensuren sehen lassen konnten.“ Sowohl Studien- als auch Diplomarbeit sprechen dafür, daß Thomas Smuszynski etwas von der Materie versteht. Beide Arbeiten fertigte er in der Elektronikforschung bei VW in Wolfsburg an. „Doch das Thema meiner Diplomarbeit war sehr speziell. Das schränkte meine Jobsuche doch erheblich ein.“
Nach Abgabe der Diplomarbeit Ende Juli 1998 ging Thomas Smuszynski mit schlechten Aussichten auf Jobsuche und bewarb sich nach klassischem Muster. Der Erfolg blieb wie erwartet aus. „Das demoralisierte natürlich enorm“, erinnert er sich. Das Arbeitsamt machte ihn auf „die Agentur“ aufmerksam. Begeistert hätten die Mitarbeiter des Arbeitsamtes in einer Informationsveranstaltung von der Idee des virtuellen Unternehmens berichtet, das von arbeitslosen Hochschulabsolventen geführt, organisiert und gestaltet werden sollte. In diesem einzigartigen Kooperationsprojekt des Arbeitsamtes Düsseldorf mit der Personalberatung „Fulde Personaltraining“ sollten 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst ihre künftigen Arbeitsplätze unter dem Motto „Training, Job, Perspektive“ akquirieren. „Das hörte sich gut an, ich habe mich sofort beworben“, erinnert sich Smuszynski. Er war einer der Pioniere, die sich im Oktober 1998 auf den Weg machten, ihre Ideen auf diese Weise zu vermarkten.
Es gab jede Menge zu tun. Termine mußten besetzt, die Internet-Seiten vorbereitet werden. Für den ersten „Tag der Offenen Tür“ galt es, Unternehmer einzuladen und für jeden Jobsuchenden ein Faltblatt mit seinem Persönlichkeitsprofil zu erstellen. Die Pressekonferenz mußte vorbereitet und nebenbei noch Seminare und Workshops zum Persönlichkeits- und Bewerbertraining besucht werden. Zwischendurch boten die neuen Kollegen nach dem Motto „von Mitarbeitern für Mitarbeiter“ Vorträge an.

Nach einigen Wochen bereits das erste Erfolgserlebnis

„Wichtig war natürlich die Jobsuche. Sämtliche Medien standen uns zur Verfügung und mehr als einmal stellte sich heraus, daß 60 Augen mehr sehen als zwei“, betont er, denn oft habe man keine Stelle für sich selbst, dafür aber für einen Kollegen gefunden. „Ich spürte jedenfalls einen enormen Aufwind und bin viel positiver an die Sache herangegangen.“ Das habe sich besonders auf seine Bewerbungsanschreiben ausgewirkt. Nach sieben Wochen in der Agentur kam bereits die erste Einladung zum Vorstellungsgespräch. „Endlich sah man den Bewerbungen an, daß man sie zumindest registriert hatte. Sie kamen nicht mehr völlig unberührt zurück.“

Gleich zwei konkrete Angebote lehnte Thomas Smuszynski ab, denn der Job bei PCC reizte ihn mehr. Den hat er allerdings über einen Nachbarn in Düsseldorf gefunden. „Ich war so gut drauf, daß ich jedem, der es hören wollte, von der Agentur erzählt habe. So auch meinem Nachbarn.“ Der war Projektmanager bei PCC und hörte mit großem Interesse zu. Bei dem Softwarehersteller für Prozeßleittechnik suchte man einen Mitarbeiter für die technische Dokumentation – seit Ende November ist die Stelle besetzt.

„Zunächst hatte ich alle Hände voll damit zu tun, mich in die komplexe Materie einzuarbeiten“, gibt Smuszynski zu. Doch die erste Arbeit ist bereits abgeschlossen: PCC bietet jetzt auch online Hilfe an. Und wenn Thomas Smuszynski das Bediener-, System- und Engineering-Handbuch sowie die technische Referenz erstellt hat, warten bereits die nächsten Aufgaben auf ihn. Dann sogar aus dem Bereich Arbeitssicherheit, also einem seiner Studienfächer. Eine Belastungsanalyse der Bildschirmarbeitsplätze steht darüber hinaus an. „Ich kann hier jede Menge lernen. Vermutlich hat man mir angemerkt, daß ich hochmotiviert bin“, mutmaßt er über die Entscheidung der Firma, gerade ihn einzustellen.

Als Exot wirkt er im Umfeld seines neuen Arbeitgebers jedenfalls nicht. Neben dem immer noch passionierten Baßmusiker gibt es dort noch einen Weltmeister im Lenkdrachenfliegen und eine Künstlerin, die aus alten PC und elektronischen Bauteilen Collagen erstellt. Auf jeden Topf paßt bekanntlich auch ein Deckel. Thomas Smuszynski stellt die Gültigkeit dieses Spruches eindrucksvoll unter Beweis.
BEATE PELZ

Warum sollte man Thomas Smuszynski nicht anstellen? Vorurteile gegenüber Ohrringträgern und Hochschulabsolventen Mitte 30 gehören schleunigst in die Antiquitätenkiste – meint der 35jährige.

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