Karriere 30.11.2001, 17:32 Uhr

Ganz schön gehaltvoll…

„Geld macht nicht glücklich, es beruhigt nur die Nerven…“ Das sang schon Rio Reiser. Demnach dürften Jungingenieurinnen und Jungingenieure ganz locker sein. Laut einer Studie des Kölner Staufenbiel-Instituts zahlten 32 % der befragten Unternehmen im Jahr 2001 Ingenieuren ein Einstiegsgehalt zwischen 36 100 Euro und 38 500 Euro, weitere 27 % sogar 38 600 Euro bis 41 000 Euro.

Stefan Thomfohrde gehört noch zu den Glücklichen, die sich vor der wirtschaftlichen und politischen „Herbstkrise“ beworben haben. Seit August arbeitet der Elektro-Ingenieur bei Siemens Automation+Drives. Er, der schon seine Diplom-Arbeit in dem Elektrokonzern geschrieben hat, konnte zwischen mehreren Jobs – innerhalb und außerhalb von Siemens – wählen. „Dabei stand für mich aber die Tätigkeit und die Entwicklungsmöglichkeit im Vordergrund. Mir ist es wichtig, viel lernen zu können“, sagt er.

Seine Wunschvorstellung – „nicht unter 70 000  DM“ – hat Siemens überboten. FH-Absolventen wie Stefan Thomfohrde bekommen zwischen 34 000 Euro und 42 000 Euro, Uni-Absolventen zwischen 38 000 Euro und 49 000 Euro. „Ich hatte auch andere Angebote, die finanziell noch attraktiver waren“, so der 28-Jährige. Vor allem bei Arbeitgebern, die für ihn während des Gesprächs schon uninteressant wurde, hat er „auch mal hoch gepokert“ – mit Erfolg.
Das ist eben das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Noch vor wenigen Jahren freuten sich Ingenieure über ein Angebot von 60 000 DM. Doch auch heute sind nicht alle, die den Dipl.-Ing. in der Tasche haben, auf der Sonnenseite. „Am besten stehen Maschinenbau-Ingenieure und Elektrotechniker da“, weiß Eva Balster vom Staufenbiel-Institut in Köln. Die Einstiegsgehälter von Chemieingenieuren und Verfahrenstechnikern seien ebenfalls sehr gut. „Die Verlierer sind jedoch Bauingenieure und Architekten.“ Sie müssen sich häufig mit schlecht bezahlter Projektarbeit zufrieden geben. Anders ist es da nach wie vor bei den „Gehalts-Klassikern“: „Die Automobilbranche ist immer noch interessant, und auch die Chemiebranche zahlt sehr gut“, meint Kienbaum-Berater Bernd Kuhnert.
Doch auch „kleiner Betrieb“ bedeutet nicht immer gleich „kleines Gehalt“. Vielmehr hat man, wenn dort Bedarf besteht, oft eine gute Ausgangsbasis. Denn, wie Umfragen immer wieder ergeben, zieht es die Mehrzahl der Absolventen in namhafte Großunternehmen, so dass sich ein Fachkräftemangel im Mittelstand schneller auswirkt und die Arbeitgeber Anreize schaffen müssen.

„Auch Einsteiger haben die Möglichkeit, Gehalt in gewissem Rahmen zu verhandeln“, so Bernd Kuhnert. Gute Karten hat natürlich nur, wer Pluspunkte wie gutes Examen, Praxis- und Auslandserfahrung und andere Zusatzqualifikationen wie beispielsweise einen MBA ins Feld führen kann. „Ich empfehle die elegante Offensivhaltung“, so Jürgen Hesse, Berater im Berliner Büro für Berufsstrategie. Im Klartext: sich nicht als Schnäppchen anbieten, aber auch nicht zu forsch vorgehen. Also: Im ersten Stock anfangen und Gesprächsbereitschaft signalisieren. Eine weitere Möglichkeit ist, direkt beim Einstieg künftige Gehaltssteigerungen zu vereinbaren – zum Beispiel eine Erhöhung nach der Probezeit oder nach einem Jahr. Außerdem sollte man auch nicht nur aufs „Bare“ schauen. Auch Sozialleistungen, eine Erfolgsbeteiligung, Laptop oder Handy aber auch ein zusätzlicher Urlaubstag oder die Möglichkeit zur Heimarbeit sind Geld wert.
Denn, ob Bewerberinnen und Bewerber in Zukunft noch derart unvorstellbare Summen, wie beispielsweise im Jahr 2000 im IT-Bereich geboten wurden, heraushandeln können, ist zu bezweifeln. „Der Bedarf an Ingenieuren ist sehr konjunkturabhängig“, so Eva Balster. Experten gehen davon aus, dass eine schlechte, unsichere Wirtschaftslage sich generell weniger auf die Gehälter als auf die Einstellungspolitik auswirkt. „Was die Einstiegsgehälter angeht, so zahlen wir marktkonform“, sagt Siemens-Sprecherin Sabine Metzner. Das Gehaltsgefüge richtet sich nicht kurzfristig nach der Konjunkturlage, da es auch intern passen muss.

Auch Jürgen Hesse ist sich sicher, dass niemand an dem sparen würde, was er dringend braucht. Denn, wie immer wieder zu hören ist, suchen die Unternehmen nach wir vor hoch qualifizierte Fachkräfte. Schließlich bedeutet Gehalt nicht nur die Bezahlung erbrachter Leistungen, sondern hat auch Motivationscharakter. Vielmehr sieht der Diplom-Psychologe die Gefahr, dass die Firmen in der momentanen Lage – verstärkt durch den 11. September – Angst haben werden, neue Leute einzustellen. Inwieweit auch die derzeitige Mangelware Ingenieure davon betroffen sein wird, bleibt abzuwarten.
ANDREA BEHNKE

Ein Doktorhut lohnt sich in vielen Firmen

Ein Ingenieur ist ein Ingenieur – nur beim Gehalt wird dann doch differenziert. Kienbaum hat erhoben, dass ein Uni- oder TH-Abschluss den Unternehmen bei einem Einsteiger durchschnittlich 41 000 Euro im Jahr wert ist, ein FH-Abschluss 39 500 Euro. Doch muss man berücksichtigen, dass FH-Absolventen zumeist beim Jobstart auch jünger sind. Ingenieure mit Doktorhut oder einem angesehenen MBA-Titel können in vielen Firmen damit rechnen, dass sich die Titel auszahlen. „Bei einer Promotion kommt es jedoch auch darauf an, ob sie der Firma etwas bringt“, so Sabine Metzner von Siemens. Gehaltsunterschiede gibt es auch, wenn man die Regionen betrachtet. Nach wie vor gibt es ein Süd-Nord- und ein West-Ost-Gefälle. Schaut man sich die Mietpreise in Städten wie München oder Stuttgart im Gegensatz zum Ruhrgebiet an, relativiert sich das aber ein wenig.  AB

Von Andrea Behnke
Von Andrea Behnke

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