Karriere 06.08.1999, 17:22 Uhr

Frauen auf der Karriere-Leiter

In Chefpositionen gibt es zuwenig Frauen. Deshalb beraten Top-Manager seit Oktober ´98 junge Frauen im Rahmen eines „Cross-Mentoring“-Programms.

Auf die Frage, ob ihr Mentor ihr bisher geholfen hätte, antwortet Karin Katerbau, Teilnehmerin des Cross-Mentoring in Frankfurt: „Ja, er hat mir besonders in menschlichen Dingen Tips gegeben.“ Dabei steht Ralf Teckentrupp, Bereichsvorstand für Netzmanagement und Betriebswirtschaft der Deutschen Lufthansa AG, dem Konzept eher skeptisch gegenüber. „Ich habe immer noch Vorbehalte. Bei der ersten Veranstaltung wäre ich am liebsten wieder gegangen. Es waren mir zu viele Feministinnen am Tisch, die sich profilieren wollten.“ Es sind grundsätzlich eigene Erfahrungen aus dem Top-Management, die der Mentor seiner Mentee nach getaner Arbeit weitergibt. „Persönliche Beziehungen und das Management von Beziehungen sind extrem wichtige Faktoren für ein gutes Geschäftsverhältnis.“ Das Einmaleins der männlichen Geschäftswelt ist, so Teckentrupp, völlig simpel. „Männer wollen spielen und gewinnen. Das Gewinnenwollen ist das eigentliche Thema des Mannes. Erst wenn Frauen begreifen, wie einfach Männer ticken, können sie sich in den oberen Etagen durchsetzen.“ Anpassen? Auf keinen Fall. Beinahe spöttisch erklärt Teckentrupp, daß eine Frau, die mit ihm an einem Tisch sitzt und sich wie ein Mann benimmt, sofort seine Sympathie verliert.“
Wie muß also eine Frau sein, um von einem Vorstand wie Ralf Teckentrupp anerkannt zu werden. „Wie eine ganz normale Frau. Selbstbewußt, analytisch, strukturiert. Eine Frau, die weiß, wovon sie redet, die Ziele und Rückgrat hat und nicht gleich umfällt, wenn Kritik kommt.“
Über die Ansprüche ihres Mentors amüsiert sich Karin Katerbau, und vielleicht haben die Tips, wie frau sich im Berufsleben besser durchschlagen kann, schon erste Früchte getragen. Denn für Katerbau steht in jedem Fall fest, daß sie von den Treffen mit Ralf Teckentrupp profitiert hat. „Er hilft mir in technischen Fragen, darin, wie Entscheidungsprozesse ablaufen, wie man sich im Unternehmen Netzwerk und Kontakte aufbauen kann, wie aus bestehenden Strukturen das Beste zu machen ist oder wie strategische Entscheidungen besser zu verstehen sind.“
Doch was reizt eine 35jährige Angestellte, eine Position anzustreben, die nach den Worten Teckentrupps Gesundheit, Freizeit und Privatleben aufs Spiel setzt?
„Ich glaube, Frauen haben eine höhere soziale Kompetenz und ich glaube auch, daß Frauen tendenziell eine größere Fähigkeit haben, Leute für sich einzunehmen, zu begeistern und zu delegieren ohne dabei Macht auszuüben.“
Eine Vermutung, die Katerbau dazu motivierte, bei dem Auswahlverfahren für das „Cross-Mentoring“ mitzumachen.
Die Idee des Programms entstand auf dem Schreibtisch von Monika Rühl, der Beauftragten für Chancengleichheit bei der Lufthansa AG. Obwohl die Fluggesellschaft mit einem Frauenanteil von 9 % in den oberen Leitungsebenen noch über dem Bundesdurchschnitt (5 % bei Großunternehmen) liegt, wollte Rühl wissen, warum Frauen immer wieder in den Zwischenetagen ihres Unternehmens hängen bleiben. Frauen, so Rühl, brauchen einfach eine klare Karriere-Strategie, auch, oder gerade wegen einer möglichen Familienplanung. Frauen müssen von Anfang an die Karten offen auf den Tisch legen. Es ist wichtig, daß sie sich mit diesem Thema aktiv auseinandersetzen und den ersten Schritt von sich aus machen – also selbst Verantwortung ergreifen und Mut zeigen.“ Für die Lufthansa-Mitarbeiterin heißt das, nicht nur mit dem Partner, sondern auch mit dem Chef ehrlich zu reden – und zwar vor der nächsten Sprosse der Karriereleiter. Bei der Ausarbeitung des Programmes kam es Monika Rühl darauf an, das Konzept nicht zu überfrachten. „Es sollte vor allem ohne größere Bürokratie über die Bühne gehen.“ Jedes Unternehmen stellt drei Mentees, die jeweils von einem Mentor eines anderen Unternehmens unter ihre Fittiche genommen werden und sich in einem Rhythmus von vier bis sechs Wochen zu einem gemeinsamen Abendessen für zwei bis drei Stunden zusammensetzen.
Nimmt der Manager seine Auszubildende dabei väterlich an die Hand? „Das kommt ganz auf die Chemie der Paare an.“ Claudia Rissto, Diplom-Mathematikerin und Mentee der Lufthansa, hat nicht das Gefühl, daß sie von ihrem Coach in irgendeiner Form väterlich oder sogar herablassend behandelt wurde. Auch war sie ziemlich erstaunt als sie hörte, daß es im Cross-Mentoring darum geht, sich als Frau in der Männerwelt besser zurechtzufinden. „Ich hatte bisher nie Probleme damit.“ Und trotzdem konnte ihr Mentor ihr in einigen Punkten auf die Sprünge helfen. „Sie müssen mal raus aus ihrem EDV-Loch und sich um ihr Selbstmarketing kümmern.“
Lächelnd gibt die Abteilungsleiterin zu, daß sie als Kind gelernt hat, bescheiden zu sein und nicht so dominant aufzutreten. Durch den Austausch mit ihrem Mentor wurde Rissto bewußt, daß sie in der männlichen Welt selber Initiative ergreifen muß. „Um die richtigen Leute kennenzulernen, gehe ich auch jetzt schon mal zu meinem Chef hin und biete ihm an, die eine oder andere Präsentation für ihn zu übernehmen.“ Der Vergleich zwischen Mann und Frau existiert nicht in ihrem Kopf. Ob Frauen intuitiver seien? Auch mit dieser Behauptung kann die Mentee wenig anfangen. War es doch ihr Mentor, der ihr bei einer Personalfrage noch vor kurzem geraten hatte, ihre Entscheidung aus dem Bauch heraus zu treffen. „Ich selber denke nicht in der Kategorie Mann oder Frau – oder etwa, was Frauen besonders gut können.“
Erst auf die Frage, was sie als Führungskraft auszeichnet, reagiert die 30jährige nachdenklicher und erklärt nach einer kleinen Pause: „Ich kann mich besonders gut in andere hineindenken. Ich sehe mich in einer vermittelnden, in einer Art Sandwich-Position. In einer Gesprächsrunde achte ich immer darauf, ob alle Teilnehmer zufrieden und ob sie auch zu Wort gekommen sind.“
Obwohl sich Ralf Teckentrupp generell einen leichten Zynismus über das „Cross-Mentoring“ nicht verkneifen kann, gibt es über einen Punkt auch von seiner Seite keine Zweifel: Frauen müssen im Entscheidungsprozeß dabei sein. „Sie können davon ausgehen, daß in einem Meeting bessere Vorschläge kommen, wenn auch Frauen aus verschiedenen Fachrichtungen am Tisch sitzen. Frauen haben eine andere Sicht der Dinge, und es ist wichtig, ein Thema aus möglichst vielen Blickwinkeln zu betrachten.“ Ob Frauen besondere Qualitäten mitbringen, kann der Manager nicht spontan beantworten. Erst beim Nachfragen kommt auch Teckentrupp ins Grübeln und gibt zu, daß Frauen über mehr Einfühlungsvermögen verfügen und im Durchschnitt wohl auch mehr Gefühl als Männer haben. „Es sind die “soften“ Faktoren, die sie mitbringen.“
Grundsätzlich ist Teckentrupp jedoch vorsichtig, wenn es darum geht, Frauen in Führungspositionen einzusetzen. Seiner Meinung nach sind Frauen in der Kommunikation eher zurückhaltend und können z.B. Kritik gegenüber ihren Mitarbeitern schlechter äußern als Männer. Als er zum nächsten Argument ansetzt, verfällt der Mentor wieder in seinen leicht zynischen Tonfall und sagt etwas, das vielleicht doch ein Fünkchen Wahrheit in sich bergen könnte: „Wenn Frauen Frauen führen, ist das oft eine triviale Geschichte.“
Unverständlich hacken Mann wie Frau bei diesem Satz nach. Aber im Grunde wissen Frauen genau, was Teckentrupp damit meint. Eine Frau als Vorgesetzte kann schwierig sein, und nicht selten wünschen sich Frauen dann doch lieber einen Mann als Chef. Und trotzdem, auch die Frau hat das Zeug dazu, ganz oben mitzuspielen, aber vielleicht konzentrieren sie sich erst einmal auf ihre eigenen Spielregeln. Das „Cross-Mentoring“ ist sicherlich ein erster Schritt, ob es sich jedoch auf Dauer rentiert, auf die Methoden der Männer zu schielen, ist fraglich – und vor dem nächsten Schritt zu überdenken.
Die Unternehmen allerdings sind von diesem neuen Weg zur Frauenförderung überzeugt. Denn das aktuelle „Cross-Mentoring-Programm“, das im Oktober ausläuft, wird im kommenden Jahr wiederholt. „Im Januar“, so Monika Rühl von der Lufthansa, „beginnt die neue Runde.“
JEANINE VON SEENUS
Die Welt im Blick haben jene jungen Frauen, die sich von Vorständen für ihre Zukunft fitmachen lassen.
Claudia Rissto hat erkannt, daß sie in einer von Männern dominierten Berufswelt selbst die Initiative ergreifen muß.

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