Karriere 30.05.2003, 18:25 Uhr

Fester Job nach Schnupperkurs

Akademiker, wie etwa Ingenieure, stehen ganz hoch im Kurs. Viele der Umworbenen finden später beim Kunden einen neuen Job.

Diplom-Ingenieur Elektrotechnik gesucht. Konstrukteur Fahrzeugtechnik gesucht. CAD-Spezialist Sondermaschinenbau gesucht“, so ist es im Internet nachzulesen. Ferchau rekrutiert bundesweit, der Jobticker auf der Homepage zeigt Stellenangebote im Dutzend. Der Ingenieur-Dienstleister aus Gummersbach braucht laufend Mitarbeiter, die er in Projekten seiner Kunden einsetzen kann.
Neben Ferchau sind auch andere Zeitarbeitsunternehmen am Markt aktiv: Adecco Engineering etwa braucht Ingenieure, Wirtschaftsingenieure, Informatiker und Softwareentwickler. Auch bei Euro-Engineering, München, heißt es: „Wir stellen ein.“ 241 Stellenangebote flimmern über die Homepage des Ingenieur-Dienstleisters aus München.
Das klingt nach einem kleinen Jobwunder. Zeitarbeitsunternehmen stellen laufend neue Mitarbeiter ein – auch in ansonsten schlechten Zeiten am Arbeitsmarkt. „Siemens baut qualifizierte Ingenieure ab, wir suchen Ingenieure“, erklärt Gerhard Kohls von Adecco Engineering, Bremen, im Telegrammstil den Markt. Die Zeitarbeit legt ihr angestaubtes Image ab – und profiliert sich als Arbeitgeber für akademische Berufe. Während das Massengeschäft noch mit Bauhelfern und Lagerarbeitern läuft, sind kleine wie große Zeitarbeits-Dienstleister dabei, Ingenieure, Naturwissenschaftler und Betriebswirte einzustellen. „Wir suchen nicht den Lageristen, sondern den Logistik-Chef“, beschreibt Jürgen Uhlemann, Vorstandsvorsitzender des Zeitarbeitsunternehmens Jobs in Time, Hamburg, den Trend.
Begleitet wird das von einem Begriffswandel: Leiharbeit oder Zeitarbeit, diese Worte werden kaum noch benutzt, wenn es um Akademiker geht. „Die identifizieren sich nicht gern mit diesen Begriffen“, sagt Sylvia Knecht, Sprecherin von Deutsche Industrie Service DIS, einem der Branchengroßen. Arbeitnehmerüberlassung wird für Mitarbeiter mit Diplom vornehm als „Projektarbeit“ oder „mobile Belegschaft“ umschrieben. An den Fakten ändert das freilich nichts, Zeitarbeit funktioniert so: Adecco Engineering etwa stellt den Ingenieur mit Festgehalt und unbefristet ein, inklusive Urlaubs- und Weihnachtsgeld – sein Arbeitsplatz ist aber bei einem Adecco-Kunden. Projekte können hier Monate, manchmal auch mehr als ein Jahr dauern.
Personaldienstleister suchen immer mehr gut ausgebildete Mitarbeiter – hier erschließt sich ein neuer Arbeitsmarkt: Das Geschäft wird in Zukunft zunehmend mit hoch qualifizierten Fachkräften gemacht, fand eine Studie der Unternehmensberatung Wieselhuber & Partner, München, heraus: Der Marktanteil der Qualifizierten werde bis 2010 um 20 % steigen, so eine Prognose aus der Studie: Jeder dritte Zeitarbeitnehmer wird dann ein Leitender, Organisator, Forscher oder Entwickler sein. Deren Bezahlung richtet sich nach den marktüblichen Gehältern – in gesuchten Funktionen, wie etwa im Flugzeugbau oder bei Konstrukteuren mit CAD-Kenntnissen, zahlen Zeitarbeitsunternehmen fast ebenso viel wie andere Arbeitgeber. In anderen Bereichen sind Gehalts-Abschläge von 10 % bis 15 % üblich.
Dass die Bewerbung bei Zeitarbeitsunternehmen nicht nur für Arbeitnehmer im Blaumann lohnt, zeigen schon heute die Belegschaften: 16 % der Mitarbeiter der zehn größten Zeitarbeitsunternehmen haben heute einen Hochschulabschluss, ermittelte eine Studie des Marktforschungsunternehmens Lünendonk, Bad Wörishofen. Bei Randstad, einem der Marktführer, haben 15 % der externen Arbeitnehmer des kaufmännischen Bereichs einen Hochschulabschluss, bei den Technikern sind es sogar 35 %.
Warum dieser neue Hunger nach qualifizierten Kräften? „In vielen Unternehmen gehört Zeitarbeit schon zur Personalstrategie“, sagt Heide Franken, Geschäftsführerin von Randstad, Köln. Konkret heißt das: Oft werden lieber Mitarbeiter vom Zeitarbeitsunternehmen engagiert, statt eigene Angestellte anzuheuern. Für die Firmen ist das eine flexible Lösung – sie können den Personalbedarf so besser der Auftragssituation anpassen. Zudem lagern die Personalabteilungen ihre Arbeit aus: „Die Unternehmen betreiben weniger eigenes Personalmanagement“, erläutert Kohls von Adecco Engineering. Zeitarbeit macht die Rekrutierung für die Firmen einfacher. Denn: Personalsuche, Auswahlgespräche, Personalverwaltung – all das übernimmt das Zeitarbeitsunternehmen.
Für Arbeitnehmer ist die Jobsuche in der Zeitarbeitsbranche durchaus lohnend: Um die 450 000 Mitarbeiter stellen die Personaldienstleister insgesamt jedes Jahr ein, ermittelte der Bundesverband Zeitarbeit (BZA) in Bonn. Interessant ist: Es gibt auch große Chancen für Arbeitslose. Etwa 60 % der neu eingestellten Mitarbeiter waren vorher ohne Arbeit. „Wir haben gegenüber Arbeitslosen keine Berührungsängste“, beschreibt Jobs in Time-Chef Uhlemann die verbreitete Haltung seiner Branche. Anders als sonst oft üblich, haben Arbeitslose die selben Chancen wie Bewerber, die sich aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis bewerben. Auch Mitarbeiter im Alter 45 plus stehen in der Zeitarbeit nicht außen vor: „Ältere Arbeitnehmer haben die selben Chancen wie der Rest der Zeitarbeitnehmer“, sagt Manfred Brücks, Sprecher von Adecco, Hamburg.
So mancher Arbeitnehmer findet über die Zeitarbeit seine Wunschfirma: Wer längere Zeit in einem Unternehmen arbeitet, unterscheidet sich mitunter kaum noch von den normalen, dort direkt angestellten Mitarbeitern. Oft entsteht eine Beziehung auf Gegenseitigkeit – und die Firma wirbt einen guten Mitarbeiter vom Zeitarbeitsunternehmen ab. Dass diese Art der Job-Beschaffung keineswegs selten ist, bestätigt Thomas Läpple, Sprecher des Branchenverbandes BZA: „Rund ein Drittel aller Zeitarbeitnehmer bleiben beim Kundeneinsatz kleben.“ Sie werden vom Kundenunternehmen auf Dauer in ein eigenes Arbeitsverhältnis übernommen. Jährlich sind das etwa 200 000 Beschäftige, die auf diesem Weg wieder ein dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis außerhalb der Zeitarbeit finden – darunter auch viele Techniker und Ingenieure.

  • Axel Gloger

Stellenangebote im Bereich Verwaltung

Landeshauptstadt Stuttgart-Firmenlogo
Landeshauptstadt Stuttgart Sachgebietsleitung (m/w/d) Stuttgart
AGCO GmbH-Firmenlogo
AGCO GmbH Projektingenieur (m/w/d) für Produktkosten- und Wertanalyse / Cost Engineer (m/w/d) in der Entwicklung Marktoberdorf
Deutsche Rentenversicherung Bund-Firmenlogo
Deutsche Rentenversicherung Bund Elektroingenieur (m/w/d) Bereich Starkstromtechnik Berlin
Regierungspräsidium Karlsruhe-Firmenlogo
Regierungspräsidium Karlsruhe Sachbearbeiter (m/w/d) Technischer Umweltschutz Karlsruhe
Regierungspräsidium Karlsruhe-Firmenlogo
Regierungspräsidium Karlsruhe Geo- und Infrastrukturdatenmanager (w/m/d) Karlsruhe
Kölner Verkehrs-Betriebe AG-Firmenlogo
Kölner Verkehrs-Betriebe AG Vorstandsreferent (w/m/d) Betrieblich-technischer Bereich Köln
Deutsche Bahn AG-Firmenlogo
Deutsche Bahn AG Vertrags- / Nachtragsmanager (w/m/d) keine Angabe
Physikalisch-Technische Bundesanstalt-Firmenlogo
Physikalisch-Technische Bundesanstalt Leitung (m/w/d) des Referats Technischer Dienst Braunschweig
Stadt Eberswalde-Firmenlogo
Stadt Eberswalde Leiter für das Sachgebiet Hochbau (m/w/d) Eberswalde
Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR)-Firmenlogo
Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) Fachkraft für Arbeitssicherheit (w/m/d) Berlin

Alle Verwaltung Jobs

Top 5 Arbeitsmar…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.