Arbeitsmarkt 23.03.2012, 11:59 Uhr

Fachkräftemangel macht stärkere Frauenförderung notwendig

Der Fachkräftemangel war nötig, um die männlich dominierte Unternehmenskultur auf Frauen aufmerksam zu machen. Einzelne Initiativen sind lobenswert, meinen Ingenieurinnen-Verbände, sie reichen aber nicht aus, um Frauenförderung auf eine breite Basis zu stellen.

Die Zahlen geben keinen Anlass zur Freude: Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) beträgt der Frauenanteil in den Vorständen der 200 größten deutschen Unternehmen gerade einmal 3 %. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit gleichauf mit Indien und somit auf dem letzten Platz.

Unter den Top 200 sind auch viele Unternehmen aus dem Technologiebereich, die Ingenieurinnen beschäftigen – diese jedoch offenbar meist nur bis zum mittleren Management Leitungsfunktionen übernehmen und selten ins Top-Management aufsteigen lassen. Auch der Informationsdienst Hoppenstedt hat es Anfang März in seinem Branchenmonitoring für die IT-Branche bestätigt: Der Frauenanteil im Topmanagement macht in diesem Sektor nur rund 7 % aus.

Fachkräftemangel verschafft Ingenieurinnen gute Karriere-Möglichkeiten

Dabei sind die Möglichkeiten, in interessante Positionen ein- und aufzusteigen, gerade für Ingenieurinnen heute so gut wie nie zuvor, glaubt man Fachleuten und Hochschullehrern. So hören etwa Professoren von ihren Ingenieur-Studentinnen, dass diese zuweilen schon vor den letzten Prüfungen einen Job in der Tasche haben. Als Katalysator wirkt dabei auch der Fachkräftemangel.

„Frauen, die starke Nerven haben und sich feste berufliche Ziele setzen, können die berüchtigte gläserne Decke durchbrechen“, sagt Sylvia Kegel vom Deutschen Ingenieurinnenbund. „Wer die Berufsplanung in der Familienphase nur hintan stellt und darauf hofft, dann irgendwann und irgendwie wieder Anschluss zu finden, hat schon verloren“, erläutert die studierte Elektrotechnik-Ingenieurin, die selbst Mutter einer Tochter ist und zwölf Jahre für die Siemens AG im Ausland arbeitete.

Kegel möchte diese Zeit nicht missen – „auch, weil sich die Kinderbetreuung viel besser organisieren ließ als in Deutschland.“ Dennoch war sie nach den langen Jahren im Ausland in Deutschland karrieretechnisch zunächst in einer Sackgasse gelandet – obwohl sie in Polen, Indonesien und Russland Leitungsfunktionen innehatte.

Die selbstbewusste Ingenieurin hat deshalb ihre guten Kontakte nach Osteuropa genutzt und sich in München selbstständig gemacht. Sylvia Kegel berät heute russische Firmen bei Investitionen und Firmengründungen.

Familienfreundliche Strukturen: Für die Frauenförderung und gegen Fachkräftemangel

Familienfreundliche Strukturen, die auch junge Väter zur Elternzeit ermuntern, und flexible Arbeitszeitmodelle tragen zur Karriereförderung bei. Sylvia Kegel findet es jedoch problematisch, wenn in Sachen Frauenförderung alles von der Persönlichkeit des Personalvorstands abhängt: So habe Thomas Sattelberger von der Deutschen Telekom viel für dieses Thema getan: Die Deutsche Telekom war das erste Dax-Unternehmen, das eine Frauenquote für das mittlere und obere Management eingeführt hat. „Nachhaltige Frauenförderung auf breiter Basis wird jedoch erst möglich, wenn entsprechende Maßnahmen eben nicht nur in einzelnen Unternehmen und von einzelnen Personen getragen werden, die theoretisch jederzeit ausgetauscht werden können.“

So ähnlich sieht es Barbara Schwarze, Professorin für Gender und Diversity Studies in der Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik an der Hochschule Osnabrück: „Die Frage der Work-Life-Balance beschäftigt zwar auch kleine und mittelständische Unternehmen, doch eine tiefgehende Änderung der Unternehmenskultur, weg von der männlichen Dominanz, findet noch immer kaum statt.“

Schwarze zählt einige „Baustellen“ auf: „Frauen verdienen nach wie vor weniger als Männer – oft etliche tausend Euro pro Jahr. Das muss sich ändern.“ Und es nütze auch wenig, nur ein paar Hortplätze einzurichten, denn die gesamte Konferenz- und Besprechungskultur müsse flexibler und familienfreundlicher werden. „Vielerorts finden Meetings nämlich grundsätzlich dann statt, wenn Kinder aus der Kita abgeholt werden müssen.“ Schwarze verweist auf Umfragen unter Ingenieurinnen, die belegen, dass diese – zumal wenn sie in gehobener Position arbeiten – nach der Geburt meist recht schnell wieder an den Arbeitsplatz zurückwollen. Dem müsse endlich Rechnung getragen werden.

Auch Femtec, das Hochschulkarrierezentrum für Frauen im naturwissenschaftlich-technischen Bereich an der Technischen Universität (TU) Berlin, hat gut 200 seiner Alumni nach ihren Karriereaussichten befragt. 44 % der jungen Frauen, die während der Uni-Zeit ein Femtec-Förderprogramm durchlaufen haben, rechnen damit, dass ihre Karriere mit Kindern ins Stocken geraten könnte. 95 % erklärten, sie würden notfalls den Job wechseln, wenn ihnen dort bessere Bedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geboten würden. Das ist eine deutliche Aufforderung an die Unternehmen.

Die Maschinenbauingenieurin Sandra Neuwirth dagegen hat großes Glück mit ihrem Arbeitgeber. Sie ist Mutter von zwei kleinen Kindern. Doch das bedeutete für sie keinen Karriereknick. Ihr Wiedereinstieg nach der Babypause beim Automobilhersteller Daimler war mit einem Aufstieg zur Teamleiterin im Mercedes-Benz-Werk in Berlin verbunden. „Das zeigt, dass es durchaus Unternehmen gibt, die junge Ingenieurinnen gezielt fördern“, so Neuwirth.

Ingenieurinnen wie Sandra Neuwirth sind perfekte „Role Models“. Initiativen zur Förderung der weiblichen MINT-Karriere greifen gerne auf solche Vorbilder zurück und bringen diese mit Schülerinnen und Studentinnen zusammen – etwa das Projekt „MINT Role Models“ des VDI-Netzwerks „Frauen im Ingenieurberuf“ (fib) oder das Schülerinnen-Projekt „Try It“ von Femtec. Bereits Schülerinnen soll die Erkenntnis eingeimpft werden: Ich kann, wenn ich will.

Ingenieurinnenbund, fib oder Femtec bieten Frauen Vernetzungsmöglichkeiten

Initiativen wie der Deutsche Ingenieurinnenbund, fib oder Femtec bieten den Frauen auch Vernetzungsmöglichkeiten. Maschinenbauingenieurin Sylke Pageler ist begeistert von den regionalen FiB-Stammtischen: „In den Betrieben, in denen ich bislang gearbeitet habe, war ich manchmal die einzige Ingenieurin. Da tat es gut, sich mit den anderen auszutauschen und Meinungen zu Fachfragen und anderen Themen einzuholen.“

Fest steht, dass eine gute Vernetzung von Ingenieurinnen ein längst überfälliges Gegengewicht zu den bestens funktionierenden Männer-Netzwerken ist.

Ein Grundstein für solche Netzwerke wird nicht nur bei fib oder Femtec gelegt, sondern auch in einem der noch wenigen reinen Frauenstudiengänge. So bietet die Hochschule Stralsund Maschinenbau an, die Hochschule Bremen Informatik.

Barbara Schwarze von der Hochschule Osnabrück sagt: „Die Frauen nehmen das sehr gut an. Die Absolventinnenzahlen sind dort dadurch deutlich höher als an vergleichbaren Hochschulen mit gemischten Studiengängen. Und die Jobaussichten sind mindestens genauso gut.“

Ein Beitrag von:

  • Mareike Knoke

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