Arbeitsmarkt 25.02.2005, 18:37 Uhr

Fachkräftemangel nimmt in Japan weiter rasant zu

Der Industrie droht ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, vor allem auch an Ingenieuren. Kein Wunder also, dass Toyota-Chef Hiroshi Okuda eine Lockerung der rigiden Zuwanderungspolitik verlangt.

Die Nachrichten vom japanischen Arbeitsmarkt waren in den letzten Jahren im Wesentlichen von den für das Land ungewöhnlich hohen Arbeitslosenquoten von zeitweise über 5 % geprägt. Die über zehn Jahre währende Rezession hat dazu geführt, dass Schul- und Universitätsabgänger große Schwierigkeiten hatten, Stellen zu finden. Japans führende Großunternehmen sahen sich gezwungen, zehntausende von Arbeitsplätzen zu streichen, häufig auf dem Wege über Frühpensionierungen. Doch dieses Bild der Massenarbeitslosigkeit trügt. Inzwischen bahnen sich auf dem japanischen Arbeitsmarkt Probleme ganz anderer Art an, die den Politikern, Volkswirten und Soziologen im Lande großes Kopfzerbrechen bereiten.
Seit Monaten zeichnen sich bereits Veränderungen auf Nippons Arbeitsmarkt an, die sich Experten zufolge in den kommenden Jahren nur noch weiter verschärfen werden. Seit 17 aufeinander folgenden Monaten fallen in Japan die Arbeitslosenzahlen. Im Oktober 2004 waren insgesamt 3,11 Mio. Japaner arbeitslos, mehr als 20 % weniger als im Jahr 2003 mit einer Arbeitslosenquote von damals über 5 %. Je geringer die Arbeitslosenzahlen, desto höher müsste eigentlich die Zahl der Erwerbstätigen sein? Paradoxerweise ist das aber nicht der Fall. Im Gegenteil, im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Beschäftigten zurückgegangen. Das liegt daran, dass, obwohl Japans Unternehmen inzwischen wieder mehr Leute einstellen, die Zahl der Japaner, die in den Ruhestand gehen, noch schneller steigt. „Während auf der einen Seite die Zahl der alten Menschen in Japan unablässig wächst, vermindert sich wegen der geburtenschwachen Jahrgänge der Neuzugang von Arbeitskräften,“ erläutert Ryutaro Kono, Volkswirt bei BNP Paribas Securities (Japan) Ltd. Bis 2050 wird nach Berechnungen der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs das Erwerbspersonenpotenzial (Menschen im Alter von 20 bis 60 Jahren) in Japan um rund 40 % sinken. Das ist doppelt so schnell wie in anderen Gesellschaften mit ähnlichen demografischen Entwicklungen, beispielsweise Deutschland.

Japans Bevölkerungspyramide verändert sich in erschreckendem Maße. Noch in diesem Jahrzehnt wird über ein Fünftel aller Japaner 65 oder mehr Jahre zählen. Nach den Prognosen der japanischen Regierung wird die Zahl der über 75-Jährigen bis zum Jahr 2020 sogar auf mehr als 17 Mio. Japaner – das sind 14,2 % der Bevölkerung – steigen. Gleichzeitig werden immer weniger Kinder geboren. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Tokio ist die Geburtenrate im Jahr 2004 mittlerweile auf den tiefsten Wert seit Ende des Zweiten Weltkriegs gesunken.
War in den achtziger Jahren zu Zeiten der japanischen Luftblasenwirtschaft „Überbeschäftigung“ ein Problem, spricht man in Japan derzeit vom „2007-Problem“. Dann nämlich erreichen die starken Jahrgänge 1947 und 1949 das Rentenalter und gehen sukzessive in den Ruhestand.
Diese Entwicklung, gekoppelt mit dem allmählichen wirtschaftlichen Aufschwung, wird zu einem akuten Mangel an Arbeitskräften in Japan führen „Mit dem Jahr 2007 beginnt in Japan eine Phase der strukturellen Arbeitskräfteknappheit,“ erklärt Reiko Kanda, Forscher bei dem National Institute for Research Advancement.
Diese Schere zwischen Angebot und Nachfrage ist umso problematischer, weil viele Unternehmen in Japan in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten kaum neue Mitarbeiter einstellten. Damit blieben viele junge Menschen unbeschäftigt und verpassten damit die Chance des traditionellen „on the job training“.
Das japanische Wirtschaftsministerium klagt schon seit Jahren über den Mangel an geschulten Ingenieuren. Hinzu kommt, dass viele japanische Unternehmen ihre älteren Ingenieure im Ausland einsetzen, auch deshalb, weil sie dem harten Arbeitstempo in Japan nicht folgen können. In einem der jüngsten Tankan-Berichte der Bank von Japan prognostizieren mittelgroße produzierende Unternehmen für die Zukunft bereits einen erheblichen Mangel an qualifizierten Ingenieuren. Ein ähnliches Bild wird für den Dienstleistungsbereich gezeichnet, der stets im Schatten der industriellen Fertigung gestanden hat.
Die japanische Regierung hat das Problem lange vor sich hergeschoben. Zwar lässt sich der Arbeitskräftemangel zu einem Teil durch verstärkte Automation, eine längere Lebensarbeitszeit und Produktionsverlagerungen in andere Länder ausgleichen. Experten sind allerdings der Meinung, dass Japan langfristig nicht umhin kommen wird, seine traditionell rigide Zuwanderungspolitik zu verändern. So forderte der Toyota-Chef und Vorsitzende des Unternehmensverbands Keidanren, Hiroshi Okuda, vor kurzem, dass Japan zukünftig die Tore für ausländische Arbeitnehmer weiter öffnen müsse. Bisher liegt der Anteil ausländischer Arbeitskräfte an den Erwerbstätigen in Japan bei lediglich 1,4 %. Und nur knapp 20 % der ausländischen Arbeitnehmer sind Fachkräfte. BARBARA ODRICH

Ein Beitrag von:

  • Barbara Odrich

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