Arbeitsmarkt 21.04.2006, 19:21 Uhr

EU-Arbeitsmarkt erhöht den Konkurrenzdruck  

VDI nachrichten, Karlsruhe, 21. 4. 06, ws – Mit dem Boom des deutschen Maschinenbaus steigt auch der Beschäftigten-Anteil von Ingenieuren in der Branche stetig. Kein Grund für Absolventen, die Hände in den Schoss zu legen. Der globale Wettbewerb erfordert immer neue technische Innovationen und Ingenieure, die Prozesse ganzheitlich betrachten, also über viele Fachbereiche viel wissen.

Rüdiger Stauch ist sicher: „Maschinenbau hat Zukunft.“ Als der leitende Angestellte der Firma Schmitt-Kreiselpumpen vor elf Jahren sein Maschinenbaustudium an der Fachhochschule Coburg mit Diplom abschloss, ahnte der 38-Jährige noch nicht, dass er einen kleinen Hersteller hoch spezialisierter Chemiepumpen führen würde. „Ich habe sieben Unternehmen verschiedener Größen und Branchen kennen gelernt, darunter waren vier Praktika und ein Auslandssemester bei Procter & Gamble in England.“ Seinen Traumjob fand er schließlich vor fünf Jahren im badischen Ettlingen bei Karlsruhe, wo er verantwortlich für Entwicklung, Konstruktion und Einkauf ist.

Was zeichnet Rüdiger Stauchs Biografie aus? Er sammelte Erfahrungen bei unterschiedlich großen Unternehmen und in diversen Aufgabenfeldern interdisziplinäres Arbeiten ist für ihn kein Fremdwort, er ist neugierig, flexibel und verfügt über ein vielfältiges Know-how-Portfolio. Und er ist bei einem Mittelständler gelandet, was nicht weiter verwundert, wenn man sich die Zahlen anschaut.

Über 140 000 Ingenieure sind heute in Deutschland im Maschinen- und Anlagenbau beschäftigt. Mittelständische Betriebe dominieren in der Branche, mehr als zwei Drittel der Unternehmen haben weniger als 100 Beschäftigte. Laut Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) stieg der Anteil der Ingenieure stetig: 1995 waren es 10,5 % der Beschäftigten, 2004 waren es 16 %. Für Ulrich P. Hermani, Geschäftsführer des VDMA Baden-Württemberg, geht die Tendenz klar in Richtung 20 %. Der VDMA hat jüngst den Einstellungsbedarf bis 2009 ermittelt: 51 % der Unternehmen erwarten einen steigenden Bedarf, in Baden-Württemberg sind es sogar 61%.

Diese Perspektiven sollten für Studierende allerdings kein Grund sein, ihre Karriere als Selbstläufer zu betrachten. Ganz im Gegenteil: Der liberalisierte EU-Arbeitsmarkt erhöht den Konkurrenzdruck und die steigenden Anforderungen im globalen Wettbewerb fordern von den Absolventen der Hochschulen und Universitäten höhere Qualität und Qualifikation.

Die Anforderungen an Produkt-Innovationen steigen. Die Maschinen sollen leistungsfähiger und flexibler, aber auch kostengünstiger werden. Die Anlagen sollen sich immer mehr am individuellen Bedarf des Kunden orientieren, der neben einer perfekten technischen Lösung auch einen exzellenten Service erwartet. Hinzu kommen Innovationen wie die Miniaturisierung der Elektronik und drahtlose Kommunikationstechnik („Intelligent Environment“), Prozessdigitalisierung und informationstechnische Vernetzung („Integrative Produktion“).

Was genau die Unternehmen von den Absolventen erwarten, hat die Impuls-Stiftung des VDMA in einer Studie konkretisiert. Befragt wurden im vergangenen Jahr in ausführlichen Interviews 16 Geschäftsführer, Vorstände, Entwicklungs- und Personalleiter nach den Kompetenzen, die sie von Ingenieuren erwarten. Die Autorinnen der Studie, Carola Feller und Beate Stahl, fassten nicht nur die Wünsche der Unternehmen zusammen, sie leiten daraus auch Vorschläge für die Organisation und Struktur von Bachelor- und Masterstudiengängen ab.

Das ist auch notwendig. Denn einerseits soll die Ausbildung um immer neue Inhalte erweitert werden – Unternehmen wünschen sich mehr interdisziplinäre Kenntnisse, mehr anwendungsorientiertes Wissen, mehr methodische und soziale Kompetenz -, andererseits wird eine Verkürzung der Studienzeiten gefordert.

Die Aufgaben der Ingenieure werden in den Unternehmen neu zugeschnitten. „Wir verändern uns ab dem nächsten Jahr ziemlich umfassend“, wird Helmut Pleiner, Leiter Personalwesen der Lewa Herbert Ott GmbH & Co., Leonberg, in der Impuls-Studie zitiert. Der Trend zur Verzahnung von Abläufen und zur Bündelung von Fachkompetenzen zieht sich wie ein roter Faden durch die Interviews. Die Fähigkeit, über den Tellerrand zu schauen, ist gefragt: Neben dem Fachwissen wird Überblickswissen immer wichtiger, das eine „ganzheitliche“ Betrachtungsweise von Prozessen ermöglicht. Der Ingenieur muss über so viel betriebswirtschaftliches Basiswissen verfügen, dass er dem Kunden einen ökonomisch sinnvollen Lösungsvorschlag unterbreiten kann.

Problemlösungs- und Transferkompetenz dienen dazu, Probleme zu analysieren, theoretische Konzepte auf neue Situationen zu übertragen, ein Modell zu entwickeln und kundenorientierte Lösungen zu finden. Methodenkompetenz bezeichnet die Fähigkeit, Methoden und Techniken zum Wissenserwerb sowie zum selbstständigen Einarbeiten in neue Themenfelder zu beherrschen. Und die Innovationskompetenz beschreibt die Fähigkeiten, herkömmliche Lösungen kritisch in Frage zu stellen und neue, kreative Lösungen zu entwickeln.

Die Anforderungsprofile sind so differenziert, dass neben dem Generalisten mit fundiertem Grundlagenwissen auch der Spezialist mit ausgeprägtem Tiefenwissen in ausgewählten Bereichen durchaus seinen Platz hat. Als dritten Ingenieur-Typus haben die Autorinnen der Impuls-Studie schließlich den „anwendungsorientierten pragmatischen Fachmann“ ausgemacht, der „betriebliche Anforderungen schnell nachvollziehen kann, verschiedene betriebliche Anwendungsmöglichkeiten kennt und über ein relativ breites Überblickswissen im Maschinenbau verfügt“.

Doch es geht nicht nur um fachliche Qualifikation und interdisziplinäres Know-how. Interkulturelle Kompetenz wird zu einem wichtigen Merkmal des global agierenden Ingenieurs. Dabei erwarten die Unternehmen kein detailliertes Wissen über andere Kulturen, sondern die Fähigkeit, mit Partnern und Kunden aus anderen Kulturkreisen erfolgreich zusammenarbeiten zu können. Bei einer Exportquote im Maschinenbau von 73 % im Jahr 2005 (2004: 70 %) ist, neben der Beherrschung der englischen Sprache, ein weltoffener Blick wichtig für eine sichere Orientierung in internationalen Gefilden. KLAUS HEID

www.vdma.org

Von Klaus Heid
Von Klaus Heid

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