Karriere 11.12.1998, 17:20 Uhr

Erfolg – trotz 14 Semestern an der Uni

Seit zwei Jahren macht der Elektrotechnik-Ingenieur Stefan Florek Karriere als Stromanalyst bei der Tennessee Valley Authority. Inzwischen berät er auch deutsche Unternehmen.

Der Flug über den Atlantik gehört für Stefan Florek inzwischen zum Alltag. „Die Kollegen lästern schon über mein Delta-Office“, schmunzelt der Elektrotechnik-Ingenieur aus dem Ruhrgebiet, der seit zwei Jahren bei der Tennessee Valley Authority (TVA) in Chattanooga arbeitet.
Seit Juli ist er Senior Analyst für Stromgroßhandel der Bundesbehörde, die sich als einer der größten Stromerzeuger der USA seit sechs Jahren auf dem liberalisierten Strommarkt für Großkunden behauptet. Ihr Know-how vermarktet TVA inzwischen bei europäischen Energieversorgern, die sich jetzt ebenfalls dem geöffneten Markt stellen müssen.
Stefan Florek knüpft dafür Kontakte und organisiert Schulungen und Informationsveranstaltungen. Gerade in Deutschland gebe es ein riesiges Interesse, berichtet er: „Für unsere erste Veranstaltung hatten die Energieversorger zunächst ihre zuständigen Abteilungsleiter angemeldet. Aber dann hatten wir doch etliche Vorstände vor uns sitzen.“
Welcher Bewußtseinswandel hinter dieser Tatsache steht, kann Florek selbst am besten ermessen. Schon als Student beschäftigte er sich in seiner Diplomarbeit an der Ruhr-Universität Bochum mit „Transmission Pricing“ – Modellen, nach denen marktgerechte Preise für die Durchleitung von Strom durch Netze anderer Versorger unter Wettbewerbs-Bedingungen ermittelt werden können.
In einem deregulierten Strommarkt ist dies eine entscheidende Frage, weil neue Anbieter die Leitungen der alten Monopole nutzen müssen. Dabei orientierte er sich vor allem an den USA, die 1992 den Strom-Großhandel dereguliert hatten. „Die Deutsche Verbundgesellschaft und der Verband der Deutschen Elektrizitätswerke hatten ein unheimliches Interesse an meinem Thema“, erzählt Florek heute.
Bei den Unternehmen aber blitzte er ab, als die Arbeit fertig war und er einen Arbeitsplatz suchte. Zunächst bei RWE und VEW, bei denen er zuvor zusammen zwei Jahre als Werkstudent praktische Erfahrungen gesammelt hatte. Aber auch andere deutsche Energieversorger schickten Floreks Bewerbungen zurück.
Ihm wurde immer wieder die lange Studienzeit von 14 Semestern vorgehalten, die er damit erklären konnte, daß er als Werkstudent gearbeitet habe. „Dort habe ich aber auch in vielen Unternehmensbereiche Erfahrungen gesammelt, die ich heute nicht mehr missen möchte.“ All das beeindruckte die Personalmanager wenig. „Der Standard-Spruch war: Ja, wenn Sie etwas besonderes zu bieten hätten… „. Die Diplomarbeit zu einem Thema, das Energiemanagern heute schlaflose Nächte bereitet, war anscheinend nicht so wichtig.
Doch Florek ließ sich davon nicht beeindrucken, sondern machte aus der Not eine Tugend: Er bot deutschen und schweizerischen Energieversorgern an, Vorträge über seine Diplomarbeit zu halten – und hatte damit Erfolg. Landauf, landab hielt er insgesamt 14 Referate – bei den gleichen Unternehmen, die seine Bewerbungen abgelehnt hatten.
Gleichzeitig knüpfte er auch Kontakte in die USA. Zurück kamen zwei Angebote: Vom New York Power Pool und von TVA in Chattanooga. „Ich habe mich dann für die Stelle entschieden, wo es die interessantere Tätigkeit gab, die geringeren Lebenshaltungskosten und die bessere Bezahlung“, erklärt Florek seine Entscheidung. TVA bot ihm an, als Management Specialist für Transmission Service an einer Studie zur Bewertung von Kraftwerks-Reserveleistung zu arbeiten. „Nachdem ich zugesagt hatte, habe ich erst mal auf dem Atlas nachgesehen, wo sich Chattanooga überhaupt befindet und festgestellt, daß es etwa auf der Höhe von Algier liegt.“
Mehr als die sommerliche Hitze beeindruckten den deutschen Ingenieur freilich die kulturellen Unterschiede. „Amerikaner sehen die Veränderung als Chance, während in Deutschland mehr die Risiken im Vordergrund stehen.“ So stieß er bei seinem Chef sofort auf Zustimmung, als er vorschlug, das Know-how des Unternehmens im Stromhandel in Deutschland und anderen europäischen Ländern zu vermarkten. Seitdem ist Florek auch dafür zuständig.
STEFAN SCHROETER

Von Stefan Schroeter
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