Realität zehn Jahre nach der Wende 29.09.2000, 17:26 Uhr

Erfolg im Osten, Karriere im Westen

Die Konzerne holten ihre erfolgreichen Jungmanager in den Westen zurück. Viele junge Talente nutzten dagegen die Chancen vor Ort, die ihnen die Marktwirtschaft plötzlich bot – außerhalb der Konzerne.

Die Wende als Glücksfall für Karrieren: Mit der Maueröffnung wurden die Weichen für den Aufstieg bei vielen Managern neu gestellt. Fast über Nacht ergaben sich neue Jobs: „Die Zeit nach 1990 war eine Chance, noch einmal etwas Neues zu beginnen, oder aus dem Karrierestau herauszukommen“, sagt Bernd Weidling, der die Wende in Dresden erlebte und heute als Personalberater in München arbeitet.
Ein prominentes Beispiel für den neuen Karriere-Weg ist der Jenoptik-Chef. Lothar Späth musste sich vor der Wende nahe dem beruflichen Abstellgleis sehen. Mit der Stunde Null der Marktwirtschaft in den neuen Ländern kam für ihn die Chance für einen neuen Job, den er rückblickend als „seinen schwierigsten Chefposten“ bezeichnet: Er trotzte der Treuhand ein Sanierungskonzept für Jenoptik ab, brachte das Technologieunternehmen wieder auf Kurs und personifiziert heute eine der großen Erfolgsgeschichten zum Thema Management-Ost.
Auch für andere Manager war der Fall der Mauer die Gelegenheit, den Aufstieg zu beschleunigen: „Viele, die damals noch sehr jung waren, kamen durch die Wende in verantwortungsvolle Positionen“, beschreibt Klaus Christians, Partner bei der Personalberatung IIC in München, die Goldgräberstimmung am Arbeitsmarkt. Konzerne versuchten mit allen Mitteln, schnell ihr neues Geschäft auf den Weg zu bringen: Banken, Versicherungen und Industrieunternehmen schickten Hundertschaften von Jungmanagern in den Osten, um das neue Deutschland in den Griff zu bekommen. „In den ersten zwei, drei Jahren gab es einen großen Run vom Westen in den Osten“, so Weidling, heute bei R+P Research, München, „das Know-how-Defizit musste schnell ausgeglichen werden“.
Eine Bilderbuch-Karriere machte etwa Klaus Wübbenhorst. Der Diplom-Kaufmann war vor der Wende Linienmanager bei Bertelsmann. Mit der Wende kam für den Experten für Verlags- und Druckereiwesen die Chance für den weiteren Aufstieg: Vom Management in den Vorstand, diesen Weg machen nur wenige 35-Jährige. Wübbenhorst wurde im Jahr Eins der Marktwirtschaft in den neuen Ländern Vorstandsmitglied des Druckmaschinenherstellers Planeta AG, Radebeul bei Dresden.
Der weitere Weg Wübbenhorsts ist charakteristisch für viele Manager-Karrieren der Gründerzeit Ost: „Ein Großteil der entsandten Führungskräfte ist ziemlich rasch wieder in den Westen zurückgegangen“, beschreibt Personalberater Weidling den Karriere-Treck zurück in die Heimat: Kaum zwei Jahre war Wübbenhorst in Radebeul, da lockte schon die nächste Stufe des Aufstiegs: 1992 wurde er Vorstandsmitglied beim Marktforschungsunternehmen GfK, Nürnberg. Inzwischen hat er auch hier den Vorstandsvorsitz übernommen.
Warum die Rückwanderung aus den neuen Ländern? „Wer seine Sache gut gemacht hat, schuf seine Empfehlung für den weiteren Aufstieg“, so die Diagnose von Klaus Christians: Bewährte Manager wurden in die Linie West zurückgeholt und konnten ihre Karriere im gewohnten Umfeld fortsetzen. Zudem hat sich auch gezeigt, dass zwischen Zwickau und Rügen von West-Unternehmen nur wenige Positionen im Spitzenmanagement geschaffen wurden: „Die neuen Länder werden meist vollständig aus dem Westen bearbeitet“, sagt Christians: Die Top-Entscheider der Konzerne blieben dort, wo sie schon immer waren, nämlich in den Unternehmenszentralen der alten Länder.
Außerhalb der Konzerne freilich tat sich ein vollkommen neuer Karriereweg auf: Talente, die bisher nur die volkseigene Wirtschaft kennen gelernt hatten, konnten sich nach der Wende in der Marktwirtschaft bewähren. „Die große Chance für Manager in der zweiten Reihe“, beschreibt Christians den Aufbruch damals. Die obersten Kader der Kombinate waren meist politisch besetzt und mussten ihre Chefsessel räumen. Nachgerückt sind die Ingenieure aus der zweiten Reihe, die den Laden schon zuvor geschmissen hatten. Außerdem war die Wende auch der Neubeginn für viele Reprivatisierer, die als Altinhaber häufig den Sozialismus in einer unbedeutenden Position überdauert hatten.
Zu den Erfolgsgeschichten Ost gehört das Kosmetik-Unternehmen Florena, Waldheim – hier kauften drei Mitarbeiter aus der zweiten Reihe das Unternehmen und führten es zu einem beispiellosen Erfolg. Aber auch andere Talente konnten ihren Weg machen: „Sie haben ihre Chance gesucht. Da gab es manchen Manager mit Kombinatsvergangenheit, der endlich Unternehmer werden wollte“, berichtet Bernd Weidling. Helge Fänger etwa nutzte die Wendezeit: Er legte der Treuhand ein Privatisierungskonzept für das Serumwerk Bernburg vor und übernahm das Unternehmen als Management-Buyout im Jahr 1992. Inzwischen ist die mittelständische AG ein erfolgreicher Nischenanbieter auf dem Pharma-Markt und Fänger ihr Vorstandsvorsitzender.
Auch Dieter Gortzki steht für eine Erfolgsgeschichte Ost: In Zeiten der volkseigenen Wirtschaft hatte er den Süßquark der Marke „Leckermäulchen“ erfunden. Der wurde ein Renner in allen HO-Regalen. Nach der Wende erkannte der Betriebsdirektor seine Chance. Er suchte den Kontakt zu einem Investor im Westen, modernisierte mit dessen Hilfe die Milchprodukte-Fabrik im anhaltinischen Weißenfels – und ist heute als Geschäftsführer der Frischli-Milchwerke der Marktführer in seinem Segment.
In den zehn Jahren seit der Vereinigung hat sich gezeigt: Die Konzerne managen den Osten größtenteils vom Westen aus. Karrieren, die hier im Osten begannen, haben deshalb ihre Fortsetzung im Westen gefunden. Aber außerhalb der Konzernwirtschaft ist eine Vielzahl von interessanten Führungspositionen entstanden – bei reprivatisierten Unternehmen, ausgegliederten ehemaligen Kombinatsteilen und neugegründeten Firmen der Dienstleistungswirtschaft. AXEL GLOGER

Ein Beitrag von:

  • Axel Gloger

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