Karriere 29.10.2004, 18:34 Uhr

Erfahrene Begleiterin für den Karriere-Aufstieg

Frauen schauen in Sachen Karriereleiter häufig in die Röhre. Während sich Männer abends beim Bierchen in Old Boys-Network-Manier ganz nebenbei lukrative Aufträge zuschustern oder am Personalkarussell drehen, bleiben Frauen außen vor.
Ganz besonders davon betroffen sind Ingenieurinnen. Sie haben es doppelt schwer, da sie sich in einer immer noch von Männern dominierten Arbeitswelt bewegen. Nur knapp 10 % aller berufstätigen Ingenieure sind Frauen, und an den Hochschulen sieht es nicht besser aus. Eurostat, die statistische Einrichtung der EU, hat errechnet, dass Deutschlands Frauen in Spitzenpositionen mit 3,4 % deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 5,8 % liegen. Oder: Könnte Deutschland mit dem EU-Schnitt mithalten, säßen heute 360 000 mehr Frauen in den Chefsesseln.
Wie das kommt? Frauen haben in der Regel kein so gut funktionierendes Netzwerk wie ihre männlichen Kollegen. Ihnen fehlen die von Männern gepflegten Seilschaften, etwa aus Hochschulzeiten. Nachts quält Frauen häufig auch das Thema „Familienplanung“. Wenn sie bereits Nachwuchs haben, hängt über ihnen wie ein Damoklesschwert die Frage der Kinderbetreuung. Und wer einmal zwecks Babypause draußen war, kriegt den Fuß meist nicht mehr in die Tür. Ein weiterer Stolperstein sind in naturwissenschaftlich-technischen Berufen tradierte Geschlechtsstereotype: Technikkompetenz wird immer noch eher Männern zugesprochen.
In einer Umfrage des Europressedienstes unter weiblichen Führungskräften gaben 32 % an, dass Männer bei der Beförderung bevorzugt wurden. 36,4 % sagten, ihre männlichen Kollegen würden eher respektiert. Was tun im Kampf gegen die „gläserne Decke“, gegen die viele Frauen stoßen?
Das Zauberwort heißt „Mentoring“. Eine zu fördernde Frau, die Mentee, bekommt in der Regel für ein Jahr eine Mentorin zugeteilt. Diese vermittelt Kniffe, Tricks, Verhaltensweisen und Strategien für den Berufsalltag und lässt die Mentee an ihrem beruflichem Wissen und an ihren persönlichen Erfahrungen teilhaben. Auch die Mentorin profitiert: Durch die persönliche Auseinandersetzung erweitert sie ihren Horizont, trainiert ihre soziale Kompetenz, erhält Anregungen für ihre Arbeit und hinterfragt das eigene Handeln. Anders als beim Coachen arbeitet die Mentorin meist ehrenamtlich.
In Deutschland hingegen wird Mentoring seit den 90ern immer populärer – in Firmen, Gewerkschaften, Hochschulen und der Politik. Das geschieht nicht ganz uneigennützig: Mentoring bricht festgefahrene Strukturen auf und ermöglicht, alle Beschäftigten gemäß ihrer Qualifikationen einzubeziehen. Dabei nutzt man alle Potenziale, und das stärkt die Firma.
In Deutschland setzen führende Unternehmen wie Bosch, Ford, die Deutsche Bahn , Shell und Siemens auf Mentoring, um den Anteil von Ingenieurinnen in Führungspositionen zu erhöhen. Sie bieten spezielle Trainings an und sorgen für frauen- und familiengerechtere Arbeitsbedingungen. Doch auch unabhängige Organisationen und Frauennetzwerke nutzen Mentoring. Laut Umfrage des Europressedienstes unter Frauen in Führungspositionen waren aber nur 15,2 % der Befragten im Laufe ihrer Karriere von einem Mentor betreut worden.
Inzwischen gibt es die unterschiedlichsten Formen von Mentoring. Bei der internen Variante werden weibliche Führungskräfte innerhalb einer Firma oder einer Organisation aufgebaut. Mentoren dürfen zu den Mentees in keiner Führungsbeziehung stehen. Das externe Mentoring richtet sich vor allem an Frauen aus kleineren Unternehmen oder an Unternehmensgründerinnen. Beim so genannten „Cross-Mentoring“ kommen Mentorin und Mentee aus unterschiedlichen Unternehmen oder Branchen. Dadurch entsteht keine Konkurrenzsituation. Diese Art von Zusammenarbeit wird wegen der unterschiedlichen Perspektiven von beiden Seiten oftmals als sehr befruchtend empfunden.
Das Hamburger Expertinnen-Beratungsnetz vermittelt berufserfahrene Frauen, die teils noch im Berufsleben stehen. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Branchen und beraten ehrenamtlich Rat Suchende. Die zwölfmonatige Begleitung inklusive Vorgespräch und Informationsmaterial kostet 1990  €. Wer einen detaillierten Fragebogen ausfüllt und an einem Vorgespräch teilnimmt, bekommt eine Mentorin aus der gleichen Branche vermittelt. Mit ihrer Hilfe werden nicht nur strategische Berufsziele entwickelt, es kann auch über Themen wie Familienplanung gesprochen werden.
Aber es gibt auch Programme für Schülerinnen, Studentinnen und Berufsanfängerinnen. Das kostenlose Programm MentorING der Universität München richtet sich hauptsächlich an Frauen aus dem wissenschaftlich-technischen Bereich. „Viele Frauen, die zu uns kommen, arbeiten allein unter Männern. Wir helfen, sich trotz gesellschaftlicher Vorbehalte in dieser Branche zu behaupten“, sagt Ulla Weber, Leiterin des Programms.
Dass so etwas sinnvoll ist, kann Tanja Dönisch nur unterschreiben. Die 31-jährige studierte Bauingenieurin hatte mit ihrer neuen Rolle bei Vodafone in Eschborn Schwierigkeiten, „denn auf einmal war ich Führungskraft, musste Aufgaben verteilen und meine ehemals gleich gestellten Kollegen führen.“ Die intensive Absprache mit ihrer Mentorin Angela Eisenhardt hat folgendes Ergebnis: Erst kürzlich war sie in der internen Mitarbeiterzeitung zum Thema „Powerfrauen“ auf der Titelseite. Obwohl das Programm längst ausgelaufen ist, stehen Mentorin und Mentee noch in regem Kontakt. Networking funktioniert eben auch unter old Girls.KATJA WINCKLER

  • Katja Winckler

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