Karriere 26.08.2005, 18:40 Uhr

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VDI nachrichten, Frankfurt a.M., 26. 8. 05 – Emotionen in der Firma zeigen? Bei dem Gedanken graust es manche Chefs und Arbeitnehmer gleichermaßen. Eine andere Sichtweise hat Winfried Panse, Inhaber des Lehrstuhls für Praktische Personalführung an der FH Köln.

Panse: „Arbeiten wie die Kinder“ heißt, unsere Emotionen, die versteckt sind, wieder frei zu legen und sie konstruktiv auf Leistung auszurichten.

VDI nachrichten: Heißt das, dass Sie die kindliche Kreativität auch in die Arbeitswelt hinein bringen wollen?

Panse: Die unverdorbene kindliche Kreativität reaktivieren – so nenne ich das. Ich bin zu Recht kritisiert worden: Kommt der auch an mit seinem „children“s leadership“ – so einem Anglizismus. Darüber habe ich nachgedacht und es frei übersetzt als „Macht der Kindlichkeit“. Kindlich, nicht kindisch!

VDI nachrichten: Wenn man jetzt kritisch ansetzen würde, könnte man sagen, Sie empfehlen eine Regression.

Panse: Das wäre mir zu negativ. Ich würde lieber sagen: Wie Flüsse renaturiert werden, so sollte man einfach die Emotionen reaktivieren.

VDI nachrichten: Am arbeitenden Menschen wird also etwas freigelegt, was verschüttet war?

Panse: Ja. Wir sind doch verstandesmäßig sehr gut erzogen, wir haben gelernt, wir haben Wissen angehäuft, wir üben, wir haben Erfahrung. Aber diese andere Ecke, die ja meines Erachtens einen großen Teil unserer Persönlichkeit ausmacht, alles was Emotionen angeht, ist doch gerade bei uns Männern zurückgedrängt worden. Es gab doch mal eine Zeit, da hieß es: Ihr Gefühl bitte am Fabriktor abgeben oder für das Wochenende aufheben!

VDI nachrichten: Sie wollen also die Emotionen wieder in die Arbeit bringen. Sind Sie sicher, dass das die Arbeitgeber eigentlich wollen?

Panse: Ich muss natürlich die Emotionen genauso regeln, wie ich auch meinen Verstand regele. Es kommt aber auf den Grad der Kanalisierung an. Genau, wie ich den Workaholic nicht mag, so mag ich natürlich auch den Gefühlsduselanten nicht. Wichtig ist das Gleichgewicht zwischen Verstand und Emotion. Ich sollte mit meinen Emotionen meinen Verstand ergänzen.

VDI nachrichten: Warum greifen Sie aber ausgerechnet auf die Kinder, die oft chaotisch und contra-produktiv agieren, als Vorbild für die Berufswelt zurück?

Panse: Weil ich meine, dass manchmal gerade in der Contra-Produktivität sehr starke Kreativität liegt – im Ungehorsam. Nehmen Sie einen Betrieb der muss organisiert sein. Aber jeder Betrieb hat auch Kreativitätsinseln, und hier taugen die Verhaltensweisen von Kindern als Muster. Denn Kinder sind neugierig. Erwachsene töten dagegen sehr gerne und sehr schnell Ideen. Dies geschieht, weil jede Idee ein Störfaktor in unserer Ordnung ist.

VDI nachrichten: Es gibt also Konflikte in den Unternehmen. Was können wir zu ihrer Bewältigung von den Kindern lernen?

Panse: Wir mobben. Bei Kindern sind die Konflikte schneller abgehandelt und besser regelbar.

VDI nachrichten: Helfen nicht die diversen Kaizen-Programme* dabei, die Unternehmen voran zu bringen?

Panse: Trotz all dieser Programme ist eine neue Idee ein Störfaktor in unserer Arbeitswelt, und sei es nur, dass sie mich beim Schlafen stört. Und so sind Kinder nicht. Kinder unterhalten sich miteinander – wir kommunizieren.

VDI nachrichten: Warum nennen Sie das „kommunizieren“?

Panse: Da steckt so eine Regelung drin, so ein geregelter, ein strategischer Ablauf. Ich kommuniziere doch mit meinem Chef strategisch und nicht ehrlich. Das ist eine geplante Kommunikation. Aber ich will mehr Spontaneität und auch mehr Offenheit. Ich muss meine Emotion äußern dürfen, und der andere muss bereit sein, sie anzuerkennen.

VDI nachrichten: Wird damit das Personalmanagement nicht schwierig?

Panse: Natürlich, jede menschliche Beziehung ist schwierig. Ich lebe seit knapp 40 Jahren in einer schwierigen menschlichen Beziehung, und sie hält doch.

VDI nachrichten: Wollen Sie denn die Regularien, die für die zwischenmenschlichen Beziehungen in den Unternehmen gelten, durch eine Art „Beziehungskiste“ ersetzen?

Panse: Nein, das ist mir zu negativ. Aber gerade jetzt muss sich etwas ändern. Seit Wegfall des Eisernen Vorhangs hat sich die Welt verändert – sprich Globalisierung. Also müssen wir uns doch auch Gedanken machen, methodisch und strukturell: Wie können wir diesen neuen Herausforderungen gerecht werden? U. SCHAMARI

*Kaizen (japanisch: ständige Verbesserung). In Verbindung mit dem Qualitätsgedanken, wird Kaizen als ständiges Streben nach Verbesserung verstanden, das sich auf das gesamte Unternehmen und die Lebensbereiche der Mitarbeiter bezieht. Die Motivation der Mitarbeiter und ihre Identifikation mit den Arbeitsinhalten sollen gefördert werden, indem sie die Möglichkeit erhalten, Prozesse mitzugestalten.

Von Schamari
Von Schamari

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