Elektronik/Mechatronik 16.11.2012, 19:56 Uhr

Elektroindustrie braucht Elektrotechniker und Mechatroniker

Die Wachstumsprognose wurde zwar nach unten korrigiert, doch mittel- bis langfristig geht der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie von einem jährlichen Branchenwachstum von durchschnittlich 5 % aus. Bei den Beschäftigten prognostiziert der Verband moderaten Aufbau. Ingenieure der Elektrotechnik und Mechatronik profitieren aktuell von Trendthemen. Dazu zählt auch die erneuerbare Energie.

Michael Martens

Michael Martens

Foto: Werkfoto

Fast alle Mitgliedsunternehmen des VDE und Hochschulen stimmen der Aussage zu, dass Hochschulabsolventen und Young Professionals der Elektro- und Informationstechnik gute Berufschancen haben. So das Ergebnis einer Verbandsumfrage, durchgeführt Anfang 2012. Michael Schanz ist im VDE für die Fachausschüsse Ingenieurausbildung, Beruf, Gesellschaft und Technik sowie Geschichte der Elektrotechnik zuständig. „Momentan sprechen Unternehmensvertreter oft davon, dass es an Elektroingenieuren für analoge Elektronik, insbesondere Leistungselektronik oder auch Entwicklern von Embedded Systems mangelt.“

Meldungen, in denen der Bedarf zurückgeht, erreichen ihn nur selten. „Elektroingenieure im Jahr 2020 werden noch mehr in Teams und vermehrt mit Fachleuten aus anderen Disziplinen zusammenarbeiten“, prognostiziert Schanz. Elektromobilität und erneuerbare Energien seien hierfür treibende Kräfte.

Elektroingenieure werden zu Teamplayern

Michael Martens erlebt heute schon, was der Verbandsmann vorhersagt. Bei der Entwicklung, Produktion und dem Betrieb von Windkraftanlagen arbeiten Architekten, Bauingenieure, Meteorologen, Maschinenbau- und Elektrotechnik-Ingenieure Hand in Hand. Der 30-Jährige ist Ingenieur der Elektrotechnik und seit März 2009 beim Hersteller von Windenergieanlagen Enercon, Aurich, in der Hard- und Softwareentwicklung tätig. Aktuell ist es seine Aufgabe, zugekaufte Windmessgeräte in Anlagen zu integrieren. Die Geräte sollen Rotorblätter optimal in den Wind stellen. Im anderen Fall geht es um intelligente Stromnetze und die Entwicklung und Integration neuer Energiespeichersysteme. Bei viel Wind soll überschüssige Energie beispielsweise in Batterien gespeichert und bei Flaute in die Netze eingespeist werden.

Weltweit hat Enercon rund 13 000 Mitarbeiter. Durch den Neubau eines Forschungs- und Entwicklungszentrums in Aurich hat das Unternehmen einen hohen Bedarf an Entwicklungsingenieuren. Die Mitarbeiterzahl in dem Bereich soll fast verdoppelt werden. Bei Enercon entwickeln Elektroingenieure Generatoren, binden Windenergieanlagen intelligent in bestehende Netzstrukturen ein und kümmern sich um den reibungslosen Betrieb der Anlagen. „In der Windkraft steckt ein hohes Potential zur Stromerzeugung, und Enercon hat eine große Fertigungstiefe. Deshalb habe ich hier angefangen“, sagt Martens.

Arbeitsmarkt: Bei Elektrotechnik-Ingenieuren herrscht nahezu Vollbeschäftigung

Adecco Personaldienstleistungen hat die Stellenanzeigen für Elektroingenieure im ersten Halbjahr 2012 ausgewertet. Der Stellenindex basiert auf 40 Tages- und Fachzeitungen. 2506 Angebote hatten die Unternehmen in den ersten sechs Monaten 2012 geschaltet. Das waren rund 750 weniger als im Vorjahresvergleich. Der Verein Deutscher Ingenieure, VDI, verkündet für Juni eine „leichte Entspannung am Ingenieurarbeitsmarkt“. Und bei der Bundesagentur für Arbeit waren zum Ende des ersten Halbjahres 2012 exakt 10 833 Ingenieure der Elektrotechnik arbeitslos gemeldet. Das waren rund 1000 mehr als im Vorjahr. Die geringe Arbeitslosenquote von etwa 2 % bescheinigt dieser Berufsgruppe aber eher Vollbeschäftigung, und die Bundesagentur für Arbeit teilt mit, dass „bei technischen Berufen Fachkräfteprobleme vor allem auf Ebene der Experten (Ingenieure) bestehen“.

Die etwa 57 000 Studenten der Elektrotechnik/Elektronik dürften also keine Probleme haben, einen Job zu finden. Nach Angaben des statistischen Bundesamts haben 2010 rund 8100 Studenten ihr Studium in diesem Fach abgeschlossen. Starkes Wachstum bei Studenten gibt es in der jungen Disziplin Mechatronik, wie das statistische Bundesamt weiter mitteilt. 1000 Studierende waren es im Wintersemester 2001/2002. Zehn Jahre später sind es schon über 13 000 gewesen.

Elektroindustrie braucht Elektrotechniker und Mechatroniker

Die Elektroindustrie Deutschlands braucht Elektrotechniker und Mechatroniker. Die Branche ist stark mittelständisch geprägt. Etwa 90 % der Unternehmen haben weniger als 500 Beschäftigte. Insgesamt besteht sie aus rund 4000 Unternehmen. Die meisten Beschäftigten gibt es im Branchensegment Automation (250 000), dann folgen elektronische Bauelemente (80 000) und Energietechnik (65 000).

Nach Auskunft von Andreas Gontermann, Chefvolkswirt des ZVEI – Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie, haben 2011 vor allem Batterien, Kabel und Drähte sowie Automation und Energietechnik überdurchschnittlich zum Wachstum beigetragen. Lediglich moderate Steigerungsraten gab es bei Elektrohaushaltsgeräten und in der Unterhaltungselektronik. In der Informations- und Kommunikationstechnik lag der Rückgang bei 7 %. „Verantwortlich dafür waren insbesondere Preisrückgänge“, begründet Gontermann.

Das angekündigte Wachstum für 2012 in Höhe von 5 % korrigierte der Verband Anfang September auf 1 % bis 2 %. Euro-Krise und abkühlende Weltwirtschaft nennt Gontermann als Gründe. Bei den Beschäftigten geht er von einem Verbleib auf aktuellem Niveau aus. „Trotz der Korrektur nach unten sehen wir unseren mittel- bis langfristigen Wachstumstrend von 5 % jährlich als intakt an.“ Ob er bereits 2013 wieder erreicht werden könne, „muss man sehen“. Bei den Beschäftigten geht der Chefvolkswirt über die Jahre gesehen von moderatem Aufbau aus, der in der Größenordnung von 1 % bis 2 % liegen könnte. 

  • Peter Ilg

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