Arbeitsmarkt 27.07.2001, 17:30 Uhr

Ein Tüftler aus Sofia

Alles eine Frage der Perspektive. Aus Sofia in Bulgarien erscheint jeder Job in Deutschland attraktiv, doch im Land der Verheißung wird das strahlendste Weiß zu einer Fülle von Grauabstufungen. Der IT-Spezialist und Green Card-Inhaber Kamen Petroff kann dies bestätigen.

Im Sommer 2000 kam der damals 24-Jährige nach Bonn, wo er bei einem jungen Consulting-Unternehmen anheuerte. Ein Jahr später hat er zwei Unternehmenspleiten erlebt und sitzt nun im dritten Büro.

Jetzt, so hofft er, wird ein wenig Stabilität in seinen Alltag zurückkehren. „Ich mache genau das, was ich gerne tue, und das Gehalt stimmt auch“, strahlt Petroff, „es geht mir blendend.“ Klare Worte für einen, der anfangs lieber höflich lächelnd auswich. Das war vor einem Jahr, beim ersten Interview, zu dem Petroff Frau und Tochter mitbrachte. Drei zarte blasse Menschen kamen damals zum Bonner Hauptbahnhof, Menschen, denen man ansah, wie stressend die Fremde sein kann. Jedes Wort ein Schritt übers Eis. Inzwischen leben die drei in Aachen gegenüber vom Kurpark. Die Tochter besucht demnächst einen Kindergarten, seine Frau Katrin einen Deutschkurs. Petroff selbst lacht, scherzt, gestikuliert – und erläutert nebenbei Insolvenzverfahren, Green Card-Bestimmungen und dergleichen komplizierte Dinge mehr.

Seine wahre Leidenschaft allerdings waren schon immer Computer. In Bulgarien hießen sie Pravec und waren baugleich mit den Commodore-Rechnern, auf denen deutsche Kids in den 80er Jahren ihre ersten Erfahrungen sammelten. „Darauf habe ich als Zehnjähriger meine ersten Programme geschrieben, in Basic“, erzählt Petroff.

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Aus dem Tüftler von damals ist inzwischen ein „Software-Architekt“ geworden. Mit dieser Wortwahl will Petroff nicht nur andeuten, welch kunstvoll durchdachter Aufbau hinter einem Programm zu stehen hat. Der Begriff ist auch freundliche Umschreibung der Tatsache, dass er sein Informatik-Studium an der Universität Sofia nie beendet hat. Die Praxis kam dazwischen. Erst eine Assistentenstelle an der Bulgarian Academy of Science, dann eine Stelle im Justizministerium, schließlich der Wechsel in die Industrie, zu einem bulgarischen Softwarehaus, das mit deutschen Unternehmen kooperierte. Erste Erfahrungen im „grünen Legoland“ (Petroff) machte er 1999 als Praktikant in einem kleinen Softwarehaus.
Kein Wunder also, dass sich der junge Mann um eine Green Card bewarb, sobald er davon hörte.

Doch die ersten Schritte waren schwierig. Im ersten Job, bei einem Consulting-Unternehmen in der Nähe von Bonn, erwartete man von ihm, dass er zu den Kunden fahren und mit ihnen über die Gestaltung der Produkte verhandeln sollte. Das überforderte den jungen Familienvater in mehrfacher Hinsicht, denn trotz aller Wertschätzung ist ihm die Mentalität der Deutschen fremd.

Gleichwohl wäre der junge Bulgare zu höflich, dies auszusprechen. „Die Deutschen sind sehr freundlich“, betont er, selbst auf den Ämtern werde er zuvorkommend behandelt. Kontakt zu ihnen hat er außerhalb seiner Arbeit kaum.

Erschwert wurde die Integration durch das Dotcom-Sterben. Nach acht Monaten war Schluss im ersten Job, auch die zweite Stelle war wenig zukunftsträchtig, denn auch das Unternehmen ist inzwischen pleite. Glück für Petroff, dass er sich außerdem bei der Aachener Cycos AG beworben hatte. Dort ist er seit April angestellt, arbeitet wieder in der Entwicklung, muss keine Kundenbesuche mehr absolvieren und hat das ungeliebte Java wieder zu Gunsten von C++ eingetauscht. Was will ein Tüftler mehr? HELENE CONRADY

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