04.12.1998, 17:20 Uhr

Ein Sprungbrett für Arbeitslose

Im Ausland hat „Jobrotation“ seine Feuertaufe mit Bravour bestanden. In Deutschland steckt das Modell noch in den Kinderschuhen – mit vielversprechenden Ansätzen.

Obwohl es zu den größten arbeitsmarktpolitischen Projekten innerhalb der Europäischen Union zählt, ist „Jobrotation“ hierzulande noch weitgehend unbekannt. Vor zehn Jahren begannen die Dänen, den Fortbildungsbedarf von Unternehmen bis zu 500 Beschäftigten und die Vermittlung von qualifizierten Langzeitarbeitslosen zusammenzuführen. Darauf basiert das Modell: Beschäftigte können sich beruflich weiterbilden, während entsprechend qualifizierte Arbeitssuchende ihre Stellvertretung übernehmen und so eine Bewährungschance auf dem ersten Arbeitsmarkt bekommen.
In Deutschland befindet sich das Projekt noch in der Erprobungsphase, jedoch verläuft der Auftakt vielversprechend, wie Dr. Werner Blanke, Koordinator des im Berufsförderungszentrum Essen (BFZ) angesiedelten Modellprojektes „Jobrotation NRW“, zu berichten weiß.
An dem im Februar 1997 begonnenen Projekt waren im September 1998 bereits 81 Firmen beteiligt. Eine davon ist die Solinger Maschinenbaufirma „Zielonka Dreh- und Frästechnik GmbH“, die ihre 16 Mitarbeiter in allgemeiner Betriebsorganisation weiterbilden will. „Jobrotation“ vermittelte zwei Stellvertreter, die sich zur Zeit einarbeiten. Die Erfahrungen sind so positiv, daß das Unternehmen, wie Geschäftsführer Uwe Schreiber erklärt, „die beiden voraussichtlich übernehmen wird. Sie sind motiviert und gliedern sich in unser Team ein. Ohne iJobrotationi hätten wir Umsatzeinbußen zu verzeichnen.“ Zwar koste die Auswahl der Stellvertreter und der damit verbundene Verwaltungsaufwand Zeit, unter dem Strich lohnten sich die Bemühungen jedoch.
Ähnlich positiv verläuft bisher das gesamte Projekt in Nordrhein-Westfalen. Für 275 Beschäftigte, die an Weiterbildungskursen teilnahmen, sprangen 127 Stellvertreter ein. 63 % von ihnen wurden anschließend übernommen, teilweise von „ihren“, teilweise von anderen Firmen. Als Stellvertreter werden entsprechend qualifizierte Arbeitssuchende vorgeschlagen, die Arbeitslosenunterstützung oder Sozialhilfe beziehen. Unter ihnen sind natürlich auch Hochschulabsolventen.
„Wir klären zur Zeit die Firmen auf und erfragen ihren Fortbildungsbedarf. Am Anfang muß man jedenfalls viel Überzeugungsarbeit leisten“, beschreibt Projektkoordinator Blanke die Implementierungsphase, die in NRW vom BFZ und vier Regionalstellen betreut wird.
Die Vorteile für die Firmen liegen auf der Hand: Sie bekommen die Fortbildung ihrer Mitarbeiter zu 50 % aus EU-Fördermitteln bezuschußt und steigern damit ihre Wettbewerbsfähigkeit. „Wir treten nicht nur als Vermittler auf, sondern beraten die Betriebe auch bei der Entwicklung und Umsetzung zukunftsorientierter Weiterbildungsstrategien“, so Werner Blanke.
Die Stellvertreter, die für maximal drei Monate eingesetzt werden, erhalten weiter ihre Unterstützungsgelder. Ob die Unternehmen sie zusätzlich mit kleinen Beträgen gratifizieren, wird anheimgestellt. Die Schwerpunkte des Modells liegen zur Zeit in den Bereichen Sicherheit, Pflege, Autowerkstätten, facility management und Materialprüfung.
Das BFZ sucht nach weiteren Themen und will einerseits mehr über den Qualifizierungsbedarf einzelner Branchen erfahren, andererseits Qualifizierer mit innovativen Angeboten finden. Gefragt sind private und öffentliche Bildungsträger, die qualitativ hochwertige und bedarfsorientierte Angebote für kleine und mittlere Unternehmen machen können.
„Jobrotation“ ist als präventive Strategie angelegt, die auf Sicherung vorhandener Arbeitsplätze zielt und einer Verfestigung von Langzeitarbeitslosigkeit entgegenwirken soll. Mittelfristig ist auch die Schaffung neuer Arbeitsplätze erreichbar, wenn die Wettbewerbsfähigkeit verbessert wird und neue Investitionen anregt.
Über 30 Partnerorganisationen in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union erproben zur Zeit das Konzept und tauschen ihre Erfahrungen über ein speziell eingerichtetes elektronisches Netzwerk aus. Damit ist EU-Jobrotation das größte transnationale Netzwerk im Rahmen des europäischen Strukturfonds (ESF), der zwischen 1996 und 1999 25 Mio. Ecu an Förderungsgeldern ausschüttet. Seit einem Jahr gibt es im dänischen Sikeborg das EU-Jobrotation-Sekretariat, das die europäische Zusammenarbeit koordiniert.
CHRISTIANE GIBIEC

Jobrotation

Ansprechpartner in NRW – Berufsförderungszentrum Essen e.V. (BFZ)
Postfach 120252
45312 Essen
Tel.: 0201/3204-385, Fax 0201/3204-252,
E-mail: jobrotation@bfz-essen.de,
Projektleitung: Heinz Gerd Hochhäuser, 02101/3204-374,
Regionalkoordination: Dr. Werner Blanke, 0201/3204-386,
PR/EU-Koordination: Reiner Siebert 0201/3204-433,
Sekretariat: 0201/3204-385 – Regionalstelle Ruhrgebiet, Stallmann/Dr. Hiegemann 0201/3204-387 – Regionalstelle Bergische Region,
Gesellschaft für Qualifizierung im Handwerk mbH,
Emmastr. 11,
42287 Wuppertal,
Gabi Wittwer/Wolf Jahnke, Tel.: 0202/28032-0, Fax 0202/28032-12 – Regionalstelle Westmünsterland,
Berufsbildungsstätte Westmünsterland GmbH für Handwerk und Industrie,
Weidenstr. 2,
48683 Ahaus,
Reinhild Velthaus/Alfons Schneider, Tel.: 02561/699-403, Fax: 02561/699-510 – Regionalstelle Zentrales Münsterland,
Kreishandwerkerschaft Warendorf,
Schlenkhoffs Weg 57,
59269 Beckum,
Dirk Kanowsky/Ulrich Lang, Tel.: 02521/9325-58, Fax: 02521/9325-52 – Fachliche Begleitung
G.I.B. Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung,
Im Blankenfeld 4,
46238 Bottrop,
Richard Osterholt, Tel.: 02041/767-153, Fax: 02041/767-299

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