Karriere 08.04.2005, 18:38 Uhr

Ein Licht der Hoffnung für Afghanistan

VDI nachrichten, Düsseldorf, 8. 4. 05 – Mit ehrenamtlichem Engagement versuchen Ingenieure und Techniker, den Menschen in Afghanistan, das Leben zu erleichtern.

Mit solarbetriebenen Waschmaschinen erleichtert er den Alltag der Frauen in Afghanistan. Mohammed Sabur Achtari, Vorsitzender des Vereins Afghanischer Ingenieure und Techniker in Deutschland e.V. (VAIT), verwendet seinen gesamten Jahresurlaub für die Entwicklungshilfe in Afghanistan. Das Gründungsmitglied des VAIT möchte mit seinem gemeinnützigen Verein einen besonderen Beitrag zum Wiederaufbau des von Kriegen stark gebeutelten Landes leisten.

Regenerative Energien sind für die Ingenieure dabei der Schlüssel zur Selbstständigkeit. Denn in Afghanistan sind nur 6 % der Bevölkerung an ein ständiges Stromnetz angeschlossen. Das macht alltägliche Aufgaben wie Wäschewaschen, Backen und Butter herstellen zu tagesfüllenden Beschäftigungen.

Insgesamt sechs Wochen verbringt der in Deutschland ausgebildete Maschinenbau-Ingenieur Achtari im Laufe eines Jahres vor Ort, hilft bei neuen Projekten und bildet die Menschen aus. Geld sieht der gebürtige Afghane, der im Mai seinen 50. Geburtstag feiert, für sein Engagement nicht. Er und seine Helfer arbeiten ausschließlich ehrenamtlich. Die deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit und die Caritas setzen sich für die nötigen Gelder für Produktionsmaterialien ein.

Das Vorzeigeprojekt „Licht für Afghanistan“ ist bereits sehr erfolgreich angelaufen. Die Produktion von Solarlampen in Kabul trägt sich inzwischen zu 90 % selbst.

Jetzt will der Verein den Frauen in Afghanistan die tägliche Arbeit in ihren Dörfern erleichtern. Täglich acht bis neun Stunden verbringen diese Frauen mit Waschen, Butterstampfen und Holzsuchen fürs Brotbacken. Dafür stehen sie teilweise schon nachts auf.

Seit zweieinhalb Jahren ist Achtari an einem neuen Projekt in Wardag, etwa 100 km westlich von Kabul gelegen, engagiert. Auf 2400 m Höhe steht sein Musterdorf, wie er es nennt, mit 600 Einwohnern.

Gute zehn Monate wird es noch dauern, bis die Dorfbewohner sich mit Hilfe von Waschtrommeln, Backöfen und automatischen Butterstampfern, die mit regenerativer Energie betrieben werden, selbst versorgen können.

Für die Einheimischen bedeuten die solar- und windkraftgetriebenen Maschinen eine immense Arbeitserleichterung und Zeitersparnis. Statt drei Stunden dauert ein Waschgang mit der solarbetriebenen Waschtrommel nur noch 15 Minuten.

„Das warme Wasser muss allerdings selbst von Hand zugeführt werden“, schränkt Achtari ein. Da Holz eine Mangelware in den Bergen von Afghanistan ist, helfen die Solarkocher tagsüber beim Brotbacken, vereinzelt gibt es auch Gasbacköfen.

In der Nacht sind es extra für afghanische Verhältnisse vom VAIT entwickelte Windkraftanlagen, die dafür sorgen, dass die Akkus wieder aufgeladen werden. Diese Windräder werden in den nächsten Monaten auch vor Ort produziert werden können. „Unser Ziel lautet eindeutig, den Menschen vor Ort zu helfen, indem wir die Voraussetzungen zur Selbstversorgung schaffen. Wir bilden die Techniker aus und weiter, diese schulen wiederum den Nachwuchs, sodass die anfallenden Reparaturen langfristig auch vor Ort erledigt werden können.“

Insgesamt acht Ausbilder für regenerative Energien arbeiten in Afghanistan. Den kürzlich erworbenen Preis des Umweltministeriums von Baden-Württemberg reinvestierte VAIT sofort in die Ausbildung von 32 afghanischen Jugendlichen, die sich um den Vertrieb der Solarlampe kümmern.

Die rund 6000 €€bedeuten für die neuen Vertriebsmitarbeiter eine Zukunftsperspektive – und sorgen dafür, dass immer mehr Afghanen Licht im Haus haben. CHRISTOPH DAMASKE

Ein Beitrag von:

  • Christoph Damaske

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