Karriere 04.08.2000, 17:26 Uhr

. . . und du mein Schatz bleibst hier

Arbeiten im Ausland erweitert den Horizont. Wer aber hofft, in der Ferne das große Geld zu verdienen, begibt sich auf den falschen Dampfer.

Keine ausgetretenen Pfade mehr gehen, lieber den Horizont erweitern. Wer solche Bilder im Kopf hat, braucht dringend Tapetenwechsel. Zumindest eine Zeit lang. Etwas Neues anfangen, vielleicht in einem anderen Land mit anderer Sprache, anderer Kultur. Warum nicht Abenteuerlust mit der Karriere verbinden?
„Auslandserfahrung wird vor allem in typischen Aufstiegsberufen von Akademikern immer wichtiger“, sagt Elisabeth Weber von Eures, dem European Employment Services der Arbeitsämter. „Die meisten großen Unternehmen sind global tätig, haben Kontakte und Tochterfirmen überall auf der Welt. Man erweitert nicht nur seine Sprachkenntnisse und sieht, wie es anderswo zugeht, sondern trainiert auch die eigene Persönlichkeit in Sachen Offenheit, Toleranz, Flexibilität und Mobilität.“ Fähigkeiten, die nicht nur in leitenden Positionen wichtig sind. Auswandern auf Zeit – dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Eures beantwortet alle Fragen rund um einen Auslandsjob in der Europäischen Union. Eures-Berater gibt es in rund 50 deutschen Städten, die Eures-Datenbank spuckt Angebote für jeden Bereich aus. „Gute Chancen haben im Augenblick Ingenieure – aus der Baubranche ebenso wie aus Maschinen- oder Schiffbau, und Elektroingenieure. Computerfachleute sind ebenfalls sehr gefragt“, weiß Angela Griem, Eures-Beraterin aus Hamburg. „Die besten Chancen hat, wer noch nicht über 40 ist, in Deutschland ein bis zwei Jahre gearbeitet hat, gute Qualifikationen mitbringt und am besten auch schon im Ausland gearbeitet hat.“
Gute Chancen haben deutsche Maschinenbauingenieure zur Zeit vor allem in Norwegen. Griem: „Die Norweger zahlen gut, dennoch sollte man sich ein Übersiedeln in den Norden gut überlegen. Die Sozialabgaben sind dort sehr hoch und die Sprache nicht einfach zu erlernen. Und die sollte man schon beherrschen.“
Finanziell lohnt ein Auslandstrip nur selten. „Im europäischen Vergleich liegt Deutschland mit den Löhnen an der Spitze. Griechenland liegt 60 % unter dem deutschen Durchschnitt, Belgien immerhin 10 % bis 20 %“, berichtet Griem. Dafür gibt es neben Lebenserfahrung und der Ausweitung des persönlichen Horizonts neue Perspektiven – auch in beruflicher Hinsicht.
Und wie stehen die Chancen für Ingenieure in anderen Ländern? „Elektrotechniker und Informatiker werden überall gesucht“, erläutert Griem. „In Frankreich werden Ingenieure im Vertriebsbereich gesucht, in den Niederlanden herrscht Bedarf an Technikern, in Dänemark braucht man Elektrotechnik-Ingenieure.“
Die Eures-Berater liefern Länderinformationen, wissen über Arbeitsbedingungen und Rechtsfragen Bescheid, auch über die Sozialversicherungen. „Wir informieren, was in welchem Land bei der Jobsuche zu beachten ist, und können den einen oder anderen Kontakt knüpfen. Aber wir vermitteln keine Stellen im eigentlichen Sinne“, sagt die Kölner Beraterin Elisabeth Weber. Von jedem Interessenten wird ein Höchstmaß an Eigeninitiative erwartet. So sollten die Sprachkenntnisse in Eigenregie aufpoliert, eine Stelle gesucht oder eine Anzeige aufgegeben werden. „Ein Jahr Vorarbeit sollte man schon einkalkulieren, bevor es losgeht“, erläutert Griem. Und wie sieht es mit der Rückkehr aus? „Als Faustregel gilt: Wer nicht länger als fünf Jahre im Ausland bleibt, kommt hier später wieder gut zurecht. Wer gleich nach dem Hochschulabschluss ins Ausland geht und zuvor noch nie in Deutschland gearbeitet hat, sollte besser schon nach drei Jahren zurückkommen. In Deutschland ist vieles anders: die Arbeitseinteilung, die Herangehensweise an berufliche Probleme. Arbeitgeber haben oft Vorbehalte, jemanden einzustellen, der lange im Ausland war.“
Wer hier nicht gleich alle Zelte abbrechen möchte, für den ist ein längeres Praktikum eine gute Alternative. 50 000 Anfragen pro Jahr verzeichnet allein die Carl-Duisberg-Gesellschaft in Köln, größte Anbieterin von Programmen zur beruflichen Weiterbildung für Nachwuchs-, Fach- und Führungskräfte im Ausland. Da ist zum Beispiel der Maschinenbauingenieur, der in Indonesien im Marketing-Bereich eines Regionalflugzeugbauers gearbeitet und dabei Vertriebsmöglichkeiten für einen neuen Typ analysiert hat. Günstig ist ein solcher Auslandstrip an der Nahtstelle zwischen Studium und Job – aber auch danach. Viele Arbeitgeber sind bereit, Mitarbeiter für ein halbes Jahr frei zu stellen. Darunter lohnt ein Auslandspraktikum selten.
Die Training-on-the-job-Programme der Carl Duisberg Gesellschaft zur praxisorientierten beruflichen Qualifizierung im Ausland dauern zwischen drei und 18 Monaten und richten sich vor allem an junge Techniker und Wirtschaftswissenschaftler. Gefördert werden die Programme aus Bundesmitteln und privaten Stiftungen. „Bei der Suche nach Praktikumsplätzen legen wir viel Wert auf Eigeninitiative. Alle Länder rings um den Globus sind möglich, wobei traditionell die USA an erster Stelle der Nachfrage liegen“, weiß Kuni Richter von der Carl Duisberg-Gesellschaft. Fragen, die bei der Entscheidung für ein Praktikum eine Rolle spielen, könnten sein: Möchte ich ein ganz konkretes Aufgabengebiet eines Unternehmens vertiefen, weil es meinen eigenen beruflichen Schwerpunkt betrifft? Möchte ich meine Fremdsprachenkenntnisse vertiefen? Reichen meine Qualifikation und mein Wissen für diese Stelle? Aber auch hier gilt: Ohne Sprachkenntnisse geht nichts. SABINE HENSE-FERCH

Adressen

Gut vorbereitet auf die Reise

  • Carl Duisberg-Gesellschaft, Postfach 260120, 50514 Köln, Tel. 0221/209810,
  • Bundesverwaltungsamt Köln, Barbarastraße 1, 50735 Köln, Tel. 0221/7580,
  • Informationszentrum Europa, Josef-Haubrich-Hof 2, 50676 Köln, Tel. 0221/9234819,
  • Zentralstelle für Arbeitsvermittlung der Bundesanstalt für Arbeit (ZAV), Villemobler Straße 76, 53123 Bonn, Tel. 0228/7130,
  • EU Kommission, Generalsekretariat, rue de la Loi 200, B-1049 Brüssel, Fax 0032 2 2990871. shf

Von Sabine Hense-Ferch
Von Sabine Hense-Ferch

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