Karriere 17.10.2003, 18:27 Uhr

Drum prüfe, wer sich beruflich bindet . . .

Vor gar nicht allzu langer Zeit, als das Wort „New Economy“ noch so in etwa die gleiche Bedeutung hatte wie „Simsalabim“, galt der ständige Jobwechsel durchaus als chic. Und nun? Gemach! Wechsel sind auch jetzt noch in Ordnung, aber sie sollten gut überlegt sein.

Bernd Peters* ist verzweifelt: Vor gerade mal zwei Wochen hat er seinen neuen Job in der Entwicklungsabteilung eines Maschinenbauers angetreten – und ist schon wieder kurz davor zu kündigen. Dabei hatte im Vorstellungsgespräch noch alles so verlockend geklungen: Man pries die Aufstiegschancen, das gute Arbeitsklima, ein nettes Team. Doch schon nach wenigen Tagen kam der Reality-Check: Sein Posten ist der reinste Schleudersitz. Peters fand heraus, dass binnen kurzer Zeit schon etliche Vorgänger auf seinem Posten verschlissen wurden. Außerdem ist das Betriebsklima durch den tyrannischen Inhaber vergiftet. Auf seine Versprechungen im Vorstellungsgespräch angesprochen, antwortet der sogar frech: „Ich hätte Ihnen alles erzählt, damit ich Sie bekomme.“
Ein authentischer Fall, der so ähnlich tagtäglich passiert. Viele Berufsein- und Umsteiger kennen die Situation: Das dynamische Umfeld aus dem Bewerbungsgespräch entpuppt sich nach der Unterschrift als miefiger Beamtenladen. Aber sollte der- oder diejenige deshalb gleich wieder kündigen? Oder anders gefragt: Schadet es der Karriere, wenn man einen Kurzauftritt im Lebenslauf hat?
„Die zwei-Jahres-Regel gilt immer noch“, sagt Bernd Andersch, Karrierecoach aus Düsseldorf. Damit ist gemeint: Frühestens nach zwei Jahren sollten Angestellte ihren Job wechseln. Auch die oft ausgerufene Flexibilisierung der Arbeitswelt hat daran nichts geändert. Andersch beschreibt die Praxis in vielen Personalabteilungen so: „Wer irgendwo während der Probezeit ausgestiegen ist, dessen Lebenslauf wird schnell aussortiert.“ Unentschlossenen rät Andersch, wenigstens eine Grundregel zu beherzigen: „Halten Sie bis zum Ende der Probezeit weitere Eisen im Feuer, also Zusagen von anderen Arbeitgebern.“ Nimmt der Bewerber wirklich nach wenigen Tagen seinen Hut, habe er so wenigstens eine Chance, schnell woanders unterzukommen.
Vom hektischen Ausstieg nach wenigen Tagen rät auch Elke Schumacher ab. Die erfahrene Karriereberaterin aus Gütersloh empfiehlt den Neulingen, nicht gleich aufzugeben: „Es schadet nichts, wenn man am Anfang auch mal etwas Schlechtes kennen lernt.“ Durchhalten um jeden Preis sei allerdings auch nicht zu empfehlen: „Wenn Sie unmotiviert sind, merken das Ihre Vorgesetzten, und Sie sind bei der nächsten Entlassungswelle fällig.“
Ducken und bleiben oder aufrecht gehen? Für Coach Schumacher ist das vor allem eine Frage der Selbstachtung. Wer der Ansicht sei ‚da geh‘ ich lieber putzen‘, solle auch die Konsequenzen ziehen, so die Karriereexpertin. Schumacher glaubt, dass Personaler vor allen jungen Bewerbern solche kleine Ausrutscher verzeihen.
Hausieren gehen mit diesen Kurzauftritten sollten Angestellte allerdings nicht. Auf den Quickie im Lebenslauf angesprochen, sei eine Notlüge durchaus erlaubt, findet Karriereberaterin Schumacher: „Erfinden Sie ruhig einen Notfall in der Familie.“ Wer dagegen sage ‚Der Chef hat mir nicht gefallen‘, lande direkt in der Querulantenschublade – dem Papierkorb.
Bleibt die Frage: Ist es in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht viel zu riskant, eine sichere Position aufzugeben? Nein, sagen Arbeitsmarktkenner. „Gute Leute haben auch jetzt keine Schwierigkeiten, einen Job zu finden“, meint etwa Dieter W. Kaiser, Geschäftsführer von Management Engineers, Düsseldorf.
Sein Unternehmen berät namhafte Firmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, Auto- und Pharmaindustrie. Über einen mangelnden Nachschub an High-Potentials kann Kaiser nicht klagen: „Wir bekommen bis zu 1000 Bewerbungen pro Jahr.“ 80 % bis 90 % der Jobsucher würden sich aus einer festen Anstellung heraus bewerben.
Wechselwilligen rät Recruiting-Experte Kaiser: „Gehen Sie nicht nur über die Personalabteilung, sondern schicken Sie Ihre Bewerbung direkt an die Fachabteilung.“ Ingenieure etwa sollten sich also direkt an die Entwicklungsabteilung wenden. Kaisers Erfahrung: In den Fachbereichen gibt es immer wieder Vakanzen – auch wenn das Unternehmen nach außen keinen Mitarbeiter-Bedarf kommuniziert.
Doch es ist auch eine Warnung angebracht: Finanziell gesehen lohnt sich ein Wechsel derzeit nicht. Die alte Regel „Neuer Job, 10 % mehr Geld“ gilt nicht mehr. Im Gegenteil: Vor allem Unternehmen aus den ehemaligen Boombranchen haben heute nicht mehr die Spendierhosen an. Angestellte aus dem IT-Bereich etwa müssen sich darauf einstellen, beim nächsten Arbeitgeber weniger zu verdienen. Quer durch die Bank gilt das allerdings nicht. Kaiser: „Ein Top-Elektroniker beispielsweise muss auch heute bei einem Wechsel keine finanziellen Abstriche machen.“
  CONSTANTIN GILLIES
* Name von der Red. geändert

Tipps für Umsteiger
Gute Gründe für den Umstieg
Der Aufbruch zu neuen Ufern sollte in turbulenten Zeiten besonders gut überlegt sein. Wer den Hafen einer sicheren Anstellung verlässt, muss gute Gründe dafür haben. Karriereexperte Edmund Mastiaux vom Zentrum für Management- und Personalberatung (ZfM) in Bonn nennt die Grundregeln des Umstiegs:
– Kleine Reibereien im Job oder eine besonders verlockende Stellenanzeige sind kein ausreichender Wechselgrund. Überprüfen Sie Ihre Motivation: Gibt es wirklich keine Entwicklungsmöglichkeiten beim derzeitigen Arbeitgeber mehr?
– Schätzen Sie Ihren Wert realistisch ein. Was kann ich? Wo stehe ich in der Branchencommunity? Vor allem Angestellte, die Ihren Job während des Booms Ende der 90er angetreten haben, überschätzen sich häufig.
– Holen Sie ausreichend Informationen über das Unternehmen ein. Gehen Sie den Dingen auf den Grund: Gibt es wirklich eine neue Produktlinie? Expandiert die Firma wirklich in neue Märkte?
– Scheuen Sie sich nicht, die Stellenbeschreibung zu hinterfragen. Was erwartet man wirklich von mir? Viele Unternehmen haben darauf keine präzisen Antworten – übrigens ein schlechtes Zeichen.
– Stellen Sie auch unbequeme Fragen. Beispiel: Es gab zwei Vorgänger in sehr kurzer Zeit auf der Position. Sprechen Sie den Vorgesetzten offen darauf an: Warum hat die Zusammenarbeit nicht funktioniert? Haben Sie keine Angst davor, kritische Fragen zu stellen.
– Verabreden Sie mehrere Gespräche. Sprechen Sie, wenn möglich, nicht nur mit Personalern, sondern auch mit den Fachverantwortlichen. Einige Unternehmen bieten sogar Interviews mit dem gesamten zukünftigen Team eines Bewerbers an. Lassen Sie sich nicht von der Abwehrhaltung „so etwas ist bei uns nicht üblich“ abschmettern.  CG

  • Constantin Gillies

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