Interview: Mechatronik-Ingenieure 01.07.2011, 12:09 Uhr

Druck durch Energieeffizienz und Medizintechnik

Bernd Ponick, Professor für Antriebssysteme an der Leibniz Universität Hannover, meint, dass Unternehmen Mechatronik-Ingenieure zu schätzen wissen. Absolventen können sich die Jobs aussuchen.

Ponick: In Deutschland hat sich der schon vor Jahren erkennbare Trend fortgesetzt, dass man im Werkzeugmaschinenbau eine höhere Performance und höhere Genauigkeiten dadurch zu erreichen versucht, dass man immer mehr Teile elektrifiziert, kleine Motoren einsetzt, die Bewegung erzeugen, wo sie gebraucht wird. Und das setzt natürlich voraus, das ist ja der Grundgedanke der Mechatronik, gleich beim Entwurf und bei der Konzeption eines Gerätes oder einer Anlage, diese Dinge zusammenzudenken. Also nicht irgendwie Komponenten zusammenzuschrauben, sondern praktisch von vornherein ein Gesamtsystem zu entwerfen, bei dem Mechanik und Elektronik, Aktorik und Sensorik, so gut es geht, ineinandergreifen.

Weiß die Industrie inzwischen, was sie von Mechatronikern erwarten kann?

Die Unternehmen wissen es zu schätzen, dass sie Ingenieure bekommen, die sowohl Strom von Spannung unterscheiden können als auch in der Konstruktion, in der Mechanik zu Hause sind.

Die Absolventen haben eine andere Art von Grundausbildung als in den klassischen Ingenieurdisziplinen. Es fehlt zum Beispiel der verfahrenstechnische Teil, den etwa ein Maschinenbaustudent hat, dafür gibt es eben mehr Elektrotechnik.

In der Mechatronik gibt es andere Schwerpunktbildungen und darauf aufbauend auch andere Spezialisierungen. Und schon in der Grundausbildung wird immer darauf geschaut, welche Ausbildungsinhalte später in der Industrie gebraucht werden. Seit den 1980er- und 1990er-Jahren haben sich die klassischen Studiengänge Elektrotechnik und Maschinenbau immer mehr voneinander entfernt. Und diese größer werdende Lücke schließen jetzt interdisziplinäre Studiengänge wie die Mechatronik oder – ganz neu an der Leibniz-Universität Hannover – die Energietechnik.

Die Mechatronik ist also Ausdruck der technischen Weiterentwicklung?

Ja, das kann man so sagen. In den anderen Ingenieurdisziplinen geht es natürlich auch immer stärker darum, ganzheitliche Entwicklungssysteme zu schaffen, aber in der Mechatronik hat dieses Vorgehen noch eine andere Bedeutung, denn es werden ausschließlich integrierte Systeme konzipiert und konstruiert.

Welche Einsatzgebiete haben die Mechatroniker?

Es ist immer noch so, dass Mechatroniker vor allem in der Produktionstechnik und der Automobiltechnik zum Einsatz kommen. Was sich neu und rasant entwickelt, ist so etwas wie eine mechatronische Medizintechnik bzw. medizinische Gerätetechnik. Auf diesem Feld ist die stärkste Entwicklung zu beobachten. Generell gibt es aber auch übergreifende Trends. In den etablierten Bereichen der Produktionstechnik wird das Thema Energieeffizienz noch eine Menge an Veränderungen bringen. Wenn der Energieverbrauch mehr Gewicht bekommt, werden in der Handhabungstechnik zunehmend pneumatische Systeme durch elektrische Aktoren und Antriebe ersetzt. Die Notwendigkeit zur Energieeffizienz und der entsprechende Druck durch den Gesetzgeber werden in den nächsten Jahren den Technologiewechsel vorantreiben.

Ihre Absolventen haben also beste Berufsaussichten?

Das Mechatronikstudium ist ein hartes Studium, aber die Absolventen können sich hinterher die Jobs aussuchen. Sie müssen nur überlegen, ob sie lieber in ein kleines oder in ein großes Unternehmen wollen und in welcher Region von Deutschland sie arbeiten möchten. Aber das gilt allgemein für die ingenieurwissenschaftlichen Fächer. Neben den Mechatronikern werden vor allem auch Elektroingenieure nachgefragt, da hier die Lücke zwischen den geringen Studenten- und Absolventenzahlen und der Zahl offener Stellen am größten ist.

Die Mechatronikstudiengänge sind noch recht jung, andererseits gibt es in der Praxis doch wohl schon länger Ingenieure, die im Grunde nach mechatronischen Prinzipien arbeiten. Sie haben lange im Dynamowerk von Siemens gearbeitet. Wie war es dort?

Wenn ich heute mit ehemaligen Kollegen spreche, dann begreifen sie das, was sie tun – und schon immer getan haben – inzwischen tatsächlich auch als einen Entwurfsprozess für ein mechatronisches System. Vor zehn Jahren haben wir den Begriff Mechatronik nicht benutzt. In anderen Branchen sind aber auch Ende der 1990er-Jahre bereits hochintegrierte mechatronische Systeme von Leuten gemacht worden, die sich selbst als Mechatroniker verstanden.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit der Industrie?

Es war noch nie so einfach, Drittmittel aus der Industrie einzuwerben – vor allem auch von mittelständischen Unternehmen, die wesentlich stärker als noch vor zehn Jahren den Kontakt zu Universitäten suchen. Sie sind stark an Kooperationen mit Uni-Instituten interessiert, da sie einen Kapazitätsmangel haben und Forschungs- und Vorentwicklungstätigkeiten auslagern möchten, aber auch, um Kontakt zu Absolventen zu bekommen, diese frühzeitig einschätzen zu können.

Sind Mittelständler attraktiver geworden?

Es hat sich unter den Absolventen schon herumgesprochen, dass Mittelständler zwar oft weniger zahlen, ihre Mitarbeiter aber in besonderer Weise wertschätzen, sie beispielsweise in Krisenzeiten nicht so schnell freisetzen.  

  • Dr. Manfred Burazerovic

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