Arbeitsmarkt 23.12.2011, 12:03 Uhr

Dopplungen in der Arbeitsmarkt-Statistik

Mehr als 900 000 offene Stellen wurden in Deutschland im dritten Quartal gezählt, gut die Hälfte davon wurde von den Unternehmen gemeldet. Die Bundesagentur für Arbeit schließt nicht aus, dass freie Positionen doppelt erfasst werden.

Knapp 920 000 freie Stellen wurden im dritten Quartal dieses Jahres von der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Deutschland registriert. Davon wurden rund 496 000 von den Unternehmen gemeldet, 425 000 freie Positionen wurden vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung durch Unternehmensbefragungen per Telefon ermittelt.

Damit liegt die Zahl der freien Stellen in einer Größenordnung, die der Maschinenbau-Ingenieur Frank Krämer (Name geändert) kaum glauben kann. Mehr als 900 Bewerbungen hat er abgeschickt, nachdem er durch Massenentlassungen zweimal arbeitslos geworden war. Manchmal erhielt Krämer, der mittlerweile unbefristet in einer Forschungseinrichtung arbeitet, noch nicht einmal eine Absage.

„Dass wir in Deutschland einen Ingenieurmangel haben sollen, finde ich schon etwas erstaunlich“, sagt der 55-jährige Krämer. „Ich habe mich schon auf Stelleninserate beworben, die perfekt auf mein Profil zugeschnitten waren, aber nie eine Antwort erhalten.“

Stellen werden auf dem Arbeitsmarkt häufig doppelt ausgeschrieben

Besonders verwundert sei er über diese häufigen Absagen nicht mehr. Denn er wisse aus Erfahrung, dass sich hinter mancher Stellenanzeige gar keine Vakanz befinde. Aus den Jahren, in denen er in einer Zeitarbeitsfirma angestellt war, kenne er die Praxis, dass eine von einem Industrieunternehmen ausgeschriebene Stelle analog noch einmal ausgeschrieben wurde.

„Wenn wir keine Fachkraft in unserem Pool hatten mit dem geforderten Profil, hat unser Unternehmen selbst ein entsprechendes Stellenangebot rausgeschickt“, sagt Krämer. Und da so etwas kein Einzelfall sei, könne es passieren, dass eine einzige Stelle mehrfach ausgeschrieben werde. Er kenne auch den Fall, dass Stellenangebote mit unterschiedlichen Anforderungen rein prophylaktisch inseriert würden nach dem Motto: „Lieber eine Stelle zu viel als zu wenig.“

Zeitarbeitsfirmen fehlen oftmals Spezialisten

Zeitarbeitsfirmen hätten oft das Problem, dass sie die Nachfrage der Industrie nach Spezialisten nicht bedienen könnten. „Ich bin einmal als Spezialist für optische Systeme in eine Firma geschickt worden, ohne ausreichend für diese sehr komplizierte Aufgabe qualifiziert zu sein“, berichtet Krämer. „Die Firmen wollen ja mit einer Leihkraft Know-how kaufen, und wenn man das dann nicht mitbringt, kann es zu rechtlichen Auseinandersetzungen kommen, bei denen man dann zwischen den Stühlen sitzt.“

Denn aufklären dürfe man die Fehlbesetzung nicht, da dies eine Illoyalität gegenüber dem eigenen Arbeitgeber darstellen würde. „Das Problem liegt natürlich auch darin, dass die Industrie übersteigerte Ansprüche an Leihkräfte stellt, insbesondere an Ingenieure“, sagt Krämer. Die Zahl der Stellenanzeigen erhöhe sich zusätzlich durch solche Inserate, die zwar Personalnachfrage suggerierten, die aber ausschließlich der Eigenwerbung des Industrieunternehmens, Personalvermittlers oder Consultants dienten.

Attilio Berni, Manager des weltweit vertretenen Personalvermittlers Manpower, kann solche Beobachtungen nicht bestätigen. „Wir schreiben keine Stelle aus, ohne einen Kundenauftrag zu haben. Diese Praxis würde nur zu Verwirrung führen und wäre Bewerbern gegenüber nicht fair“, so Berni gegenüber den VDI nachrichten. Wenn beispielsweise ein Ingenieur Schwierigkeiten habe, einen Arbeitsplatz zu finden, dann liege das womöglich entweder daran, dass er neben seinem Studium zu wenig praktische Erfahrung gesammelt habe oder aber in Vorstellungsgesprächen seine Fähigkeiten nicht überzeugend habe präsentieren können.

Arbeitsmarkt: BA hält Erfassung von Mehrfachausschreibungen für möglich

Die Bundesagentur für Arbeit hält indessen Dopplungen in der Statistik für denkbar. Dass Mehrfachausschreibungen von der Statistik der Bundesagentur erfasst würden, sei nie völlig auszuschließen, räumt eine Sprecherin der BA ein. Das passiere beispielsweise dann, wenn ein Unternehmern gleichzeitig die BA und eine Zeitarbeitsfirma einschaltet. Bei Stellen für hoch Qualifizierte würde die BA tendenziell seltener eingeschaltet als bei Stellen für gering Qualifizierte. Auch gebe die Statistik nicht wieder, wie viele Beschäftigte unterhalb ihrer Qualifikation arbeiten.

Derweil geht aus einer weiteren Betriebsbefragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hervor, dass knapp ein Viertel aller im Jahr 2010 neu besetzten Stellen über die Nutzung persönlicher Kontakte vergeben worden sei. Ein weiteres Viertel entfalle auf Stellenangebote in Zeitungen und Zeitschriften. Ungefähr jede siebte Stelle werde über die Arbeitsagenturen besetzt, ebenfalls jede siebte Stelle über Stellenbörsen im Internet. Private Arbeitsvermittler, Inserate Arbeitsuchender und die Auswahl aus Leiharbeiternehmern spielten dagegen eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Ein Beitrag von:

  • Lars Wallerang

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