Traurig, aber wahr 13.02.2004, 18:28 Uhr

Don´t call us, we call you? – Probier´ es anders herum!

Die Zeit der Frei-Sprech-Telefonate ist vorbei. Heute sind Headhunter-Anrufe mit dem verschwörerischen Entree „Können Sie frei sprechen?“ selten geworden. Unaufgeforderte Jobangebote – davon können auch Ingenieure nur träumen. Doch was viele nicht wissen: Das Prinzip funktioniert auch andersherum.

Jobsucher oder Wechselwillige können sich selbst einem Headhunter anbieten. Das kostet nichts, und mit ein bisschen Glück vermittelt der Personalberater sogar einen neuen Job. Markwolf Kuhn, Partner bei der Personalberatung KMCG in Kronberg, sagt: „Eine Initiativbewerbung kann durchaus Sinn machen.“ Seit über 20 Jahren ist der studierte Ingenieur in der Direktsuche (Executive Search) tätig, hilft Unternehmen also dabei, Top-Führungspositionen zu besetzen. Derzeit erhält Kuhn fünf bis zehn Initiativbewerbungen pro Tag, meist per E-Mail. Die Chancen, dass ein solcher so genannter Jobseeker über den Headhunter in eine neue Position kommt, sind nicht schlecht. Kuhn: „Gerade letzte Woche habe ich einen solchen Kandidaten in ein Mandat gebracht.“
Viele Bewerber verderben sich allerdings von vornherein ihre Chancen. „Die meisten Unterlagen sind völlig unspezifisch“, ärgert sich Klaus Christians, Vice Chairman Europe bei der Personalberatung I.I.C. Partners. Häufiger Mangel: „Oft fehlen selbst einfache Angaben, etwa, ob der Kandidat umziehen will oder wie viel er gegenwärtig verdient“, so Christians. Außerdem hapere es bei konkreten Informationen über bisherige Tätigkeit, Verantwortungsbereich und Umfeld. Der Headhunter rät motivierten Bewerbern: Statt den üblichen Packen aus kopierten Zeugnissen und einseitigem Lebenslauf zu schicken, sollten die Jobsucher lieber einen ausführlichen und vor allem aussagekräftigen Werdegang (bis zu drei Seiten) einreichen.
Markwolf Kuhn von der Personalberatung KMCG beanstandet ebenfalls Aufbau und Stil vieler Bewerbungen. „Oft schreiben die Jobseeker seitenlang über Zielvorstellungen und ihr Persönlichkeitsprofil – und der sehr wichtige Hinweis auf Vorbildung und professionelle Erfahrung kommt erst ganz hinten.“ Er empfiehlt folgenden Aufbau: Erst die Basisdaten und Ausbildung, dann die bisherigen Arbeitgeber und Positionen zeitlich rückwärts darzustellen.
Initiativbewerber mit schwammigen Unterlagen können sich auch bei Manfred Schulze auf etwas gefasst machen. Bisweilen gibt der ehemalige Chef der Hamburger SCS Personalberatung den jungen Bewerbern auch Nachhilfe in Sachen Selbstvermarktung. „Ich frage die Leute immer: Was ist Ihre Spezialität, was können Sie 150-prozentig?“ Weitere Tipps des Headhunters: „Machen Sie eine Liste mit Zielfirmen und Ansprechpartnern und beschreiben Sie, warum sich diese Personen für Sie interessieren sollte.“
Dass die Personalberater auf genauen Angaben bestehen, hat einen einfachen Grund: Nur so können sie Geld verdienen. Denn in der derzeitigen Wirtschaftsflaute leben die Headhunter davon, den Unternehmen aus ihrem Bestand unaufgefordert Kandidaten anzubieten (so genannte Kaltakquise). Und die funktioniert nur, wenn der Bewerber seine Vorzüge möglichst genau dem Headhunter vermittelt.
Bewerbungen nach dem Prinzip Gießkanne bringen also nichts. Aber welche Personalberatung ist überhaupt an Ingenieuren interessiert? Die einfache Antwort lautet: Alle. „Ingenieure werden heute überall eingesetzt – deshalb lohnt es sich, bei fast allen Personalberatungen anzuklopfen“, sagt Klaus Christians von I.I.C. Partners.
Eine Branchenübersicht gibt es bei der Vereinigung Deutscher Executive-Search-Berater (VDESB) und anderen Organisationen (siehe unten). Insgesamt gibt es über 2300 Headhunter jeder Größe in Deutschland – von der kleinen Boutique bis hin zu Branchenriesen wie Heidrick & Struggles, Korn/Ferry oder Spencer Stuart.
Angst vor großen anglophilen Namen ist übrigens nicht angebracht. Auch internationale Konzerne sind für Initiativbewerbungen offen. „Die Frage ist vielmehr: Geraten Sie an jemanden, der sich für Sie engagiert?“, erklärt Branchenkenner Schulze. Und damit die Mappe – übrigens am besten ohne Zeugnisse – auf dem richtigen Tisch landet, sollte direkt auf dem Deckblatt stehen, um welche Branche es geht. Die großen Personalberatungen sind nämlich in so genannte Practise Groups aufgeteilt, die nur bestimmte Industrien bedienen.
Und noch ein Tipp: Mappe schicken ist okay, auf Anrufe dagegen reagieren die meisten Headhunter allergisch. Ein bisschen Glück gehört natürlich auch dazu, mit einer Initiativbewerbung beim Headhunter weiterzukommen. Doch es kommt vor. „Wenn wir gerade ein passendes Projekt haben, dann laden wir die Leute mitunter sofort ein“, sagt Personalberater Christians.
Aber eben nur dann. Wer mit seiner Mappe in der Datenbank landet, hat dagegen schlechte Karten. Denn da schauen die Herren Kopfjäger nur selten hinein. „Wir fangen bei jeder Suche von vorne an“, gibt ein Insider zu.
Bleibt die alles entscheidende Frage: In welchen Branchen geht für Ingenieure zurzeit überhaupt noch etwas? Headhunter Christians fasst den Trend so zusammen: „Bei kleineren und mittleren Unternehmen werden Ingenieure als Nachfolger in der Produktion gesucht, außerdem sind junge Spezialisten für SAP gefragt -und die IT kommt aauch langsam wieder in Tritt.“ CONSTANTIN GILLIES

Ein Beitrag von:

  • Constantin Gillies

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