Dienstleistung 03.10.2008, 19:37 Uhr

Dienstleister: Die Speerspitze innovativer Personalgewinnung  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 2. 10. 08, ws – Auf 18,5 Mrd. € schätzt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln) die durch den Fachkräftemangel 2008 entstandene Wertschöpfungsminderung. Mit welchen Rekrutierungsinstrumenten produzierende Unternehmen und technische Dienstleister versuchen, Mitarbeiter zu gewinnen, und welchen Erfolg sie dabei erzielen, hat das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart, untersucht. Die VDI nachrichten sprachen mit IAO-Mitarbeiter Bernd Bienzeisler.

Bienzeisler: Das kommt auf das Projekt an. Wenn Sie für ein komplexes Engineering Projekt, womöglich im Ausland, einen Projektleiter suchen, werden Sie anders suchen als für die Abwicklung eines Standardprojektes im Inland. Generell gilt aber: je anspruchsvoller die Tätigkeit, desto anspruchsvoller die Personalgewinnung.

VDI nachrichten: Welche Formen der Bewerber-Ansprache haben gute Erfolgsaussichten, welche „Kanäle“ werden noch nicht ausreichend genutzt?

Bienzeisler: Wir haben beobachtet, dass der direkte und persönliche Kontakt zwischen Unternehmen und Bewerbern wichtiger wird. Vor allem müssen diese Kontakte nicht nur hergestellt, sondern auch über eine gewisse Zeit gepflegt werden. Denn gerade im Projektgeschäft ist der Personalbedarf ungleichmäßig. Die hohe Kunst der Personalgewinnung ist es, rasch eine kritische Masse qualifizierter Leute zu finden.

VDI nachrichten: Sie haben auch deutliche Unterschiede in der Rekrutierungspolitik von technischen Dienstleistern und produzierenden Firmen gefunden. Was kann man von den Dienstleistungs-Unternehmen lernen?

Bienzeisler: Dienstleister leben stärker in der Projektwelt, haben in der Regel eine höhere Fluktuation und haben ihre Rekrutierung teilweise darauf abgestimmt. Sie arbeiten stärker mit Hochschulen zusammen, nutzen gezielter Events, Veranstaltungen und unkonventionelle Maßnahmen wie „Mitarbeiter werben Mitarbeiter“. Außerdem gleichen Dienstleister Auslastungsspitzen stärker über „freie Mitarbeiter“ aus, während produzierende Unternehmen Zeitarbeiter bevorzugen. Der Unterschied ist, dass freie Mitarbeiter kaum über Zeitarbeitsagenturen gewonnen werden. Stattdessen müssen die Unternehmen selbst den Kontakt zu diesen Menschen herstellen. Schon aufgrund einer allgemein wachsenden Projekt- und Service-Orientierung bilden technische Dienstleister gleichsam die Speerspitze innovativer Personalgewinnung.

VDI nachrichten: Ein Rekrutierungs-Instrument, das von Firmen als erfolgreich bewertet wird, ist die Mitarbeitergewinnung über Kunden und Kooperationspartner. Das bedeutet, . . . ?

Bienzeisler: . . . dass sich die stärkere Integration der Unternehmen entlang von Wertschöpfungsketten auch im Personalwesen niederschlägt. Die Folge sind häufigere und schnellere Wechsel zwischen Arbeitgebern, die ähnliche Leistungen anbieten.

VDI nachrichten: Vergrault man durch solche Abwerbe-Aktionen nicht langfristig wichtige Geschäftspartner?

Bienzeisler: Das muss nicht sein. Denken Sie an große Beratungsgesellschaften. Hier ist es normal, dass die Leute zum Kunden wechseln. Das kann sogar förderlich sein, wenn von diesen Personen wieder Aufträge zurückkommen. Im mittelständischen Maschinenbau kann sich das natürlich anders darstellen und zu Problemen führen.

VDI nachrichten: Wenn – wie das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln schätzt – in Deutschland 95 000 Ingenieure fehlen, ist die Optimierung der Recruiting-Politik da nicht ein Tropfen auf den heißen Stein?

Bienzeisler: Unternehmen handeln in der Regel betriebswirtschaftlich. Und außerdem muss man den Fachkräftemangel differenzierter betrachten. Es gibt Unternehmen, die suchen Ingenieure, erhalten auch viele Bewerbungen, können die Stelle aber dennoch nicht besetzen. Gesucht werden letztlich keine Diplome, sondern Menschen mit speziellen Fähigkeiten. Meine These ist: Selbst wenn wir 95 000 Ingenieure mehr hätten, gäbe es in den Unternehmen Fachkräftemangel.

VDI nachrichten: Wie sollten Firmen sich verhalten, damit die neuen Mitarbeiter, aber auch die bewährten Fachkräfte nicht „abspringen“?

Bienzeisler: Auch wenn es paradox klingt: Man kann den Unternehmen nur raten, alles zu tun, damit ihre Fachkräfte die Möglichkeit haben, abspringen zu können. Denn wenn Mitarbeiter das Gefühl haben, ein Unternehmen setzt sich aktiv für die Steigerung ihrer eigenen Beschäftigungsfähigkeit ein, werden sie nicht gehen.

VDI nachrichten: Werden Ingenieurgehälter in absehbarer Zukunft in ungekannte Höhen klettern oder gibt es andere erfolgversprechende Wege der Mitarbeiterbindung?

Bienzeisler: Was wichtiger als Geld wird, ist das Image eines Unternehmens als Arbeitgeber. Unternehmen, die Stabilität, Authentizität und soziale Verantwortung vermitteln, haben gute Chancen, die besten Leute zu bekommen. Hinzu kommt natürlich ein innovatives Recruiting. Darunter verstehen wir eine auf die Unternehmenssituation abgestimmte Kombination unterschiedlicher Instrumente zur Personalgewinnung, die darauf abzielen, ein Beziehungsnetzwerk zu Kandidaten aufzubauen und zu pflegen. Dabei spielt auch Technik eine Rolle, z. B. in Form von Freelancer-Portalen oder Bewerberdatenbanken.

VDI nachrichten: Sie haben auch untersucht, ob Personalabteilungen schon fit für die strategische Aufgabe der Personalgewinnung sind.

Bienzeisler: Insbesondere bei Klein- und mittelständischen Unternehmen fehlen oft die notwendigen Aufbau- und Ablaufstrukturen für eine systematische Personalgewinnung. Auch wird noch zu selten die strategische Funktion des Personalwesens erkannt. Das liegt unter anderem daran, dass die Kosten der Rekrutierung unmittelbar im HR-Bereich auflaufen, die „Erträge“ einer erfolgreichen Personalgewinnung sich aber erst mittel- bis langfristig zeigen und an ganz anderen Stellen verbucht werden. Hier gilt es, noch Überzeugungsarbeit zu leisten.

DAGMAR HESS

Von Dagmar Hess
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