Präsentation 15.01.2010, 19:44 Uhr

Die Rückkehr der Handzeichnung  

Kein Vortrag scheint noch ohne sie möglich: PowerPoint-Präsentationen. Manager sollten wieder öfter zum Filzstift greifen – und den Laptop beiseite legen. Denn mit einer Handzeichnung lässt sich jede Botschaft besser unterstützen, ganz gleich, ob es sich um einen Vortrag, ein Verkaufsgespräch oder eine ganz normale Sitzung handelt. Das behauptet zumindest der Berater Dan Roam. VDI nachrichten, Bonn, 15. 1. 10, cha

Eine Power-Point-Präsentation ist Horst Wildemann nicht genug. Als er sein Münchner Management Kolloquium mit einem Vortrag eröffnet, hat er gleich zwei Leinwände, zwei Beamer und zwei Rechner aufbauen lassen. So kann der Professor noch mehr zeigen: In Wildemanns Rücken laufen zwei Präsentationen zur gleichen Zeit, jede seiner Folien ist vollgepackt mit Daten, Fakten und Argumenten.

Zwar gilt Wildemann als Beraterpapst der Autoindustrie, Fertigungsleiter wie Vorstände suchen seinen Rat, aber seine Eröffnungsrede vor ein paar Jahren war kein Glanzlicht, sondern ein Folien-Tsunami. Mit solchen Flutwellen ist Dan Roam vertraut. „Tod durch Power-Point“, witzelt der Präsentationsexperte aus Kalifornien, „nach fünf Minuten schaut bei solchen Referenten keiner mehr hin.“ Viele Präsentationen sind in seinen Augen zu komplex und zu lang.

„Powerpoint ist in der Geschäftswelt keine Lösung, sondern längst ein Problem“, meint Roam. Aus dieser Kritik hat er seine berufliche Leidenschaft entwickelt, er zeigt Unternehmen in aller Welt, wie Vorträge auch ohne Beamer und Powerpoint gut werden. Der Titel seines Buches ist gleichzeitig Roams Programm: „Auf der Serviette erklärt“. Der Berater aus dem Sonnenstaat predigte schon in Hunderten von Vorträgen die Rückkehr zum Altbewährten – der Handzeichnung mit Stift und Papier.

Wer das Lernbuch aufschlägt, erkennt sofort, was Roam meint: Die Seiten sind voller Comics. Da laufen Strichmännchen durchs Bild, Hände zeigen auf die richtige Lösung, die Charaktere denken und reden in Sprechblasen. Dieser Stoff erläutert immer wieder das Grundthema. Wer zeichnet, spricht in Bildern, das ist die einfachste und überall verstandene Kommunikation.

Die Ausrede „Ich kann nicht malen“, lässt Roam nicht gelten. Seine Regel Nummer eins lautet: „Jeder ist ein guter Zeichner.“ Manager sollten die verständliche Angst vor dem Griffel überwinden, jeder freue sich über den Comic an der Tafel. Regel zwei: Einfache Bilder reichen. Das Gebäude mit Zackendach und Schornstein ist die Fabrik, das Strichmännchen mit Glatze der Verkäufer, jenes mit Brille auf der Nase der Kunde, die hingekritzelte Deutschlandkarte der Markt. Pfeile zeigen Beziehungen, ein Blitz markiert den Konflikt. Hat einer der Protagonisten eine Idee, kommt in die Sprechblase eine Glühbirne. „Mit so einer Handzeichnung, nach und nach entwickelt, lässt sich ein zweistündiger Vortrag bestreiten“, sagt der Buchautor. Aufmalen klärt die Idee, weil sie den Referenten zwingt, Kompliziertes einfach zu machen. „Plötzlich klappt die Kommunikation wieder“, beschreibt Roam den Effekt.

Das Hirn könne jederzeit einfache Bildsignale aufnehmen und diese zu einer Geschichte verknüpfen. Deshalb eignete sich die Handzeichnung für Vorträge, Verkaufsgespräche und Berater-Präsentationen ebenso wie für jede Produktschulung. „Wenn erst einmal die Angst vor dem vermeintlich Simplen überwunden ist, klappt es immer“, schwört der US-Autor. Zudem braucht die Handzeichnung weder Technik noch eine Steckdose.

Mit seinen Comics habe er schon Tausende von Meetings bestritten. „Oft geraten die Teilnehmer regelrecht in Euphorie“, freut sich der Anti-Powerpoint-Prediger. Er hat auch herausgefunden, warum die Begeisterung kommt: Wenn der Beamer kalt bleibt und statt dessen vorne die Strichmännchen aufmarschieren, spreche das die rechte Hirnhälfte der Zuhörer an. Hier sind, so die herrschende Meinung, Gefühle, Kreativität, Imagination und die Wahrnehmung im großen Zusammenhang verankert. Deshalb falle das Verstehen von Bildern so leicht, deshalb haben die Mittel von gestern so viel Erfolg. Die Trainer-Prominenz weiß das längst. Edward de Bono „Die sechs Denkhüte“) oder Werner Küstenmacher („Simplify your Business“) stellen sich an die Tafel und malen Männchen.

Mit seinem neuen Buch kippt Dan Roam eines der Paradigmen westlichen Vortragsstils. Fast immer geht es im Geschäft um Text, Zahlen und Listen. Der Berater aus San Francisco setzt unvollkommene Zeichnungen dagegen. Trotz seines Erfolges mag das nicht jedermanns Geschmack sein, weil Roam damit auch an den Grundfesten mancher Unternehmenskultur rüttelt: Gut kann nur das sein, was kompliziert daherkommt. Sein Werk freilich macht Lust darauf, es zu probieren. Spätestens, wenn die Laptop-Batterie wieder leer ist, ergibt sich die Gelegenheit dafür. AXEL GLOGER

-Dan Roam: „Auf der Serviette erklärt: Mit ein paar Strichen schnell überzeugen statt lange präsentieren“ (280 S., Redline Wirtschaft, München 2009, 19,90 €).

Ein Beitrag von:

  • Axel Gloger

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