Arbeitsmarkt 13.07.2001, 17:30 Uhr

Die Rolle des Menschen im Umbruch der Arbeitswelt

Wenn über Globalisierung geredet wird, dann meistens mit Blick auf Wirtschaft und Finanzmärkte. Weniger Aufmerksamkeit wird dagegen den Menschen entgegengebracht, die sich in dieser Welt zurechtfinden sollen. Vertreter aus Medizin, Wirtschaft und Politik wollten dies kürzlich beim Tübinger Forum anders machen.

Beim ersten interdisziplinären Treffen, das von Universität, Klinikum und Stadt Tübingen gemeinsam veranstaltet wurde, standen der Mensch in der Arbeitswelt und die Auswirkungen der Globalisierung im Mittelpunkt der Beiträge von namhaften Experten und Repräsentanten aus der Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Einig war man sich, dass die Beschäftigten heute auf ganz andere Art gefordert werden, als das noch vor ein paar Jahren der Fall war, denn „einerseits geht die körperliche Belastung zurück, andererseits nimmt der psychomentale Stress zu“, so Prof. Dr. Michael Bamberg, der Ärztliche Direktor des Klinikums.

Eine sichere Prognose, wie eine weltweit agierende Gesellschaft funktionieren könnte, lässt sich momentan nicht stellen. „Von einem globalen Arbeitsmarkt zu sprechen ist noch verfrüht“, bemühte sich Dr. Wilhelm Rall, Director von McKinsey & Company, Inc., um eine Standortbestimmung. Davon könne erst die Rede sein, wenn die Arbeitskräfte direkt im internationalen Wettbewerb stünden. Doch wer sind dann die Gewinner und wer die Verlierer?

Das Management, „ein kleiner Markt mit hoher Schwungmasse, wird von der Globalisierung profitieren“, davon ist Rall überzeugt. Den wirtschaftlichen Führungskräften prophezeit er bessere Arbeitsangebote und höhere Gehälter. Weniger gut steht es dagegen um die große Mehrheit der geringer Qualifizierten. Sie müssen mit der Auslagerung ihrer Arbeitsplätze rechnen. „Das Recht auf einen spezifischen Arbeitsplatz gibt es nicht mehr. Von diesem Gedanken muss man Abschied nehmen, denn jede Verteidigungsstrategie, die dazu dienen soll, Dinge zu zementieren, ist gegen die Kräfte des Marktes gerichtet.“

„Globalisierung bewirkt eine Beschleunigung des wirtschaftlichen Strukturwandels, der wiederum die Leistungskraft erhöht“, so Rall. Doch in wieweit der Mensch den damit verbundenen Belastungen gewachsen ist, und ob er in der Lage ist, sich auf immer neue Denkansätze einzustellen, ist fraglich. Schon jetzt hat der Slogan vom „lebenslangen Lernen“ seine Kratzer abbekommen. Denn wie die Praxis zeigt, gibt es nur wenige Menschen, die in der Lage sind, ständig für sie fundamental Neues aufzunehmen und zu verarbeiten.

Kein Wunder also, dass angesichts der Globalisierungstendenzen die Rede immer wieder von der Polarisierung bzw. Spaltung der Gesellschaft ist. Die Vorstellungen darüber, was da gespalten wird, sind allerdings recht unterschiedlich. Für Dr. Roman Friedrich, Mitglied der Geschäftsleitung der Booz Allen & Hamilton GmbH, ist es die digitale Spaltung, die einen Keil zwischen Alt und Jung treiben könnte. „Der klassische Internet-Surfer ist zwischen 14 und 19 Jahre alt, besucht das Gymnasium und lebt in der Großstadt“ , so Roman Friedrich. „Doch rund 21 Mio., meist ältere Bürger, haben in Deutschland keinen Zugang zum Netz.“ Seine Befürchtung ist genereller Natur, nämlich, dass diesen 21 Mio. wichtige Informations- und Kommunikationsquellen verschlossen bleiben. Wenn jeder einen Internet-Anschluss hätte, könnte dieser Entwicklung entgegengewirkt werden, so seine Sicht der Dinge.

Edzard Reuter, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Daimler-Benz AG, schien nach diesen Ausführungen mehr als erstaunt über die ungebrochene Zuversicht, „mit der man an die Probleme der heutigen Zeit herangeht“. Schon in einem Unternehmen sei es schwierig, verschiedene Kulturen zusammenzubringen, gab er zu bedenken. Die Globalisierung führe deshalb umso mehr zu einer tief greifenden Verunsicherung der Menschen.

Neben denen, die sich heute die bange Frage stellten, wie die Welt von morgen für sie wohl aussehen könnte, existiere eine Spaßgesellschaft, die sich die Freiheit nimmt, das Leben schrankenlos zu genießen. „Sie ist der Meinung, immer neue Firmengründungen und der Shareholder Value seien der Garant für ein dauerhaftes Glück“, so Reuter. Diese Vorstellung schien dem ehemaligen Vorstandvorsitzenden überhaupt nicht zu gefallen, „denn in die Zukunft projiziert heißt das, dass die Welt sich in solche aufsplitten, die das schnelle Geld verdienen und solche, die es nicht geschafft haben, sich diesem Trend anzuschließen. Das sei die beste Voraussetzung für einen dauerhaften inneren Frieden“, so Edzard Reuter ironisch. „Wir sind wirklich zu Zeugen einer Revolution geworden. Doch Revolutionen bergen auch bekanntlich die Gefahr, gelegentlich ihre eigenen Kinder aufzufressen“.

Problem sei, dass die Globalisierung nicht als ein kontinuierlicher Prozess ablaufe, sondern eine sprunghafte Entwicklung mit ungewissem Ausgang ist. „Für die Arbeitnehmer ist das eine große Belastung.“ Aber gerade auf die und auf ihre Empfindlichkeit sei ein Unternehmen, das sich vorgenommen habe, noch etwas länger zu bestehen, angewiesen. MONIKA ETSPÜLER

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