Karriere 20.12.2002, 18:23 Uhr

Die Kündigung war sein Glück

Die Karriere von Martin Bonensteffen verlief nach Plan. Doch mit dem Erfolg kam die Leere. Erst der Sprung ins kalte Wasser der Selbstständigkeit brachte ihm schließlich die berufliche Erfüllung.

Die Berufswahl stand für Martin Bonensteffen schon früh fest: „Dass ich Ingenieur werden wollte, war völlig klar.“ Über den zweiten Bildungsweg mit Maschinenschlosser-Lehre und Fachabi landete der Ostwestfale schließlich an der TFH Berlin. Die guten Noten und sein vielfältiges Engagement, z.B. in einem VDI-Arbeitskreis, brachten ihm ein Stipendium für ein Praxissemester in den USA ein.
Dort hatte er ein Schlüsselerlebnis: Bei einem Maschinenprobelauf gerieten Maschinenbetreuer und Kunde kräftig aneinander „Sie stritten wegen eines banalen Missverständnisses“, so Bonensteffen, „aber die Streithähne merkten gar nicht, dass sie meilenweit aneinander vorbei redeten.“ Der Student mischte sich ein, und der Streit war schnell geklärt. „Solche Fähigkeiten kann man im Vertrieb gut brauchen“, lobte sein Chef nachher, ein Satz, der hängen blieb. „Der Kontakt mit Menschen hat mir schon immer Spaß gemacht, und gut verdient wird im Vertrieb ja auch“, dachte er damals, zumal ihm die Praxiserfahrungen bei Borsig und Daimler viele Türen öffneten. So wählte er eine Vertriebskarriere im Mittelstand, „denn ich glaubte, da spült es mich schnell nach oben“.
Er sollte Recht behalten, auch wenn ihn der Einbruch der Ostmärkte nach der Wende bald zum Wechsel zwang. Doch auch bei zwei weiteren Mittelständlern blieb er seiner Linie treu und erfolgreich, zumindest äußerlich: „Ich hatte nun als Vertriebsleiter ein schickes Büro und viele Mitarbeiter, kurz: ich hatte es geschafft, aber innerlich?“ Die Bilder kommen wieder hoch, wie man in Sitzungen stundenlang über neue Maschinen diskutierte, während das Arbeitsklima als unbeeinflussbar wie das Wetter galt: mal sonnig, mal wolkig, manchmal stürmisch. „Wie wir das verbessern können, blieb tabu“.
Dass Menschen nicht wie Zahnräder funktionieren und dass zufriedenere Mitarbeiter mehr Leistung bringen, stand scheinbar nur für ihn fest, „dabei gab es schon damals viele Beispiele, die das klar belegten.“ So blieben seine Vorstöße folgenlos, während er bald als Querkopf galt.
Daran erinnerte er sich, als er eines Tages aus heiterem Himmel die Kündigung bekam, an einem kalten, sonnigen Februartag. Technischer und kaufmännischer Vertrieb wurden zusammengelegt, der Pflegeleichtere der beiden Chefs blieb. Als Martin Bonensteffen in die Sonne heraustrat, fühlte er sich plötzlich unglaublich frei. Sein erster Gedanke: „Jetzt mache ich mein eigenes Ding.“ Und auch wenn die Sorgen, wie er künftig seine Familie ernähren sollte, nicht lange ausblieben, ließ er seinen Traum nicht mehr los: „Ich will einen Beitrag leisten für mehr Offenheit und mehr Miteinander in den Unternehmen“. Doch der Weg in die Selbstständigkeit war voller Hindernisse. „Sparen war nie meine Stärke, also plante ich, erneut einen Job zu suchen und dann Geld zur Seite zu legen, doch das Leben wollte es anders“, sagt er heute. Die Jobs, die er wollte, bekam er nicht, und die Zusagen kamen von Firmen, gegen die er sich längst entschieden hatte. Also doch der Sprung ins kalte Wasser, jetzt und ohne Absicherung. Er begann als freier Berater für kleine Firmen in Marketing- und Vertriebsfragen. Eines Tages dann ein Anruf: „Machst Du eigentlich auch Seminare?, fragte mich ein Freund, und kurze Zeit später hatte ich einen Auftrag mit einer Auslastung für ein Jahr.“ Irgendwie geht im richtigen Augenblick die richtige Tür auf, wenn es eine Herzenssache ist, glaubt er rückblickend. So wie auch 2000, als er schließlich, wie er sagt, „dem Dialog begegnete“.
Eine Bekannte nahm ihn mit auf ihr Dialog-Seminar und gab so den Anstoß zur Ausbildung „Dialogue Facilitator“. Nach dem Vorbild von David Bohm vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) wird dort das „miteinander Denken“ vermittelt, mit Hilfe dessen aus Gruppen synergetische Spitzenteams werden. In dieser Form des Dialogs ist für typisches Rollendenken kein Platz. Mit ehrlichen Bekenntnissen der eigenen Motivation und der üblicherweise geschickt überspielten eigenen Probleme geht es los, und dann: offen miteinander reden, aufrichtig zuhören und Lösungen finden. „Die Kraft, die in einem echten Dialog entsteht, ist faszinierend“, sagt Martin Bonensteffen. Plötzlich war er am Ziel, das ihm den weiteren Weg vorgab.
Seitdem bietet er Seminare für Teamentwicklung an, die vornehmlich Unternehmern und Geschäftsführern mehr Kompetenz im täglichen Umgang mit ihren Mitarbeitern und Kunden verschaffen können, „wenn sie sich an diese neue Offenheit herantrauen“. Oft ist die Überraschung der Teilnehmer groß, dass ihnen ein Ingenieur gegenüber sitzt, der ihr Geschäft kennt und ihnen zugleich psychologische Hilfestellungen für verzwickte Probleme im Umgang miteinander gibt.
„Wir können nur die Dinge wirklich wissen, die wir selbst erfahren haben“, sagt Bonensteffen, „deshalb gehe ich auch gern mit meinen Kunden in einen Hochseilgarten.“ Hier spüren die Teilnehmer etwa, dass nur der helfen kann, der selbst einen sicheren Stand hat. Auf dem „Abenteuerspielplatz für Erwachsene“ wird schnell klar, wer immer vorne weg will, wer alles planen will und wie bei Problemen plötzlich alle durcheinander reden. „Lernen durch Erleben“, nennt er das und freut sich jedes Mal, wie schnell die Einsicht kommt.
Doch das Verinnerlichen braucht Zeit, deshalb geht die Arbeit Martin Bonensteffens nach Kursende oft mit persönlichen Coachingaufträgen noch weiter. Für ihn ein Vertrauensbeweis, mehr jedoch nicht: „Ich glaube, dass ich niemanden etwas lehren kann, ich kann ihm nur helfen, Neues in sich selbst zu finden.“

Ein Beitrag von:

  • Andreas Leimbach

Themen im Artikel

Stellenangebote im Bereich Verwaltung

Uniper SE-Firmenlogo
Uniper SE Trainee Program – Asset Risk (m/f/d) Düsseldorf
Stadt Leipzig-Firmenlogo
Stadt Leipzig Architektin / Architekt oder Bauingenieurin / Bauingenieur zur Prüfung komplexer Bauvorhaben (m/w/d) Leipzig
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Die Autobahn GmbH des Bundes Bauingenieur / Verkehrsingenieur (m/w/d) als Experte Kreuzungs- und Leitungsrecht Halle (Saale)
Bundeswehr-Firmenlogo
Bundeswehr Akademikerin / Akademiker (m/w/d) als Offizier/in deutschlandweit
Bundeswehr-Firmenlogo
Bundeswehr Beamtenausbildung: Gehobener Dienst – Wehrtechnik (m/w/d) Mannheim
Emerson Automation Solutions AVENTICS GmbH-Firmenlogo
Emerson Automation Solutions AVENTICS GmbH Business Development Manager for TopWorx (m/f/d) – DACH Region verschiedene Standorte
Eisenbahn-Bundesamt (EBA)-Firmenlogo
Eisenbahn-Bundesamt (EBA) Ingenieurinnen / Ingenieure (m/w/d) (FH-Diplom / Bachelor) Fachrichtung Bauingenieurwesen oder vergleichbar Saarbrücken, Frankfurt am Main
Eisenbahn-Bundesamt (EBA)-Firmenlogo
Eisenbahn-Bundesamt (EBA) Ingenieurinnen / Ingenieure (m/w/d) Fachrichtung Bauingenieurwesen Köln, Essen
Eisenbahn-Bundesamt (EBA)-Firmenlogo
Eisenbahn-Bundesamt (EBA) Ingenieurin / Ingenieur (m/w/d) Studienrichtung Bau-/Verkehrsingenieurwesen Dresden
Kreisausschuss des Hochtaunuskreises-Firmenlogo
Kreisausschuss des Hochtaunuskreises Ingenieur (m/w/d) Architektur Bad Homburg v. d. Höhe

Alle Verwaltung Jobs

Top 5 Arbeitsmar…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.