Frauen-Netzwerk 25.03.2011, 19:52 Uhr

Die Hälfte der Macht ist noch weit entfernt

„Women of Windenergy Deutschland“, so heißt der Verein, der am 6. April auf der Hannover Messe gegründet wird. Angefangen hat alles mit einem Netzwerk, das auf der Husum Windenergy im vergangenen Herbst ins Leben gerufen wurde. Inzwischen zählt es 126 Mitglieder, allesamt weiblich versteht sich. Ihr Ziel: mehr Frauen für die Windbranche zu gewinnen. Grund dazu haben die Netzwerkerinnen allemal: Der Frauenanteil in der Windindustrie in Deutschland liegt derzeit bei 20 %, nur 10 % sind es in der Führungsetage.

Es war ein Experiment: Die Wissenschaftler, die das Verhalten von Fischen untersuchten, legten eine gläserne Decke auf ein Aquarium. Das Futter, für die Fische deutlich sichtbar, schwamm über der Scheibe. Erst stießen die Tiere immer wieder gegen das unsichtbare Hindernis, dann lernten sie, dass die Nahrung für sie unerreichbar war.

Das Erstaunliche folgte, als die Forscher die Scheibe entfernten: Auch jetzt ignorierten die Tiere das reichhaltige Nahrungsangebot, das für sie jetzt ohne Barriere erreichbar gewesen wäre. Doch die Fische hatten zu gründlich gelernt, dass sie sich auf dem Weg zum Futter ein blutiges Maul holten.

Dieses Bild der „gläsernen Decke“ ist seit den 80er-Jahren die Illustration für die mangelnden beruflichen Aufstiegschancen von Frauen. Es gibt keine sichtbaren Hindernisse auf dem Weg in die obersten Schaltzentralen der Unternehmen, im Gegenteil, nach außen wird mittlerweile vielfach die besondere Förderung von Frauen propagiert.

Doch die Wirklichkeit hinkt hinterher. Der Anteil weiblicher Führungskräfte betrug 2010 in Deutschland laut Leading Women, einer Vermittlungsagentur für weibliche Führungskräfte, 19,56 %. Die meisten von ihnen arbeiten im mittleren Management. Je höher die Hierarchie, desto männlicher die Runde: Im Topmanagement großer Unternehmen finden sich gerade 6,1 % weibliches Führungspotenzial.

In den Vorständen der 200 umsatzstärksten deutschen Unternehmen waren 2010 nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nur 29 von 906 Mitgliedern Frauen. In den Vorständen der 100 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland außerhalb des Finanzsektors sieht es noch schlechter aus: Keinem steht eine Frau vor. Elf von 490 Sitzen haben Frauen inne. Die Aufsichtsräte der Top-200-Unternehmen weisen einen Frauenanteil von gut 10 % auf – fast alle werden von der Arbeitnehmerseite entsandt.

Die Hälfte der Macht, von der Frauenbewegung häufig gefordert, sieht anders aus. Oder haben die Frauen wie die Fische am Ende verlernt, nach oben zu schwimmen? Die Branche der erneuerbaren Energien, speziell der Windenergie, macht in diesem Fall keine grundsätzliche Ausnahme. 20 % beträgt laut Kommunikationsagentur Kromrey aus Husum der Anteil von Frauen in der Windindustrie, 10 % sind es in der Führungsetage. Und wer sich die großen Player der Branche von Herstellern der Windenergieanlagen über Zulieferer bis hin zu Planungsbüros ansieht, stellt auch hier schnell fest: Der Anteil der weiblichen Führungskräfte geht gegen null.

Die Gründe hierfür sind zahlreich: In der Windbranche sind die meisten Jobs technischer Natur, doch wer sich den Anteil der Studentinnen in Fächern wie Maschinenbau und Elektrotechnik ansieht, dem wird schnell klar, dass es ein großes Potenzial an weiblichen Ingenieuren nicht gibt. So sind laut Hessischem Ministerium für Wissenschaft und Kunst vor allem in den so genannten MINT-Fächern, also in den mathematischen, informationstechnischen, naturwissenschaftlichen oder technischen Studiengängen, Frauen deutlich unterrepräsentiert. Besonders von den für die Energiewirtschaft entscheidenden Ingenieurfächern halten sich die Studentinnen fern: Ihr Anteil bewegt sich aber zwischen (nur) 10 % in der Elektrotechnik und bis zu 27 % im Bauingenieurwesen.

Einen anderen Grund vermutet Hanne May, Chefredakteurin des Magazins Neue Energie und stellvertretende Geschäftsführerin des Bundesverbandes Windenergie: „Die Akteure der Windbranche sehen sich schon als Repräsentanten einer besseren Industrie, da sie die Energiewirtschaft deutlich verändert haben. Eine Frauenförderung erscheint manchem da überflüssig.“ Und: Den Mädchen fehlen Vorbilder – Frauen, die zeigen, dass sie ihren Weg bis in die Führungsetage gehen, und das auch in technischen Berufen.

Um dies zu ändern und auch um den generellen Anteil der Frauen in der Windbranche zu steigern, findet sich derzeit ein Frauennetzwerk zusammen, die Women of Windenergy. Inspiriert von den US-Amerikanerinnen, die bereits seit mehreren Jahren ein gut funktionierendes Netzwerk unterhalten, trafen sich auf der Husum Windenergy im September vergangenen Jahres zum ersten Mal die deutschen Damen der Branche.

Die Stimmung war eindeutig: Auch wir wollen ein Netzwerk, um uns gegenseitig zu stützen, Erfahrungen auszutauschen, Kontakte zu vermitteln und Vorbilder sichtbar zu machen. Mittlerweile haben sich im Internetforum der Husum Wind Energy Community 126 Frauen in der Gruppe der Women of Windenergy registriert. Ein Arbeitstreffen im November 2010 formulierte erste Ziele. „Wir wollen ein Netzwerk von Frauen für Frauen in der deutschen Windenergiebranche sein“, hieß es damals. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Am 6. April wird auf der Hannover Messe der Verein „Women of Windenergy Deutschland“ gegründet.

Der Frauenanteil der Branche solle in allen Bereichen, vor allem auch in der Führungsebene verstärkt werden. Als Mittel könnten dienen: Nachwuchsförderung bereits in der Schule, um Mädchen die Hemmung vor technischen Fächern zu nehmen Fördermaßnahmen für Mädchen in technischen Berufen sowie ein Mentoringprogramm für Studentinnen und Absolventinnen.

„Wir Frauen haben das Problem, dass wir im beruflichen Umfeld nicht netzwerken“, sagt Katharina Knox, eine der Women of Windenergy. Die 29-Jährige leitet in Husum die Gorena GmbH, derzeit noch Tochtergesellschaft der Gothaer.

Auch in der Versicherungswirtschaft seien Frauen rar gesät: „Oft wird bei Sitzungen wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass ich das Protokoll führe oder den Kaffee koche“, sagt sie. Katharina Knox hat die Generalagentur Knox nach dem tödlichen Unfall ihres Vaters übernommen, die dann in eine GmbH unter dem Dach der Gothaer umgewandelt wurde. Dass sie seit Januar 2011 wieder eine Generalagentur ist, macht die Versicherungsquereinsteigerin stolz. „Am Anfang hat man mir das nicht zugetraut.“ Doch offenbar ist es bei den Frauen anders als bei den Fischen: Wenn die gläserne Wand verschwunden ist, dann finden sie auch den Weg zum Futter.

Das Frauennetzwerk Women of Windenergy ist bisher nur über www.husumwindenergy.com zu finden (unter dem Link Wind, Community, Gruppe Women of Windenergy). Um Näheres zu erfahren, ist eine Registrierung nötig.

 

Von Katharina Wolf

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