Arbeitsmarkt für Ingenieure 23.05.2018, 07:36 Uhr

Die digitale Arbeitswelt – was sich ändert und was bleibt

Wer als Ingenieur in der digitalen Welt vorwärts kommen will, muss mehr beherrschen als den Umgang mit Twitter, Facebook, Instagram und Co. Ob es aber auch ein speziell auf die Industrie 4.0 ausgerichtetes Studium sein muss, ist unter Experten umstritten. Als trittfeste Stufe für den Weg nach oben auf der Karriereleiter gelten jedoch Aufbaustudien, die auf die Kernkompetenzen einer zunehmend interdisziplinären Arbeitswelt ausgerichtet sind.

Frau mit Tablet und und Gebäudemodellen vor grauen Wolken

Die Digitalisierung wird große Veränderungen bringen - etwa in der Baubranche, wo heute schon neue Studiengänge entstehen.

Foto: panthermedia.net/WavebreakmediaMicro

Selten ist ein Begriff so vielfältig angewendet worden wie „Industrie 4.0“. Aber nicht überall, wo „4.0“ drauf steht, ist tatsächlich auch Revolutionäres drin. Manchmal ist es bereits der schlichte Einsatz von Informationstechnologien, der mit „4.0“ veredelt wird. Und: „Industrielle Revolutionen sind bisher immer rückblickend als solche qualifiziert worden“, warnt beispielsweise der CEO der German Dry Docks AG in Bremerhaven, Guido Försterling, „wir werden also erst im Nachhinein sehen, wie revolutionär neue Entwicklungen waren.“

BWL und Informatik bleiben beliebtes Zusatzwissen

Dennoch hat der Manager für seine Umbau- und Spezialwerft gerade das Zeitalter „Reparatur 4.0“ ausgerufen. In den kommenden Monaten und Jahren sollen die Prozesse im Hintergrund von Schiffsreparaturen und -umbauten stärker digital gesteuert werden, um die Kosten für die Kunden transparenter zu machen und nach Möglichkeit auch zu senken. Auch wenn sich an der eigentlichen schiffbaulichen Arbeit damit nur wenig ändert, werden sich die Werftingenieure auf neue Aufgaben einrichten müssen: Die Datenverarbeitung wird künftig mehr sein als ein technisches Hilfsmittel in der Konstruktionsabteilung oder der Lagerverwaltung und zu einem zentralen Steuerungsinstrument werden. Denkbar sind sogar neue Geschäftsmodelle, in denen der Kunde seine Instandhaltungsaufträge selbst per Internetkatalog zusammenstellt oder ihm die Werft den gesamten Aufwand um die Instandhaltung per Monatspauschale abnimmt. Für die Schiffbauingenieure spätestens der nächsten Generation bedeutete dies: Sie müssen künftig so reibungslos und eng mit Betriebswirten und Informatikern zusammenarbeiten, wie sie es heute schon mit den Werftarbeitern im Dock und den Reederei-Ingenieuren tun.

Ingenieure mit sehr guten Kenntnissen aus der Betriebswirtschaft oder der Informatik sind heute bereits Alltag in vielen Unternehmen. Zumeist haben sie dieses Know-how durch Weiterbildungsmaßnahmen parallel zur Arbeit, aus persönlichem Interesse oder einfach durch „Learning by doing“ erworben. Für die nachwachsende Ingenieurgeneration wird aber manches komplett anders aussehen. Große Trends wie Industrie 4.0, Energiewende oder Elektromobilität sowie die Digitalisierung des Alltags „werden die Aufgabenprofile für Ingenieure verändern“, betont Lars Funk, der im VDI den Bereich „Beruf und Gesellschaft“ leitet. Für Absolventen und junge Ingenieure, die sich nach den ersten Berufserfahrungen weiter qualifizieren wollen, sei es deswegen ratsam, die technologischen Entwicklungen und ökonomischen Veränderungen sehr genau zu beobachten und zu analysieren. Dazu zählt es auch, gezielt nach zusätzlichen Qualifikationsmöglichkeiten beispielsweise in Betriebswirtschaft und Informatik zu suchen.

Spezialisierung für Ingenieure nicht immer ratsam

Aber auch im neuen industriellen Zeitalter bleibt vieles beim Alten – vor allem der Bedarf an einem soliden Basiswissen bei Ingenieuren. „Sicherlich werden immer wieder Spezialisten benötigt“, meint Funk. Die Zweistufigkeit des Studiums mit Bachelor- und Masterabschlüssen beinhalte die Chance, sich marktgerecht zu spezialisieren: „Die Basis muss solide sein, dann kann man mit dem Master eine passgenaue Spezialisierung darauf satteln“, rät Funk. Von ausgesprochenen Spezialstudiengängen rät er jedoch ab. Vor wenigen Jahren habe es beispielsweise einen Boom in der Fachrichtung Solartechnik gegeben. Doch von heute auf morgen brach der Arbeitsmarkt nahezu vollständig zusammen: „Als die Solar -Industrie in Richtung China abwanderte, gab es hier kaum noch Bedarf für diese spezialisierten Ingenieure.“

Gegen die Spezialisierung spricht auch ein grundlegender Trend in der Industrie zu komplexen Projekten. Die in der Industrie 4.0 verbreitete Team- und Projektarbeit verlangt entsprechende Social Skills. „Interdisziplinäres Arbeiten steht immer mehr im Mittelpunkt und damit auch die Fähigkeit, mit Experten aus anderen Fachrichtungen kommunizieren zu können“, erläutert Funk. Grundsätzlich empfiehlt der VDI-Experte Nachwuchskräften, sich bei der Berufswahl einer alten Tugend zu bedienen: „Wir raten ganz klar, nach den eigenen Neigungen über Branche und Fachrichtung zu entscheiden.“ Zu den fächer- und branchenübergreifenden Angeboten gehört dabei der drei- oder viersemestrige Masterstudiengang Wirtschaftsingenieur, den es als berufsbegleitende oder Vollzeit-Ausbildung mehr als 100 Mal in Deutschland gibt. „Das ist eine eigene starke Disziplin mit einem eigenen Einsatzgebiet an den Schnittstellen zwischen Technik, Vertrieb und Management geworden“, so Funk.

Kommunikative Fähigkeiten sollten Ingenieure mitbringen

Interdisziplinäres Arbeiten, Einsätze an den Schnittstellen von bislang getrennt operierenden Unternehmensbereichen, veränderte Geschäftsmodelle in einer virtuellen Realität und Arbeitswelt – das sind häufig benutzte Stichworte, wenn Experten die Arbeitsplätze von Ingenieuren in einer digitalisierten Industrie beschreiben sollen. Einig sind sich die Fachleute vom Verband des Deutschen Maschinen- und Anlagenbaus (VDMA), des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektroindustrie (ZVEI) und anderer Industrieverbände, dass Ingenieure sicherlich nicht im Detail über alle in Frage kommenden Technikbereiche Bescheid wissen müssen. Aber sie sollten zumindest ein Grundverständnis für andere Disziplinen mitbringen –  und vor allem kommunikative Fähigkeiten und die Bereitschaft, sich mit neuen Entwicklungen auseinanderzusetzen.

Projektarbeit und befristete Beschäftigung könnten zunehmen

Möglicherweise ändert sich in den kommenden Jahren das Rollenbild eines Ingenieurs in der Produktion grundlegend. Zunehmend könnte er die Funktion eines Kontrolleurs und Steuerers übernehmen, der automatisierte Fertigungsprozesse überwacht und Fehler beseitigt. Das klingt zunächst nach einem Rückschritt, ist aber eher das Gegenteil. In dem  Maße, in dem Produktionsprozesse komplexer werden, wachsen auch die Anforderungen an diejenigen, die noch in diese Prozesse eingreifen können. Unter Umständen verändern sich auch die Arbeitsmodelle und konkret die Arbeitszeiten. Projektarbeit rückt zunehmend in den Vordergrund – das kann zu zeitlich beschränkten Beschäftigungsverhältnissen führen wie sie beispielsweise in der Raumfahrtbranche heute schon anzutreffen sind. Und auch der  klassische Arbeitstag mit festen Start- und Feierabendzeiten könnte den neuen Abläufen zum Opfer fallen. Flexibilität ist gefragt – das ist die Botschaft der Experten.

In manchen Branchen wird die Digitalisierung allerdings so viel auf den Kopf stellen, dass komplett neue Denkweisen, vielfach veränderte Instrumentarien und damit auch neue Kompetenzen auf der Ingenieurseite erforderlich werden. Solche gravierenden Veränderungen kann es beispielsweise im Bauwesen geben. Gebäude werden dann nicht mehr in unterschiedlichen Gewerken geplant, realisiert und später auch betrieben, stattdessen rückt das Zusammenspiel von eingesetzten Materialien und Technologien, der Nutzung und des effizienten Betriebs in den Mittelpunkt. Dem Trend zu ganzheitlichen Planungsprozessen und zu veränderten Materialien sowie Produktionsverfahren folgen nun erste neue Studiengänge. Die Fachhochschule Aachen beispielsweise will im Wintersemester 2018/2019 den neuen Bachelor-Studiengang „Smart Building Engineering“ anbieten, der den Absolventen Wissen über die Digitalisierung der Bauindustrie vermittelt. In Turin und in Barcelona gibt es bereits entsprechende internationale Master-Studiengänge; die Fachhochschule Köln hat ein ähnliches Masterangebot mit dem Schwerpunkt „Green-Building“ im Programm. Eines betonen die Experten der Fachverbände und auch die Entwickler neuer Ausbildungsangebote immer wieder: Die Gesetze der Physik werden auch durch die digitale Revolution nicht verändert oder gar außer Kraft gesetzt. Ein solides Grundlagenwissen wird auch im Zeitalter der Industrie 4.0 unverzichtbar sein.

Wie werden Ingenieure 2030 arbeiten? Wir haben die großen Branchenverbände gefragt.

Dieser Artikel erschien im VDI-Karriereführer, einer Sonderpublikation der VDI nachrichten. Laden Sie sich den kompletten VDI-Karriereführer 2018 kostenfrei herunter.

Von Wolfgang Heumer

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